Grünstadt In China zu Elektroauto inspiriert

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Waldsee. Die Autos, die Michael Wohlfahrt verkauft, sollen wie Autos aussehen. Was für den Ingenieur keine Selbstverständlichkeit ist. Denn seit September hat er das in China gefertigte, elektrisch betriebene City-Stromerle im Angebot.

Als Michael Wohlfahrt mit dem City-Stromerle auf die B9 Richtung Neuhofen auffährt, lenkt er den Wagen vor einem Transporter auf die Fahrbahn. Dessen Fahrer gibt Gas, wohl um zu überholen. Doch auch das Elektrofahrzeug lässt sich beschleunigen, schnell ist es bei 100 Stundenkilometern. Den Überholversuch bricht der Fahrer des Transporters ab. Wohlfahrt sagt, es sei ihm wichtig gewesen, dass sein Zweisitzer „kein Hindernis auf der Landstraße“ ist. Schließlich preist er ihn nicht nur für den Stadt-, sondern auch den stadtnahen Verkehr an. Das City-Stromerle kann laut Wohlfahrt bis zu 120 Kilometer in der Stunde fahren, dennoch gibt er die Höchstgeschwindigkeit offiziell mit 95 km/h an. Der Grund: Wenn der Fahrer dauerhaft über diese Marke kommt, steigt der Stromverbrauch unverhältnismäßig an. Deshalb sind die Reichweiten-Angaben für Elektroautos auch immer nur Zirkawerte. Bei Elektroautos habe der Fahrer einen größeren Einfluss auf den Verbrauch als bei Benzinern, erläutert der Ingenieur aus Waldsee. Wenn das City-Stromerle normal gefahren wird, sollte es 120 Kilometer am Stück schaffen. Und „es bleibt auch nicht plötzlich stehen“, versichert Wohlfahrt, der die weit verbreitete Angst vom Liegenbleiben kennt. Bevor die Batterien ganz leer werden, reduziert sich die Leistung des Fahrzeugs und dann sind noch 30 km/h möglich. Der Fahrer hat 20 Kilometer, um eine Steckdose zu erreichen. In die Elektromobilität ist Michael Wohlfahrt vor ein paar Jahren eingestiegen. Bereits seit 1990 betreibt er ein eigenes Ingenieurbüro, fertigt Komponenten für die Autoindustrie; so ist der Sportwagenhersteller Porsche ein wichtiger Kunde. 20 Leute sind bei dem Waldseer beschäftigt. Zwar hatte Wohlfahrt schon 1995 ein Elektrofahrzeug entworfen, doch fand er damals niemanden, der es bauen wollte. Bei einem China-Aufenthalt vor vier, fünf Jahren faszinierten ihn die elektrisch betriebenen Roller. Benzinroller seien dort wegen des Smogs nicht erlaubt. So begann er dann, in Waldsee Elektroroller zu verkaufen. Wohlfahrt wollte auch unbedingt in den Automarkt einsteigen. Dazu fand er einen chinesischen Produzenten, der die ursprüngliche Variante des City-Stromerle produziert. „Dort rollen pro Tag 100 Stück vom Band, das ist keine Bastelbude mehr“, sagt der 53-Jährige. Für den hiesigen Markt musste und wollte er den Wagen europäisieren. Schließlich seien hier die Zulassungsbedingungen andere, zum Beispiel was die Durchsicht der Scheiben angeht. Zudem hat das City-Stromerle einen stärkeren Motor als das chinesische Modell. 13.550 Euro kostet der Wagen mit ABS, Klimaanlage und CD-Player. Wer eine stärkere Reichweite möchte, kann auf 220 oder 330 Kilometer aufrüsten. Der Aufpreis beträgt dann 6650 oder fast 10.000 Euro. Laut Wohlfahrt gebe es „sehr konkrete Interessenten“ für die Autos, die eine Lieferzeit von drei bis vier Monaten haben. Verkauft hat er aber noch keines. Er räumt ein, dass mögliche Käufer schon ein wenig Idealisten sein müssten, die „den Umweltschutz-Gedanken mittragen“. Dennoch ist er optimistisch, dass sich dieser Geschäftszweig einmal selbst trägt.

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