Grünstadt Hoher Preis für Sicherheit und Ordnung

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Seit fast 25 Jahren versucht Gerhard Liedtke im Leiningerland für öffentliche Sicherheit und Ordnung zu sorgen: Als einziger Vollzugsbeamter der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land setzt Liedtke vor Ort gesetzliche Vorgaben für ein friedliches Miteinander um. Auch an großen und kleinen Veranstaltungen ist er direkt „an der Front“ gefordert. Wenn er über „Vorglüh-Nester, zugedröhnte Kiddies oder hochaggressive Jugendliche ohne Schmerzgrenzen“ berichtet, spricht ein Experte über die neue „Feierkultur“, die nicht mehr feierlich ist. Angesichts dessen beauftragen immer öfter Festorganisatoren Security-Firmen. Das Ordnungsamt der VG-Verwaltung setzt auf eine extra geschaffene Vollzugsgruppe. Für deren Einsatz an drei Tagen des Winzerfests hat die Ortsgemeinde Bockenheim als Veranstalter in diesem Jahr gut 5000 Euro bezahlt: ein hoher Preis für die öffentliche Sicherheit und Ordnung. „Ein friedliches Winzerfest ist uns das schon wert“, betont Wieland Benß, Bockenheimer Ortsbeigeordneter und Chef des Festausschusses der Gemeinde. Als erfahrener Organisator weiß er, wie schnell eine Veranstaltung „einen schlechten Ruf bekommen kann, nur weil ein paar Chaoten keine Grenzen mehr respektieren“. Da reiche die für 1700 Euro übers Winzerfest georderte Security-Firma bei weitem nicht aus, weiß auch Benß. Diese werden insbesondere zum Schutz der teuren elektrischen Anlagen und Gewährleistung der Sicherheit rund um die Bühne angeheuert. „Für ein friedliches Winzerfest muss aber das komplette Festgelände und der Bereich bis zum Bahnhof und der Tankstelle an der Ortsdurchfahrt kontrolliert werden“, weiß Benß aus leidvoller Erfahrung. Mit der seit 2012 existierenden Vollzugsgruppe der VG hätten die Bockenheimer nur gute Erfahrungen gemacht, so Benß, „das Winzerfest hat über die Grenzen der Pfalz hinaus einen guten Namen, gilt nach wie vor als zünftiges Weinfest, bei dem man friedlich zusammen feiern kann“. Aber: Mit 5025 Euro zahlt die Gemeinde als Veranstalter für voriges Jahr fast doppelt so viel für die Vollzugsgruppe als noch 2014. Etwas Bauchweh hat Benß mit dieser Summe dann wohl doch, schließlich verringern diese Kosten den Festerlös nicht unerheblich. Inklusive der Securtiy-Firma gibt die Ortsgemeinde als Veranstalter insgesamt etwa 6700 Euro für Sicherheit und Ordnung aus – für Helfer betragen die Fest-Ausgaben nur 2500 Euro. Durch die steigenden Ausgaben für ein friedliches Fest wird es immer schwieriger für die Ortsgemeinde, das Winzerfest wie bislang „mit einer schwarzen Null“ abzuschließen. Andererseits wissen Benß und Winzerfest-Kollegen aus eigener Erfahrung, dass sich die Feier-Mentalität vor allem einiger jüngerer Gäste in den vergangenen Jahren enorm verändert hat. Bei täglich zirka 2500 Besuchern steigt dementsprechend der Kontrollbedarf. Zur Vorbeugung von Exzessen reicht es zum Beispiel nicht aus, dass nur noch bis 1 Uhr ausgeschenkt wird – man braucht auch Sicherheitskräfte, die berechtigt sind, dafür zu sorgen, dass der Zapfenstreich auch eingehalten wird. Gleiches gilt für das Verbot, Alkohol aufs Festgelände mitzubringen. Vor gar nicht allzu langer Zeit waren allein an einem Abend einmal 97 konfiszierte Flaschen ausgeleert worden; „inzwischen sind es wesentlich weniger“, sieht Benß Erfolge durch die beständigen und umfangreichen Kontrollen der Vollzugsgruppe. Beim vergangenen Winzerfest haben 26 Mitarbeiter an den drei Tagen und Nächten insgesamt 252 Stunden für die Sicherheit und Ordnung geleistet. Allein fünf Mann der Vollzugsgruppe waren damit beschäftigt, so genannte „Vorglüh-Nester“ auszuheben. Dabei „schießen sich Jugendliche, auch Minderjährige, schon bevor sie aufs Fest gehen, mit Hochprozentigem und/oder Drogen ab,“ weiß Liedtke. Früher ging’s an den Festen einfach entspannter zu, sind sich Benß und Liedtke einig. Heute müssen Veranstalter viel mehr investieren, um ihr Fest friedlich zu halten. Das sehen auch die Bockenheimer ein. Ein friedliches Winzerfest hat halt seinen Preis. Leise Zweifel an der Notwendigkeit gibt’s vielleicht nur bei den insgesamt 1000 Euro, die für Verwaltungskosten und Zusatzversorgung zu zahlen sind.

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