Grünstadt
Hypovereinsbank schließt ihre Filiale
Sein Konto bei der heutigen Hypovereinsbank hat er einst als Lehrling eröffnet, sagt ein Ruheständler aus Grünstadt: Macht gut 50 Jahre, in denen er dem Kreditinstitut die Treue hielt. Doch nun hat er Post aus dessen Zentrale erhalten: Die Filiale in der Bahnhofstraße wird geschlossen, am 22. Juni ist sie zum letzten Mal geöffnet. Begründung: Niederlassungen werden „immer weniger besucht, während Online-Banking, Telefon und Videotelefonie für Beratungsgespräche intensiver genutzt werden“.
Nur noch eine Beraterin
Wie viele Kunden damit ihre bisherige Anlaufstelle verlieren, lässt die Bank offen. Ein Sprecher sagt: Solche Zahlen würden grundsätzlich nicht veröffentlicht. Allzu groß, beteuert er, sei der Einschnitt für die Betroffenen aber ohnehin nicht. Denn Grünstadt sei zuletzt eine reine „Beratungsfiliale“ gewesen, in der lediglich eine Mitarbeiterin die Stellung hielt. Also seien die Kunden oft von Bediensteten der Frankenthaler Geschäftsstelle versorgt worden, und der würden sie nun eben ganz zugeordnet.
Doch es ist nicht nur das Beratungsangebot, das aus Grünstadt verschwindet: Auch das Selbstbedienungsfoyer wird dicht gemacht. Weil die Hypovereinsbank zum Cash-Group-Verbund gehört, bleiben den Kunden für gebührenfreie Abhebungen zwar weitere Kreditinstitute. Doch auch da ist das Angebot vor Ort überschaubar: Neben einem Automaten der Commerzbank in der Friedrich-Ebert-Straße empfiehlt die Banken-Allianz die Shell-Tankstelle in der Kirchheimer Straße als Anlaufstelle.
Bargeld an der Tankstelle holen
BDer Hypovereinsbank-Sprecher sagt: Bargeld können die Kunden mittlerweile auch an vielen Supermarktkassen abheben. Und es gebe Kontomodelle, die über die Kreditkarte einen gebührenfreien Zugriff auch auf Automaten weiterer Kreditinstitute ermöglichen. Von Unmut über die Filialschließung sei daher nicht viel zu spüren. Es gebe keine Auffälligkeiten bei der Anzahl der Kündigungen in der Region. Der Ruheständler aus Grünstadt allerdings hat sein noch zu Lehrlingszeiten eröffnetes Konto aufgelöst.
Denn er will sein Geld einem Kreditinstitut nur anvertrauen, wenn es ihm vor Ort eine Anlaufstelle bietet. Also ist er nach mehr als 50 Jahren zur Vereinigten VR Bank Kur- und Rheinpfalz gewechselt, die mit einer Regionaldirektion in der Grünstadter Bitzenstraße sowie mit einer Filiale in der Sausenheimer Raiffeisenstraße präsent ist. Und er sagt: „Ich weiß noch von mehr Leuten, die wegen der Schließung bei der Hypovereinsbank gekündigt haben.“
