Grünstadt „Ich habe den WM-Titel erst gar nicht realisiert“

CARLSBERG. „Zunächst habe ich den WM-Titel gar nicht realisiert“, blickt Lena Schleier auf ihren Erfolg bei den WTKA/WKA Unified World Championships in Marina di Carrara (Toskana) zurück. Wie berichtet, hat die 16-jährige Schülerin des Tae-Kwon-Do-Trainers Pierre Polini (TSV Carlsberg/ATSV Wattenheim) kürzlich in Italien in ihrer Alters- und Gewichtsklasse die oberste Stufe des Siegerpodestes erklommen.
Erst als Lena, wieder daheim, von Freunden, Verwandten und Mitschülern dauernd darauf angesprochen wurde, „habe ich kapiert, was für eine große Leistung ich vollbracht habe“, sagt die Gymnasiastin. Dann sei sie auch richtig stolz auf sich gewesen und habe gemerkt, dass sie selbstbewusster auftritt. Insgesamt sechs Semi-Contact-Begegnungen hat das junge Mädchen auf dem offenen Turnier, bei dem rund 10.000 Athleten aus 120 Nationen ohne vorhergehende Qualifizierung aufeinandertrafen, absolviert. In ihrer Gewichtskategorie bis 55 Kilogramm erkämpfte sie sich nach drei satten Siegen (10:5, 11:8 und 12:3) die Goldmedaille. In der nächsthöheren Klasse bis 60 Kilogramm ergatterte sie immerhin Bronze. Hat sie nicht bei der einen oder anderen Gegnerin – etwa der amtierenden WKU-Weltmeisterin Leedale Page, auf die sie im Finale traf – Sorgen gehabt, ob sie diese wirklich besiegen kann? Und wie hat sie es dennoch geschafft, Nerven zu bewahren? „Sobald ich unter Adrenalin auf der Matte stehe, sind alle Bedenken verflogen und ich kämpfe einfach“, erklärt die Carlsbergerin. Die Reise nach Italien sei sehr schön gewesen, erzählt sie, und man sei auch nicht bloß in der Sporthalle gewesen: „Wir haben uns Sehenswürdigkeiten in Florenz angeschaut und vormittags am Strand trainiert.“ Nach ihren sportlichen Zielen gefragt, sagt Lena, dass sie viele habe. Auf jeden Fall wolle sie noch an zahlreichen Meisterschaften teilnehmen, insbesondere an den Diamond Nationals in den USA. Bei dem hochkarätigen Turnier könne ein Brillantring gewonnen werden, so Lena, die am letzten November-Wochenende eine Gürtelprüfung abgelegt hat. Seither trägt sie Rot-Schwarz, eine Farbe unter der Meisterklasse der Schwarzgurte. Die Prüfungen fänden nicht in einem bestimmten Abstand statt. „Pierre entscheidet, wann jemand reif für den nächst höheren Gürtel ist“, beschreibt Lena, dass Polini sehr genau Leistung und Verhalten seiner Schüler im Blick hat. Vorzuführen seien neben Techniken aus dem Kickboxen verschiedene Übungen aus dem traditionellen Tae Kwon Do (Formenlauf), aus der Selbstverteidigung sowie aus dem Ein- und dem Zwei-Schritt-Kampf. Dazwischen werde mündlich Wissen abgefragt. Polini-Schüler gingen so gut vorbereitet in den Kampf, dass von ihnen in der Regel niemand durchfalle, erzählt Lena. Bei großen Gruppen mit jüngeren Tae-Kwon-Do-Schülern geht die 16-Jährige ihrem Trainer gern zur Hand, wie andere erfahrene Teamkollegen auch. „Dadurch, dass wir anderen etwas beibringen, verfestigt sich unser Wissen auch“, sieht sie Vorzüge in der Mithilfe. Selbst kam Lena über zwei Freundinnen in Polinis Mannschaft. Sie habe sich da gleich gut aufgenommen gefühlt, erinnert sie sich an ihre ersten Schnupperstunden vor gut sieben Jahren. Am Tae Kwon Do gefalle ihr die Vielfältigkeit. Auch könne sie sich durch die erworbenen Techniken als Frau besser verteidigen. Durchhängern verstehe Polini ausgezeichnet entgegenzusteuern. „Er kann einen sehr gut motivieren“, findet Lena. Ernsthafte Verletzungen wie schwere Prellungen oder Brüche habe sie noch nie davongetragen. „Ich hatte vielleicht mal eine Zerrung, wenn ich mich vor den Übungen nicht ausreichend aufgewärmt habe, oder Blasen an den Füßen“, berichtet das junge Mädchen, dem andere Sportarten, die es ausprobiert hat, wie Schwimmen und Voltigieren, nicht so zugesagt haben. Auch musisch ist die Carlsbergerin begabt: Sie hat Klavier gespielt, singt im Schulchor des Leininger-Gymnasiums in Grünstadt und malt gern. (abf)