Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Im Anwesen Kunstmann tut sich was

Es gibt noch viel zu tun: Adrian Tabacki (links) und Florian Hofferer in einem Raum unter dem Dach, in dem die Wände erst zum Te
Es gibt noch viel zu tun: Adrian Tabacki (links) und Florian Hofferer in einem Raum unter dem Dach, in dem die Wände erst zum Teil freigelegt wurden.

Seit Oktober wird im Anwesen Kunstmann am Schillerplatz verschärft gewerkelt. Entkernen heißt die Devise, denn damit darf schon angefangen werden, bevor es eine Baugenehmigung gibt. Für das Umgestalten gilt etwas anderes, aber bevor es damit losgehen kann, ist eh noch einiges zu tun.

Eine kurze Bemerkung vorweg: Bei der Genehmigung für das Vorhaben am Schillerplatz hat nicht nur das Bauamt ein Wörtchen mitzureden, sondern auch der Denkmalschutz. Es steht in einer Denkmalschutzzone, weshalb die Bauherren in manchen Punkten nicht können, wie sie wollen, sondern klare Vorgaben erhalten werden. Da von Anfang an geplant war, möglichst viel der alten Substanz zu erhalten, ist das eine Pille, die sie mehr oder minder bereitwillig schlucken.

Beim Blick in das Gebäude drängt sich jedoch schnell der Verdacht auf, dass das mit dem Erhalten der Substanz an manchen Stellen gar nicht so einfach wird. Das alte Haus ist im Inneren sozusagen nackig gemacht worden – und dabei traten neben dem einen oder anderen Zeugnis der Vergangenheit auch ein paar nicht so angenehme Überraschungen zutage. Es war jedoch von vorneherein klar, dass das Anwesen „Problemzonen“ hat. Diese zu ermitteln und sich Lösungen zu überlegen, ist aktuell die wichtigste Aufgabe.

Bis zu sieben Schichten Tapete an der Wand

Damit das gelingen kann, haben die Handwerker um Radoslaw Nowaczyk aus Offstein in den vergangenen Wochen ganze Arbeit geleistet: alte Möbel aus dem großteils seit Jahren leerstehenden Anwesen geschafft, abgehängte Decken und an einigen Stellen auch Böden freigelegt, die Wände von bis zu sieben Schichten Putz, Rigips und Tapete befreit und einige zugemauerte Durchgänge aufgebrochen.

So kamen auch Stahlträger wieder ans Licht, die bei diversen Umbauten in der Vergangenheit eingezogen wurden und dann hinter Verkleidungen verschwanden. Dazwischen biegen sich die alten Holzbalken an einigen Stellen durch, weil sie jahrzehntelang zu viel Gewicht tragen mussten. An einer Stelle droht sogar eine ganze Wand abzusacken – und wird deshalb jetzt im unteren Geschoss von einem Spalier Teleskopstützen gehalten.

Ein klarer Fall für den Statiker

Mit alledem setze sich momentan ein Statiker auseinander, berichtet Unternehmensberater Adrian Tabacki. Zusammen mit Bürgermeister Klaus Wagner, Optikermeister Florian Hofferer und Steuerberater Markus Schatto hat er das Anwesen im Mai erworben, nachdem ein anderer Interessent abgesprungen war. Die vier wollen nun ein Projekt verwirklich, das einen Gastronomiebetrieb und drei 100 bis 130 Quadratmeter große Mietwohnungen umfasst. Für viele Grünstadter ist das Vorhaben vor allem deshalb von Interesse, weil damit ein Leerstand beseitigt wird, der eine sinnvolle Aufwertung des Schillerplatzes bisher verhinderte.

Der vorherige Eigentümer verkaufte das Anwesen, nachdem im Februar Teile der Decke im Obergeschoss heruntergebrochen waren und die Kreisverwaltung es für unbewohnbar erklärte. Die Schadstelle liegt bis heute offen: Es sind ein paar Balken zu sehen, an denen die Feuchtigkeit lange Zeit genagt hat – bis sie so morsch waren, dass sie die Lehmdecke nicht mehr halten konnten. Auch dieser Bereich ist ein klarer Fall für den Statiker.

Zeugnisse der Vergangenheit gefunden

In anderen Teilen des Hauses seien die Balken aber noch in gutem Zustand, sagt Nowaczyk. Außerdem wurden gut erhaltene Türen gefunden, die aufgearbeitet und wieder verwendet werden könnten – eine davon mit Glasfenster und Pfauen-Gravur. Auch im unteren Stockwerk traten Verzierungen zutage, als der Putz von mehreren Stützpfeilern abgeschlagen wurde: Die Stahlträger wurden wohl einst von Metallsprießen mit Ornamenten am Kopf getragen.

Zeugnisse aus der Vergangenheit haben die Handwerker nicht zuletzt auf einem der Dachböden gefunden, wo Überreste der Braun’schen Foto-Drogerie schlummerten: alte Rabattmarken und Negativstreifen vor allem. Fast zwei Monate nach Beginn der Arbeiten sind die Handwerker jedenfalls noch immer mit dem Entkernen beschäftigt. Nowaczyk schätzt, dass das bis Weihnachten dauern wird.

Wie es danach weitergeht, hängt ganz davon ab, ob das Bauamt und der Denkmalschutz bis dahin grünes Licht für die Umgestaltung gegeben haben. Wenn nicht, kehrt wohl erst mal wieder Ruhe ein.

Stein des Anstoßes: Wegen dieser Schadstelle erklärte die Verwaltung das Haus im Februar für unbewohnbar.
Stein des Anstoßes: Wegen dieser Schadstelle erklärte die Verwaltung das Haus im Februar für unbewohnbar.
Zwei Sorten Pfeiler: Links Teleskopsprieße für die darüber liegende Wand, rechts Metallstützen mit ornamentalem Kopf.
Zwei Sorten Pfeiler: Links Teleskopsprieße für die darüber liegende Wand, rechts Metallstützen mit ornamentalem Kopf.
Zeitzeugen: Die Rabattmarken und Negativstreifen dürften noch von der Foto-Drogerie Braun stammen.
Zeitzeugen: Die Rabattmarken und Negativstreifen dürften noch von der Foto-Drogerie Braun stammen.
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