Grünstadt Große Klänge auf hohem Niveau
Es ist eine Freude, einen solch ausgewogen agierenden Chor zu erleben, der mit sehr gut ausgebildeten Stimmen von Laien-Sängern beim Publikum punkten kann. Der Chor Nova Cantica bot am Sonntagabend in der katholischen Kirche St. Peter in Grünstadt seinen Zuhörern zum Beginn der meist hektischen Adventszeit eine ganz besondere Auszeit. Bis auf den letzten Platz war die Kirche besetzt, das Publikum spendete reichlich Applaus.
„Ja, Sie dürfen, wir freuen uns darüber“, sagte Chorleiter Uli Kreisel, als die ersten schüchternen Versuche unternommen wurden, nach den einzelnen Beiträgen zu applaudieren. Immerhin hatte der Chor nach wenigen Liedern die Zuhörer bereits komplett für sich eingenommen, beispielsweise mit dem Titel „Dein Reich komme“, eine Neuvertonung des Gebets „Vater Unser“, das in großer Klangreinheit von den rund 30 Sängern dargeboten wurde. Überwiegend sang Nova Cantica am Sonntagabend als vierstimmiger Chor, teilweise wurden die Männer- und Frauenstimmen aber weiter in den Werken aufgeteilt, so dass fünf- und sogar sechsstimmig einzelne Werke gesungen wurden. Sechsstimmig beispielsweise das „Agnus Dei“ des Schweden August Södermann (1832-1876), das der Komponist allerdings anders als die meisten seiner anderen Chorwerke nicht in schwedischer, sondern in lateinischer Sprache verfasst hat. „Das kommt uns sehr entgegen, denn wir müssen uns hier auf die Töne konzentrieren“, sagte Dirigent Uli Kneisel. Damit zeigte er sich allerdings bescheiden. Durch die überaus gute Stimmbildungsarbeit, die sich in jedem Beitrag dieses besonderen Konzertes spiegelte, ist Nova Cantica in der Lage, auch schwierige Kompositionen zu meistern. Sicher, da stehen immer noch Laien im Altarraum, doch die können auf einem überaus hohen Klangniveau interpretieren. Das zeigten die Tonartwechsel, die selbst für ungeschulte Ohren erkennbaren Unterschiede zwischen Moll und Dur-Passagen. Selbst Glissandi, die auch für Orchester stets eine Herausforderung darstellen, meisterte Nova Cantica problemlos. Dabei bewegten sich die Sänger genauso sicher im Genre der Gospels, wie in der angestammten neuen Chormusik, der sich die Sänger verschrieben haben. Bestes Beispiel hierfür: „Elijah Rock“, ein Spiritual, das großes Interpretationsvermögen erfordert. Gospelsongs werden nur zu gerne in der Region von so genannten jungen Chören aufgegriffen, oft aber nur unzureichend dargeboten. Hier wurden die Leistungsunterschiede zwischen Nova Cantica und anderen Chören wohl am deutlichsten. Nicht nur die hochstehende Aussprache, wenn Englisch gesungen wird, auch die Auswahl der Gospels unterschied sich deutlich. Exemplarisch hierfür waren auch „I“m So Glad“ oder später das Lied „Song Of Bethlehem“. Und am Ende setzten die Sänger dann mit dem „Celtic Advent Carol“ noch eins drauf. Das Arrangement von David Angermann verlangt vom Chor stimmliche Sicherheit. Diese konnte den Sängern, gleich welcher Stimmlage, durchgängig für den gesamten Konzertverlauf bescheinigt werden. Begleitet Am Klavier wurde der Chor am Sonntagabend von Hansol Lee. Die junge Koreanerin studiert in Mannheim Musik. Dirigent Uli Kneisel, seit dem Jahr 2012 bei Nova Cantica am Pult, hat ein untrügliches Gespür für die richtige Interpretationsweise. Das ließ sich schon alleine an der genau richtig abstimmten Konzertlänge von einer Stunde ableiten. Am Ende schockte er dann aber alle Sänger und Zuhörer gleichermaßen mit der Ankündigung, dass es Nova Cantica in dieser Zusammensetzung nicht mehr geben werde. Hörbar entsetztes Luftholen. Kneisel löste aber direkt wieder auf: „Ja, die Aufnahmesperre für neue Sänger ist nach einem Jahr jetzt wieder beendet.“ Ab der nächsten Probe können sich neue Mitstreiter für einen Platz im Chor bewerben.