Grünstadt Hier kommt Elwira
Das vogelähnliche Fabeltier Elwetritsch ist im Pfälzer Land wohlbekannt. Von der Elwewitch Elwira hat man dagegen vermutlich noch nie etwas gehört. Das wird sich jetzt ändern, denn die Altleininger Waldhexen werden mit Unterstützung dieses besonderen Wesens am Schmutzigen Donnerstag im Zentrum ihres Heimatortes Maut von den Autofahrern kassieren und an den Umzügen zum Karneval in Grünstadt und zur Kerwe in Altleiningen teilnehmen. Ute Sonneck erzählt augenzwinkernd: „Wir haben Elwira bei den Vorbereitungen zur letzten Veranstaltung ,Wandern und Genießen` im Unterholz gefunden und eingefangen.“ Gut, dass jede zweite Waldhexe im Besitz eines Elwetritsch-Jagdscheins ist. Dieser Ausweis konnte 2011 bei einer Nachtwanderung in Wachenheim erworben werden, wie sich Tanja Hatzenbühler erinnert. Sonneck räumt ein: „Damals ist aber keine Elwetritsch in unseren Sack gekrochen.“ Dafür hatten die Hexen vergangenen Sommer Glück – nämlich, dass die ortsansässige Allround-Künstlerin Tanja Lebski nichts Wichtigeres zu tun hatte, als einen komischen Vogel für einen närrischen Motivwagen zu kreieren. „Eigentlich“, sagt Sonneck, „war das schon zur letztjährigen Fasnacht mein Traum, weil wir als Abteilung der Altleininger Gogeljodler 20. Jubiläum hatten.“ Aber da die Sache doch recht aufwendig ist, wurde das Projekt verschoben. Lebski spricht von einem „Vierteljahr learning by doing“. Das Ganze sei eine große Herausforderung gewesen, so die Künstlerin, die zunächst Skizzen und ein Modell aus Knete anfertigte. Die leichteste Übung war noch, die aus einem Wortspiel – Tritsch – Witch (englisch für Hexe) – entwickelte Idee für die Figur umzusetzen, denn an Kreativität mangelt es der 50-Jährigen nicht. Aber: Von Karnevalswagen habe sie keine Ahnung gehabt, sagt sie. Die Gestalt musste eine gewisse Größe bekommen und auch einiges aushalten. Ein Eisenskelett wäre zu schwer und zu teuer gewesen. Verschiedene Mischungen aus Holzspäne und Leim sind angerührt, getestet und verworfen worden. Schließlich zimmerte man ein Holz-Gestell. An der Vorderseite wurden zwei Plastikblumentöpfe befestigt. „Ich hatte nur zwei unterschiedliche gefunden. Aber echte Brüste sind ja auch nicht gleich groß“, meint Lebski lachend. Die Brustwarzen sind kurzerhand aus zwei Sektkorken entstanden – von den Flaschen, die bei Elwiras Aufbau geleert wurden. Im nächsten Schritt ist die Grundkonstruktion mit Hasendraht umspannt und mit Bauschaum ausgefüllt worden. „Mit einer hoffentlich gut funktionierenden und lange haltenden Spezialmischung wurde die Form dann in mehreren Schichten verfeinert“, beschreibt die Künstlerin die weitere Schöpfungsgeschichte des Fabelwesens. Sandra Lautensack blickt auf diese „Schichtarbeit“ zurück: „Das war eine ziemlich klebrige Angelegenheit, hat aber total Spaß gemacht.“ Bei der Farbgebung, die der Formgebung folgte, war eine größere Gruppe der insgesamt 31 Waldhexen aktiv. Der Anhänger, auf dem die Elwewich thront, wird mit Rinde, Moos und Zweigen dekoriert. Natürlich darf auch die obligatorische schwarze Spinne nicht fehlen. Kurt Faßbender nagelt eine Bordüre aus rotem Stoff an den Wagen, während Hexen weitere Details befestigen. Schön wäre es, so Sonneck, wenn Elwira nach der Kerwe einen Ehrenplatz erhalten könnte. Ob das Wesen ausreichend wetterfest ist? Auf jeden Fall ist es auf rund 1300 selbstgedruckten Buttons verewigt, die den zugunsten der Verschönerung des 20-Röhren-Brunnens geschröpften Autofahrern am Schmutzigen Donnerstag, 28. Februar, überreicht werden. Heute Auf Seite 3: Blickpunkt Hexen