Grünstadt In den neuen Medien zuhause
Laptop und Smartphone, Internet, Facebook und Skype sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch die ältere Generation tut sich häufig schwer damit. Dass es auch Ausnahmen gibt, beweist Reinhold Kästner. Der Ebertsheimer wird am heutigen Samstag 95 Jahre alt.
Seit etwa zwei Jahren ist Reinhold Kästner stolzer Besitzer eines Laptops, das ihm sein Enkel besorgt hat. „Ich wollte mit der Zeit gehen und habe mir deshalb so ein Gerät angeschafft“, erzählt er. Fast täglich surfe er seitdem im Internet und entdecke immer wieder neue Seiten. Erst kürzlich habe er einen neuen Rollladen gebraucht und sich über Google ein günstiges Angebot herausgesucht. „Der war dann viel billiger, als im Geschäft“, erzählt er. Auch bei Facebook ist er angemeldet und hat schon einige bestätigte Freundschaftsanzeigen auf seiner Seite. Er spricht Google und Facebook zwar nicht englisch, sondern deutsch aus, der Handhabung tut das aber keinen Abbruch – er weiß genau, wie die Programme funktionieren. „Um fit zu bleiben, fahre ich täglich mit meinem Elektromobil durch die Straßen von Ebertsheim und fotografiere dabei gerne mit meinem Smartphone“, sagt der Rentner. Die Fotos schicke er dann auf seinen Laptop und drucke sie von dort auf seinem Drucker zu Hause aus. Seit dem Tod seiner Frau hat er eine polnische Haushaltshilfe, mit der er über Skype telefoniert, wenn sie mal auf Urlaub in Polen ist. „Da kann ich Alicja über den Bildschirm sehen und mit ihr sprechen.“ Sie spreche zwar gut Deutsch, wenn es aber trotzdem mal Verständigungsschwierigkeiten gebe, nutze er einen Übersetzungsdienst aus dem Internet. „Ich habe eine Seite gefunden, da werden die polnischen Wörter sogar vorgesprochen, damit man weiß, wie sie richtig ausgesprochen werden“, erklärt er. Dann hat er seinen Kopfhörer an das Laptop angeschlossen, damit er das gesprochene Wort gut versteht. Auch seine Nichte kontaktiert er gerne über Skype. Um fit und geistig aktiv zu bleiben, liest er noch jeden Tag die RHEINPFALZ, schaut gerne die Bundesliga oder Günther Jauchs „Wer wird Millionär“ im Fernsehen an und interessiert sich dafür, was es alles Neues gibt im Dorf. Nach dem Mittagessen macht er ein Mittagsschläfchen. „Um 15 Uhr gibt’s den Nachmittagskaffee und um 18 Uhr das Abendessen. Dazu trinke ich gerne ein Malzbier, das andere schmeckt mir gar nicht mehr“, erzählt er und lacht. Er wisse noch viel über gute Ernährung, denn seine Ausbildung habe er ursprünglich in einem Reformhaus gemacht. „Mein Gedächtnis funktioniert tadellos, nur die Kraft lässt langsam nach“, sagt er und ergänzt: „Ich kann noch alle Namen der A-Jugend-Fußballmannschaft des VfV Hildesheim aufzählen, bei denen ich in meiner Jugend mitgespielt habe.“ Gerne denke er über die vielen verschiedenen Stationen in seinem Leben nach: Er habe zehn Jahre Weimarer Republik erlebt, zwölf Jahre Diktatur unter Hitler, fünf Jahre Krieg, davon dreieinhalb Jahre als Soldat, und 40 Jahre geteiltes Deutschland, beschreibt Kästner. Stundenlang könne er Geschichten aus dieser Zeit erzählen. „Mein Vorbild ist Johannes Heesters, nur mit dem Unterschied, dass ich keine junge Frau habe“, sagt er. Und schmunzelt.