Kirchheim RHEINPFALZ Plus Artikel Glööckler wird 55: „Nicht der Moment, um Feste zu feiern“

Harald Glööckler mit Hund Billy King.
Harald Glööckler mit Hund Billy King.

Modeschöpfer Harald Glööckler wohnt seit fünf Jahren in Kirchheim. Dort kann er zurückgezogen ohne den Berliner Hauptstadt-Trubel leben, wie er im Gespräch mit Timo Benß erzählt. Doch was macht ein kreativer Kopf in der Krise?

Herr Glööckler, wie geht es Ihnen in der Krise?
Das ist ja nicht die erste Krise in meinem Leben. Ich finde von einer Krise kann man nur am Anfang sprechen, dann muss man Lösungen finden. Wenn man sich dann immer noch einbildet, es sei eine Krise, verstärkt man es. Irgendwann ist es keine Krise mehr, sondern ein neuer Zustand. Ich finde das Wort Krise schwierig, denn es ist sehr negativ. Krise ist der Moment, in dem etwas auf einen hereinbricht und man damit Lösungen suchen muss. Aber dann ist es ja keine Krise mehr. Es gibt immer zwei Möglichkeiten, mit Sachen umzugehen: Überall was Positives zu finden, auch Chancen zu finden oder eben sich gleich von vornherein geschlagen geben, also es als was Schlimmes zu betrachten. Da unterscheiden sich auch Menschen. Es gibt Firmen wie Otto, die in Krisen ihr Imperium aufgebaut haben. Wir leben in einer Dualität. Jedes Negative hat auch was Positives.

Als wir 2015 das letzte Mal miteinander gesprochen haben, sind Sie gerade nach Kirchheim gezogen. Wie haben Sie sich seitdem eingelebt?
Sehr gut! Ich bin da sehr für mich und das Grundstück ist ja auch groß genug, dass ich mal raus kann. Ich bin sehr zurückgezogen hier. Und das ist auch der Grund, warum ich aus der Stadt raus wollte. Wenn ich Öffentlichkeit gesucht hätte, hätte ich ja aus Berlin nicht weg müssen. Als ich damals weg bin, wurde gesagt: Wie kann man so bekloppt sein und von so einem tollen Penthouse aufs Land ziehen? Und jetzt in der Krise muss ich mich fast rechtfertigen, dass ich einen Park habe. Jeder, der eine Wohnung in der Großstadt hat, könnte auch etwas mit einem kleinen Garten auf dem Land kriegen.

Also lebt es sich in Isolation auf dem Land besser?
Absolut! Wenn Sie in der Stadt leben und gehen raus und die Geschäfte und Lokale sind zu, das ist schon deprimierend. Bei meinen Freunden in Berlin ist es furchtbar. Du kannst nicht raus. Kaum sitzt du auf einer Bank, schon kommt wieder einer. Das ist auf dem Land schon anders.

Wie feiern Sie denn heute ihren 55. Geburtstag? Es wird ja aufgrund der aktuellen Lage wahrscheinlich keine allzu pompöse Party, oder?
Nein, wir sind immer noch in selbstgewählter Isolation. Für mich ist es kein Grund, rauszugehen und im Viereck zu springen oder – wie viele es machen – an die Ostsee oder Nordsee zu fahren. Das halte ich alles noch für verfrüht. Also ich habe keine Party. Wir feiern zu dritt: Mein Mann, mein Hund und ich, das war’s. Es ist auch nicht der Moment, um Feste zu feiern. Ich finde auch, man sollte als Vorbild vorangehen. Ich wäre ein schlechtes Vorbild, wenn ich jetzt eine Party schmeißen würde und wir würden alles außer Acht lassen. Das ist auch nicht mein Stil. Und dann sind Geburtstage sowieso so etwas Schwieriges. Es ist die Frage: Soll man das feiern? Gewissermaßen sind ja Beerdigungen auch Feiern. Man weiß ja bei Geburtstagen auch nicht, ob man lachen oder weinen soll. Es ist halt wie es ist. Wenn man feiert, dann nur wegen der anderen, um denen eine Freude zu machen.

Sind Sie immer noch der neue Promi im Dorf? Oder ist es für die Leute im Leiningerland mittlerweile normal, dass ihnen Harald Glööckler beim Einkaufen begegnet?
Das weiß ich nicht, da müssten Sie die Leute in Kirchheim fragen. Wenn ich einkaufen gehe, dann in Grünstadt oder in Frankenthal. Da sind schon immer mal Leute, die mich vorher noch nicht gesehen haben. Für die ist es ja schon spannend. Die schicken mir dann bei Instagram völlig blöde Fotos, wie ich an der Kasse stehe und bezahle, und schreiben „ich habe Sie im Supermarkt gesehen“. Aber das hat sich ja momentan auch erledigt.

Schöpfen sie als kreativer Mensch aus dem Stillstand neue Kraft oder behindert Sie das eher?
Weder noch. Erst einmal kann man von Stillstand bei mir nicht reden. Ich habe das registriert und mir gedacht: Okay, dann muss man das Online-Business mehr ausbauen. Dann habe ich die Zeit zuhause genutzt und mit ganz vielen Partnern neue Lizenzen abgeschlossen. Ich habe neue Produkte etabliert in den letzten zehn Wochen. Da kommt jetzt einiges: von Mode über Kosmetik bis zu Hundehalsbändern. Außerdem habe ich ein Buch geschrieben: „Krise als Chance – erfolgreich in die Zukunft“. Ich habe jetzt nicht mehr Ruhe als sonst. Ich habe den ganzen Tag zu telefonieren.

Sie haben vergangenes Jahr in Bad Dürkheim ein Café eröffnet. Haben Sie das Gefühl, dass die Dürkheimer es annehmen?
Ich habe es zwar eröffnet, aber es ist nicht mein Café. Die Herrschaften haben den Namen und das Recht, ein Café zu betreiben, das von mir designt ist.

Sie haben also überhaupt nichts damit zu tun?
Ich hatte damit noch nie was zu tun, außer dass ich meinen Namen gegeben und den Laden designt habe. Ich mache alles, was es von mir gibt, mit Lizenzen. Ob das Häuser sind, die in Hamburg gebaut wurden, ob das Tapeten sind oder Kosmetik, Fahrräder – alles, was ich mache, ist ein Lizenzgeschäft.

Woran arbeiten Sie denn momentan?
Momentan arbeite ich an einer Strickkollektion, einer Latexkollektion, an Hundehalsbändern, Hundebetten, Hundefutter, an einem Buch, an Schokolade, an einem Song …

… an einem Song?
Ja, der wird im Juli veröffentlicht. „Wir sind V.I.P.“ heißt der Song. Den habe ich in Köln vor der Krise schon aufgenommen. Außerdem habe ich Masken gemacht, eine Sportkollektion, eine Fahrradkollektion, mein Buch. Also einiges. Gin kommt jetzt raus. An Essen bin ich dran – leider keine Pfälzer Spezialitäten, sondern schwäbische: Maultaschen. Ich bin ja in Maulbronn geboren, wo die Maultaschen erfunden wurden. Dort engagiere ich mich auch für das Kinderzentrum.

Das ist ja einiges! Vielen Dank für das Gespräch.
Danke Ihnen! Aber eines will ich noch sagen: Ich fühle mich sehr wohl in der schönen Pfalz. Ich bin sehr gerne hier und habe auch nette Freundschaften in den Jahren geschlossen, obwohl ich sehr zurückgezogen bin. Das ist wunderschön. Und das Wetter ist ja immer „e Träumche“ hier bei uns an der Weinstraße.

x