Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Hertlingshausen: Naturfreundehaus Rahnenhof besteht seit knapp 100 Jahren

Der Rahnenhof in Hertlingshausen wird seit 20 Jahren von Stephan Schenk geführt – dessen offizieller Begriff übrigens „Hüttenwar
Der Rahnenhof in Hertlingshausen wird seit 20 Jahren von Stephan Schenk geführt – dessen offizieller Begriff übrigens »Hüttenwart« ist. Findet er allerdings nicht so toll. Foto: Benndorf

Der Rahnenhof in Hertlingshausen ist ein vom Wald umgebenes Übernachtungshaus – aber Stephan Schenk wehrt sich dagegen, dass das Haus als Hotel gesehen wird. Das hat auch mit der Haltung zu tun, die er als Naturfreund hat.

Stephan Schenk ist ein Mann klarer Worte. „Wir sind kein Hotel und wir wollen auch keins sein.“ Trotzdem zählt der Rahnenhof in Hertlingshausen, den der 49-Jährige seit 20 Jahren führt, 24.000 Übernachtungen im Jahr. In dem Haus im Wald übernachten Grundschul- und Kitakinder, Wanderer, Familien und Rolligruppen. Chöre, Gewerkschaften oder Parteien nutzen das Tagungshaus, das zwar eigenständig steht, aber durch einen unter der Erde liegenden Gang mit dem Übernachtungshaus verbunden ist.

Der Rahnenhof ist eine von fünf Familienferienstätten in Rheinland-Pfalz. Dabei handelt es sich um Häuser, in denen Familien mit vielen Kindern oder niedrigem Einkommen sowie Alleinerziehende Urlaub machen und dafür vom Land einen Zuschuss beantragen können.

Das größte Problem ist es, Personal zu finden

Die Anzahl der Übernachtungen ist relativ stabil, berichtet Schenk. Das größte Problem sei es Personal zu finden, vor allem für die Küche. „Wir haben sehr lange gesucht, bevor wird dieses Jahr eine Vollzeit- und eine Teilzeitkraft neu eingestellt haben.“ Wenn Schenk sagt, das Haus sei kein Hotel, dann auch deswegen, weil die Besitzer des Rahnenhofes die Naturfreunde Frankenthal sind. Die Naturfreunde wurden Ende des 19. Jahrhunderts von Sozialisten in Wien gegründet, es ging darum, den Arbeitern in deren Freizeit die Natur näherzubringen, 1905 wurde in München die erste deutsche Ortsgruppe gegründet, 1911 die Ortsgruppe Frankenthal, die heute 450 Mitglieder zählt. 1933 wurden die Naturfreunde als Teil der Arbeiterbewegung von den Nationalsozialisten verboten, Vermögen und Häuser wurden beschlagnahmt. Zur Rolle der Naturfreunde heute sagt Schenk: Sie seien zwar parteipolitisch unabhängig, stünden aber natürlich dem linken Spektrum nahe – wenn auch zum Teil mit anderen Positionen als die Parteien. Mensch und Natur müssten bei den Naturfreunden zusammengehen – ein Unterschied zu reinen Naturschutzverbänden, bei denen die Betonung stärker auf der Umwelt liege. Schenk selbst ist als SPD-Mitglied im Kreistag Bad Dürkheim, im Verbandsgemeinderat Leiningerland und im Ortsgemeinderat Carlsberg vertreten.

Linke Einstellung spiegelt sich wider

Die linke Haltung der Naturfreunde spiegelt sich auch im Handeln des Hausleiters wider: Denn nicht alle politischen Parteien dürfen das Haus für Veranstaltungen nutzen, sagt Schenk. Wenn beispielsweise ein AfD-Kreisverband Räume mieten möchte, werde er das nicht zulassen: „AfD-Mitglieder sind keine Naturfreunde.“

Schenk legt außerdem Wert darauf, dass die Mitarbeiter Mitglied einer Gewerkschaft sind. Schließlich seien es die Gewerkschaften gewesen, die für die Dinge gekämpft haben, die heute als selbstverständlich genommen werden, sagt Schenk. Dass es rechtlich schwierig sein könnte, Arbeitnehmern den Beitritt in eine Gewerkschaft anzuempfehlen, nimmt Schenk hin: „Ich bin davon überzeugt.“

Interessant ist ebenfalls, dass es am Tag der Arbeit extra Geld gibt, und für die Arbeit am Buß- und Bettag einen Tag Sonderurlaub gibt. Der Bus- und Bettag wurde 1995 (außer in Sachsen) als evangelischer Feiertag abgeschafft, um die Pflegeversicherung zu finanzieren.

44 Zimmer, zwei Zeltplätze

13 sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter und 20 Mini-Jobber (vor allem Schüler als Küchen- oder Thekenhelfer) arbeiten im Rahnenhof, der außer an Heiligabend das ganze Jahr über geöffnet hat. Ausgebildet hat Schenk schon länger nicht mehr, weil diejenigen, die sich in den vergangenen Jahren beworben hätten, „noch nicht berufsreif“ waren. Grundsätzlich sei die Bereitschaft zur Ausbildung aber da.

Der Rahnenhof hat 44 Zimmer mit 85 Betten, auch auf zwei Zeltplätzen kann übernachtet werden, außen und innen gibt es jeweils 300 Sitzplätze.

Das Haus setzt eine Million Euro im Jahr um. Vom Verein gibt es keine Unterstützung – das ginge weder aus steuerlichen noch auch praktischen Gründen, schließlich gibt es in ganz Deutschland 400 Naturfreundehäuser. „Wir müssen alles selbst erwirtschaften“, sagt Schenk.

Dach soll erneuert werden

Ständig ist in dem riesigen Anwesen etwas zu machen, kommendes Jahr soll das Dach des 1983 erbauten Tagungshauses erneuert werden (rund 300.000 Euro). Schenk will dafür bei Land und Bund Gelder aus einem Förderprogramm für Familienferienstätten beantragen, vom Bezirksverband hat er schon eine Zusage. Danach steht die energetische Sanierung des Tagungshauses auf der To-do-Liste.

Um den Regionalgedanken zu fördern, ist der Rahnenhof Partner des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen, das heißt, Lebensmittel kommen aus der Region: Die Backwaren vom Kleinsägmühlerhof, Fleisch und Wurst von den Metzgereien Gerber aus Carlsberg und Hepp aus Altleiningen, Wild von Jägern. Für Übernachtungsgäste, die mit Bus und Bahn anreisen, gibt es 10 Prozent Rabatt. Und wenn der Gast dann nach einigen Umstiegen am Ortsrand von Hertlingshausen ankommen, werden sie von einem Schild in einer „Atomwaffenfreien Zone“ begrüßt.

Geschichte des Hauses

Das Naturfreundehaus Rahnenhof besteht seit fast 100 Jahren: Die Naturfreunde-Ortsgruppen Haßloch, Neustadt, Oggersheim und Speyer bauen zwischen 1921 und 1924 den Waldbauernhof Rahnenhof zu einem „Pfälzer Naturfreundehaus“ um. 1924 eröffnet, erlebte es großen Zuspruch: „Nie bleibt das Haus leer. Besonders die Jugend sucht es immer wieder auf. Niemals waren ihr seine Strohsäcke zu hart“, heißt es in der Chronik des Rahnenhofes. Als Hitler 1933 an die Macht kommt, wird das Haus beschlagnahmt, erst 1948 wird es den Naturfreunden zurückgegeben – „vollständig ausgeraubt und heruntergekommen“. Seit den 1950er Jahren verzeichnet die Chronik immer wieder Bautätigkeiten, Erweiterungen, Modernisierungen von Zimmern und Sanitäranlagen. 1959 übernehmen Rudi Klug und seine Familie die Hausleitung, ab 1996 arbeitet Stephan Schenk noch mit ihm zusammen, bevor er 1999 Leiter wird. Die Frankenthaler Naturfreunde sind seit 1966 Eigentümer des Hauses.

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