Grünstadt „Ich bin ein Dienstleister“

Ingo Appelt ändert sein Programm fast täglich.
Ingo Appelt ändert sein Programm fast täglich.
Herr Appelt, schon 2016 hatte ich ein Interview mit Ihnen geführt. Auch damals war das ein Vorbericht auf Ihre Show „Besser ... ist besser!“. Wie lange wollen die Leute immer dasselbe hören?

(lacht) Immer. Es ist wie mit Schlagern. Am besten laufen die Evergreens. Wenn es aus dem Publikum heißt: „Mensch, mach doch mal den Grönemeyer“, dann erfülle ich diesen Wunsch gern. Aber das Programm wird von mir laufend aktualisiert, nur der Rote Faden bleibt gleich. Ich betrachte mich als Dienstleister. Das Wichtigste für mich ist, dass die Besucher gut gelaunt nach Hause gehen. Sie sollen Bauchschmerzen haben vor Lachen. Dafür mache ich diesen Job. Aber in der Programmankündigung wird ein Update versprochen ... Es sind ja auch fast täglich vier, fünf neue Sachen im Programm. Auch interagiere ich mit den Zuschauern, und diese Gespräche verlaufen immer wieder anders. In München beispielsweise besuchte ein Paar meine Show am ersten und am dritten Tag, und die beiden fanden, dass die Auftritte total unterschiedlich waren. Texte, womöglich nicht mal selbst geschriebene, einfach auswendig abzuspulen – das ist keine Comedy für mich. Eins hat aber natürlich Tradition: über Männer zu reden, wobei es da immer noch die gleichen Probleme sind, mit denen sich die Frauen herumschlagen müssen. Apropos Männer: Gehören Sie nach Ihrer Hochzeit im Juni 2016 auch zu dieser nutzlosen Spezies, die ihren Ehefrauen im Einkaufszentrum hinterhertrottet und über die Sie in Ihrem Programm ablästern? Die Frauen sind schon bekloppt, dass sie sich solche Deppen aussuchen. Dadurch haben wir, die Guten, ein schlechtes Image. Also ich gehe vorne weg, aber mit dem Geldbeutel. Im Übrigen bin ich ein haptischer Typ. Ich liebe Einkaufszentren. Online einkaufen wäre nichts für mich. Aber wie schon gesagt, ich bin der klassische Dienstleister – auch gegenüber meinen Geschlechtsgenossen. Wie meinen Sie das? Na ja, die Interaktion mit dem Publikum hat etwas Therapeutisches. Ich will die Männer beraten, die sind doch so frustriert. Sie wollen bedeutsam sein, sind süchtig nach Anerkennung. Insgesamt nehmen sie sich zu wichtig, und wenn sie allein sind, werden sie gefährlich. Wenn man ihnen nicht klarmacht, wer der Chef ist, werden sie größenwahnsinnig, und wir haben dann diese Trumps, Erdogans und Kim Jong-uns. Sie müssen erzogen werden, so wie es Martin Rütter mit den Hunden macht. Ihre Shows sind auch immer politisch. Kommen Sie damit bei jungen Leuten an? Es gehen Gerüchte um, dass die Jugend immer unpolitischer wird ... Mein Publikum ist in der Regel schon ein bisschen älter, denn ich bin nicht so kultig wie zum Beispiel Mario Barth. Erschreckend ist die mangelnde politische Bildung, und dass keine Solidarität herrscht. Das Drama unserer Demokratie ist, dass alle mitreden wollen, aber niemand mitmacht. Das Gros der Wähler ist kein Mitglied einer Partei. Wie sollen sich die Parteien da finanzieren? Die machen Politik, sind aber nur so klein wie ein Hasenzüchterverein. Es wäre schön, wenn die Parteien dieselben Rechte hätten wie die Kirchen: Man ist von Geburt an Mitglied, und die Beiträge werden gleich vom Finanzamt einbehalten. KARTEN Ingo Appelt in Eisenberg, Freitag, 22. Februar, 20 Uhr. Restkarten zu 29 beziehungsweise 31 Euro gibt es im Servicebüro Eisenberg unter Telefon 06351/407444. RHEINPFALZ-Ticket-Service, Telefon: 0631/3701-6618, www.rheinpfalz.de/ticketservice, www.reservix.de.

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