Kirchheim
Große Sanierung: Was sich in der Kirche in Kirchheim verändern soll
Dunkle Wände, Tauben, die es sich gemütlich gemacht hatten, ein Buch mit sieben Siegeln, an dem einer der goldenen Verschlüsse auf mysteriöse Weise verschwunden ist: In der Kirche Johannes der Täufer in Kirchheim gab es einige Baustellen, die sich über die Jahre hinweg angehäuft haben.
Im hinteren Eck des Kirchenschiffs befindet sich noch der Grundstein, der auf das Baujahr 1928 hinweist. Danach ergaben sich im Innenraum nur sehr wenige Veränderungen: 1990 fand zwar eine Renovierung im größeren Stil statt, die im Einbau einer neuen Orgel und der Umgestaltung des Altars mündete. Ansonsten blieb aber alles beim alten – zumindest bis zum September dieses Jahres.
Technik wird auf den neuesten Stand gebracht
Seitdem befinden die Innenräume der Kirche im Umbau. Auf etwa 150.000 Euro schätzt Benedikt Schardt vom Architekturbüro Nordwerk die Kosten für die Sanierung. „Zuletzt wurden die Parkettböden abgeschliffen“, sagt der Architekt, der das Vorhaben seit April 2023 als Planer begleitet. Ebenso erledigt seien unter anderem die Maler- und Verputzarbeiten sowie die Elektroarbeiten.
So soll das neue Gotteshaus nicht nur optisch einiges hermachen, sondern auch technisch dem neuesten Stand entsprechen. „Die Lautsprecher stammen zum Beispiel aus den 1970er-Jahren, heute würden wir dafür keine Ersatzteile mehr bekommen“, sagt Schardt. Neben der Beleuchtung, Schaltern und Steckdosen sei deshalb auch die Lautsprecher- und Mikrofonanlage erneuert worden. Musikgruppen in der Kirche können also ihre Ausrüstung direkt an die Lautsprechanlage anschließen. Auch Funkmikrofone sollen kein Problem mehr sein, so der Planer: „Insgesamt wird das akustische Erlebnis für die Besucher deutlich besser.“
„Es ist ein Projekt, das über die Jahre gewachsen ist“, sagt Verwaltungsratsmitglied Christian Messer und zeigt sich froh über die Sanierung, über die lange diskutiert worden sei, ehe das Bistum Speyer grünes Licht gab. Positiv hebt er die Mitarbeit der Ehrenamtlichen hervor. Vor Beginn der Renovierungsarbeiten hatten Mitglieder des Verwaltungsrates und Gemeindeausschusses sowie Ehrenamtliche der Kirchengemeinde beispielsweise das Kircheninventar ausgeräumt oder die Fenster geputzt.
Nicht nur die Innenräume sollen im frischen Glanz erstrahlen: Das Wormser Restaurierungsatelier Becker habe sich um die Ausbesserung des Hochaltars, der Kreuzwegtafeln sowie der Muttergottesfigur gekümmert. Ebenfalls ein Makel, der nach vielen Jahren ausgebessert wird: Die Darstellung am Antependium des Hochaltars soll endlich wieder sein in Blattgold verziertes siebtes Siegel erhalten. „Ich habe da auch herumgefragt“, sagt Schardt in Anspielung auf das Verschwinden des Gegenstands – herausgefunden habe er nichts.
Nur noch wenige Arbeiten bis zum ersten Gottesdienst
Auch wenn sich die Sanierung dem Ende zuneigt: Noch steht die Reinigung der Sandsteinböden aus, die in dieser Woche starten soll. Laut dem Architekten wird sie ein Steinmetz übernehmen, der bereits an einem deutlich größeren Bauwerk seine Arbeit geleistet hat: dem Speyerer Dom. Mittels Hochdruckverfahren werde dabei 80 Grad heißes Wasser in die Poren der Sandsteine gespritzt und direkt wieder aufgesaugt – um zu verhindern, dass das Gotteshaus nicht geflutet wird, sagt Schardt scherzhaft.
Auch diese Arbeiten würden in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz des Bistums Speyer erfolgen. Ebenfalls steht der Austausch der Sitz- und Kniekissen auf der Liste. Seit 30 Jahren waren diese auf den Bänken angebracht und sind entsprechend abgenutzt.
Während der Renovierung hatten die katholischen Kirchgänger die Sonntagsgottesdienste in der protestantischen Andreaskirche gefeiert. Mit dem Ende der Sanierungsarbeiten rechnet Benedikt Schardt zum Weihnachtsfest. Läuft alles nach Plan, soll pünktlich an Heiligabend der erste Gottesdienst in der umgebauten Kirche stattfinden, stellt der Architekt in Aussicht. Von den veranschlagten 150.000 Euro übernimmt die Diözese Speyer 18.000 Euro, den Rest zahlen Kirchenstiftung St. Johannes der Täufer und Grünstädter Pfarrei Heilige Elisabeth aus eigener Tasche.