Leiningerland Gleichstellungsbeauftragte bringen Kalender heraus
Die Idee zum Kalender stammt von Andrea Braun, bis Mitte 2020 alleinige Gleichstellungsbeauftragte Grünstadts und der Verbandsgemeinde Leiningerland. Seit Juli arbeitet sie mit Kira Wolf zusammen, die an dem neuen Projekt auch beteiligt war. Das Ganze begann damit, dass Braun aus reinem Interesse im Internet nach bekannten Frauen Grünstadts und des Leiningerlands suchte. Dabei stieß sie auf Bessie Becker, eine in Grünstadt geborene Modedesignerin und Kostümbildnerin. Becker gehört zu den wenigen Frauen, die sich schon Mitte des 20. Jahrhunderts einen Namen in der Modebranche machen konnten und sogar über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt waren.
Braun überlegte, wie man am besten in die Öffentlichkeit tragen könnte, was für tolle Frauen in der Region leben und gelebt haben, und kam auf den Gedanken einen Kalender zu erstellen. Bei der Suche nach weiteren bedeutenden und inspirierenden Frauenfiguren hatten sie und Wolf die Zwölf schnell zusammen, suchten dann Fotos und Bilder, recherchierten Lebensläufe und nahmen zu manchen Frauen auch Kontakt auf. Der Kalender porträtiert nun jeden Monat eine andere Frau, deren Werdegang auf der Rückseite des Blattes kurz skizziert wird.
13 Wegbereiterinnen aus dem Leiningerland
Alle Frauen sind in Grünstadt oder dem Leiningerland geboren, aufgewachsen oder wohnen heute noch hier. Sie sind oder waren in verschiedenen Bereichen tätig – oft in welchen, in denen Frauen noch nicht so Fuß gefasst haben oder hatten, wodurch man sie als Wegbereiterinnen bezeichnen kann. Das soll auch andere dazu ermutigen, über den Tellerrand hinwegzuschauen und sich klarzumachen, wie viele Möglichkeiten ihnen heute offenstehen.
Neben Bessie Becker ist Franziska Riotte vertreten, die sich bereits im 19. Jahrhundert als ledige Frau durch ihre Malerei selbstständig finanzieren konnte. Hildegard Heinze war die erste Frau im Verbandsgemeinderat, Dr. Irmgard Spiess die erste, die am chemischen Institut der Universität Heidelberg eine wissenschaftliche Assistentenstelle erhielt und eine der wenigen Frauen, die in den 40er Jahren eine Firma leiteten. Auch Gräfin Eva von Leiningen-Westerburg ist dabei: Sie gab sich nicht damit zufrieden, dass ihr Halbbruder nach dem Tod ihres Vaters regieren sollte und kämpfte solange für eine Kompensation, bis sie als Gräfin von Leiningen eingesetzt wurde.
Vielfältige Möglichkeiten werden aufgezeigt
Auch vier Sportlerinnen schmücken den Kalender: Hürdenläuferin Claudia Reidick, Dritte bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988, und Stabhochspringerin Lisa Ryzih, die als Juniorenweltmeisterin und Silbermedaillengewinnerin bei den Europameisterschaften große Erfolge feierte. Dazu Sophia Attilo und Nicole Nützel als Gewichtheberinnen des Kraft-Sport-Vereins Grünstadt, deren Beispiel jungen Frauen zeigen soll, dass männerdominierter Sport keine reine Männersache bleiben muss.
Wie vielfältig die Wege sind, die heute eingeschlagen werden können, zeigt der Kalender anhand der Ägyptologin Prof. Dr. Eva Christiana Köhler, der Weinkönigin und Diplom-Weinbetriebswirtin Sylvia Benzinger-Kugler und Modedesignerin Bessie Becker. Mit der Pianistin Emilie Schmitt ist auch eine sozial engagierte Frau vertreten, die sich als Vorsitzende des Grünstadter Kulturvereins lange für das kulturelle Leben einsetzte. In die gleiche Kategorie fällt Claudia Zechel. Sie rief unter einfachsten Bedingungen das Gesundheits- und Kinderdorfprojekt Asha Vihar (zu Deutsch „Ort der Hoffnung“) in Indien ins Leben und erhielt dafür das Bundesverdienstkreuz.
Zu guter Letzt enthält der Kalender auch Infos zu Veranstaltungen der Gleichstellungsstelle, Zitate interessanter Frauen und Daten und Fakten zur Gleichstellung der Frau.
Noch Fragen?
Nähere Informationen gibt es bei den Gleichstellungsbeauftragten Kira Wolf, E-Mail kira.wolf@gruenstadt.de, und Andrea Braun, E-Mail andrea.braun@gruenstadt.de, sowie unter der Telefonnummer 06359/805105.