Grünstadt
Grünstadter Sternstunden: Trauer wird zu wunderschöner Musik
1865 komponierte Johannes Brahms ein Kammermusikwerk, das allein schon durch seine Besetzung heraussticht: das Trio für Klavier, Violine und Waldhorn in Es-Dur op. 40. Seinerzeit galt das Horn, noch nicht mit dem heutigen perfekten Klappenmechanismus ausgestattet, als zur Kammermusik völlig ungeeignet. Dass dem nicht so ist, will das Horntrio um den Hornisten Tillmann Höfs am Samstag, 21. September, beim Grünstadter Kulturverein beweisen. Brahms’ Horntrio ist das Hauptwerk des Konzerts, das von Grünstadter Gymnasiasten moderiert wird.
Was hat Brahms zur Wahl dieser ungewöhnlichen Besetzung veranlasst? Wohl der Tod seiner Mutter. Die Trauer um sie muss den Komponisten mit seiner Kinderzeit in stärkere innere Berührung gebracht haben. Man weiß, dass das Horn das Lieblingsinstrument seiner Jugend war. Bei der Uraufführung allerdings saß Brahms am Klavier.
Elegische, bewältigte Trauer kennzeichnet denn auch den sehr nobel erfundenen, reich bewegten ersten Satz. Ungewöhnlich: Brahms wählte hier nicht die damals für Eröffnungssätze übliche Sonaten-Hauptsatzform, in der zwei gegensätzliche Melodien kontrovers und konfliktreich miteinander ins Gespräch gebracht werden. Vielmehr wird das musikalische Material in einfacherer Weise variiert wiederholt. Meist konzertieren Geige und Horn, das Klavier begleitet. Hier zeigt sich, ob ausführende Künstler zu verinnerlichter, ausdrucksstarker Interpretationskunst in der Lage sind. Mit raschen Tempi ist hier nichts gewonnen.
Vielleicht eher beim durchaus gedämpft-heiteren Scherzo, ebenfalls von sehr inspirierter Erfindung. Hier darf man nicht auf die Tube drücken, vielmehr gilt es, mannigfaltig Klangfarbenschattierungen differenziert zu feiern. Im Trio hört man, sehr verändert, das Volkslied „Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein“. Das Adagio gilt ganz der Klage um die Mutter, indes das Finale recht turbulent wirbelt und dabei ebenfalls ein Volkslied zitiert, das von der Vergänglichkeit des Lebens spricht, aber sich keineswegs einen brillanten Schluss versagt.
Beim ersten Hören komplex
Clara Schumann, derzeit jubiläumshalber in aller Munde, kommentierte seinerzeit die Uraufführung: „Die Leute verstanden dieses wahrhaft kühne und äußerst interessante Werk nicht, und dies obwohl der Kopfsatz zum Beispiel sehr reich an einnehmenden Melodien ist und der Schlusssatz vor Leben strotzt. Auch das Adagio ist wunderschön, doch es ist in der Tat schwer verständlich, wenn man es zum ersten Mal hört.“
Der 1996 geborene Tillmann Höfs ist Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs 2017. Der Kulturverein empfiehlt: „Scheinbar mühelos spielt er sich regelmäßig in das Herz des Publikums. Die Fachwelt prophezeit ihm eine vielversprechende Karriere als führender Hornist der kommenden Jahre.“ Dabei hat er zunächst das Trompetespiel erlernt und sich erst mit 15 Jahren mit dem Horn befasst. Viel Lob erntete 2018 seine Debüt-CD „Air“. Seine Schwester, Luisa Höfs, widmet sich mit Leidenschaft der historischen Aufführungspraxis Alter Musik. Seit 2017 ist sie festes Mitglied der ersten Violinen der Duisburger Philharmoniker an der Deutschen Oper am Rhein. Begleitet werden die Geschwister Höfs von Akiko Nikami, geboren 1979 in Japan. Seit Oktober 2009 arbeitet sie als Korrepetitorin an der Universität der Künste Berlin und wirkte als offizielle Begleiterin unter anderem beim Deutschen Musikwettbewerb. Auch sie hat reiche kammermusikalische Erfahrung.
Das Horntrio präsentiert auch Zeitgenössisches
Wolfgang Amadé Mozarts Quintett für Horn, Violine, zwei Violen und Violoncello in Es-Dur KV 407 aus dem Jahr 1782 ist selten zu hören, weil sich kaum ein abendfüllendes Kammermusikprogramm für diese seltene Besetzung aufstellen lässt. Durch zwei Bratschen statt zwei Violinen nähert Mozart den Streicherklang dem dunklen Timbre des Horns an. Das Stück enthält eine Fülle wunderbarer Musik und gibt herrliche Beispiele der geistreichen Variationskunst Mozarts. Das Horntrio bringt in Grünstadt eine Trio-Bearbeitung, mit der es das Konzert eröffnet. Zu entdecken ist zwischendrin Zeitgenössisches: Tre Poemi von Volker David Kirchner, Jahrgang 1942.
Für das Konzert erarbeiten Schüler des Leininger-Gymnasiums eine szenische Moderation: von der musikwissenschaftlichen Recherche bis hin zur szenisch-theatralischen Umsetzung.
Termin
Das Horntrio-Konzert beginnt am Samstag, 21. September, um 20 Uhr in der Evangelischen Stadtmission, Jakobstraße 30, in Grünstadt. Karten in Grünstadt bei Optik Neumann, Bilder und Rahmen Haaß und bei der Tourist-Info sowie bei allen Verkaufsstellen des RHEINPFALZ-Ticket-Service und allen Reservix-Verkaufsstellen. An der Abendkasse steht für Jugendliche bis 19 Jahre ein Freikontingent zur Verfügung, für Behinderte mit Ausweis: die Begleitperson ist frei.