Grünstadt Glücklich in Grünstadt

Willkommen: Bürgermeister Klaus Wagner (rechts) begrüßt (von links) Martin, Anton, Anika und Johann Scheuble.
Willkommen: Bürgermeister Klaus Wagner (rechts) begrüßt (von links) Martin, Anton, Anika und Johann Scheuble.

615 Menschen haben sich innerhalb der letzten zwölf Monate entschieden, ihren Wohnsitz nach Grünstadt zu verlegen. Sie alle waren eingeladen zum Neubürgerempfang, der am Samstag im historischen Sitzungssaal des Alten Rathauses stattfand. Bei Sekt und Gebäck wurden rund 50 von ihnen willkommen geheißen. „Ich hoffe, Sie sind gut angekommen bei uns“, sagte Bürgermeister Klaus Wagner (CDU), der die Verwaltung der 13.947 Einwohner-Stadt und Projekte vorstellte.

„Der Zuzug junger Familien hat uns überrannt“, erklärte Wagner. Die 540 Plätze in den acht Kindertagesstätten deckten den Bedarf nicht mehr. Er kündigte an: „Wir werden eine neue Einrichtung mit drei Gruppen für 75 Jungen und Mädchen schaffen oder eine bestehende Kita entsprechend erweitern.“ Derzeit entstünden 15 weitere Plätze im Sausenheimer Kindergarten. Der Anbau soll nach den Sommerferien fertig sein. Karin Holzapfel meldete sich zu Wort: Händeringend suche sie für ihre acht Monate alte Urenkelin einen Krippenplatz. Wagner und seine zuständigen Mitarbeiterinnen notierten sich das Anliegen der 80-Jährigen, erläuterten ihr aber, dass ein Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz erst ab dem zweiten Geburtstag bestehe und rieten ihr, sich nach einer Tagesmutter umzuschauen. Holzapfel schilderte die Situation: „Meine Enkelin hat hier Augenoptikerin gelernt, war drei Jahre in Jena und möchte jetzt wieder in Grünstadt arbeiten.“ Sie müsse etwas dazu verdienen, und es sei sogar gerade eine Stelle frei. Bis auf das vorgebrachte akute Problem ist die Seniorin aber glücklich in Grünstadt. Im April 2017 ist sie mit ihrem Mann aus Brandenburg gekommen. „Meine Enkelin hat eine tolle Wohnung mit Fahrstuhl in der Innenstadt gefunden und für uns renoviert.“ Die gebürtige Berlinerin lobte die Kurzzeitpflege im Kreiskrankenhaus, den Stadtpark, die Weinwanderwege und die Nähe zu Ausflugszielen wie dem Hambacher Schloss. In Grünstadt erfahre sie einen Zugewinn an Lebensqualität. Das finden auch Anika und Martin Scheuble. Die jungen Eltern von Johann (drei) und Anton (anderthalb) haben übers Internet ein zentral gelegenes Reihenhaus gefunden. Für ihre Kinder brauchten sie mehr Platz und einen Garten, sagten sie. Warum es sie im vergangenen Juni nach Grünstadt verschlagen hat, erklärte Anika Scheuble: „Uns gefällt das Kleinstädtische, und dass man das Gefühl hat, an der Entwicklung mitwirken zu können.“ Langfristig hat das Ehepaar vor, ein Haus zu kaufen oder zu bauen. Die Grundstückspreise seien deutlich moderater als in Mannheim, wo sie vorher gelebt haben, oder in Ludwigshafen, wo der Mann arbeitet. Meike und Sascha Weihrauch haben bereits ein Grundstück im Neubaugebiet In der Bitz erworben. Am 1. Januar sind sie aber erst einmal in eine Mietwohnung in der Innenstadt eingezogen. Diese hätten sie nach ein bis zwei Monaten intensiver Suche gefunden, berichtete die 37-Jährige. Die gebürtige Kerzenheimerin und der Ramser, die ihr vier Wochen altes Baby schon in einer Kita angemeldet haben, wollten sich in der Gegend niederlassen, aus der sie stammen, „aber in der Stadt“. Man sei nicht so aufs Auto angewiesen, meinte Meike Weihrauch, „ich kann viel zu Fuß erledigen“. Ihr 43-jähriger Partner hob die guten Einkaufsmöglichkeiten, den Bahnhof und die Nähe zur Weinstraße positiv hervor. Unter anderem die vielen kleinen Geschäfte, das freundliche Miteinander („hier sagt man ,Guten Tag’“), das Kulturangebot sowie das Cabriobad Leiningerland, das sie regelmäßig besucht, haben Siegrun Volkart bewogen, sich in Grünstadt niederzulassen. Die gebürtige Ludwigshafenerin, die in Großkarlbach aufgewachsen ist und ihr Erwerbsleben in Zürich verbracht hat, hat es wieder zurück in die Pfalz gezogen. „Ich habe ein Haus gefunden, das ich von Grund auf saniert habe“, erzählte sie.

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