Grünstadt „Ging uns nie darum, Bad Boys zu sein“

Irgendwie gefällt es uns schon, mit der 80s-Musikszene assoziiert zu werden. Das war immerhin eine sehr vielfältige und interessante Szene, die von Hard Rock bis Dance/Disco reichte, vermischt mit viel Drum-Sound und Synthesizern. Wir wollten damals unseren eigenen Sound schaffen und haben Rock, Reggae und Ska mit neuen Instrumenten gemixt. Etwa mit Mandolinen, Blockflöten, Akkordeon, Mandola und natürlich der Melodica, die wir „hooter“ nennen. Für die, die immer noch danach fragen: Danach haben wir uns auch benannt. Selbst unsere Freunde bei Hohner (Instrumentenhersteller, Anmerkung der Redaktion) nennen das Instrument jetzt so. Danke dafür! In den 80ern wurden ein paar echte Klassiker produziert. Wir sind froh, Teil davon gewesen zu sein – und die Songs heute noch spielen zu dürfen. Nur wenige wissen, dass Ihr Jungs ja als eine der ersten richtigen Indie-Bands betrachtet werden dürft. Ja, das stimmt. In den ersten fünf Jahren (1980 bis 1985) waren wir „indie“, haben eigene 45er vertrieben und ein Indie-Album namens „Amore“ (1983). Wir fühlten uns dieser Szene verbunden und vor allem mit den britischen Two-Tone-Bands wie The Specials, Madness, Selecter und The English Beat. Viele Bands sind dann auf dem Indie-Trail gefolgt und spielten einfach die Musik, die sie spielen wollten. Selbst als wir dann bei einem Major Label unterschrieben hatten (1985 bei Columbia/Sony), verstand man dort, dass wir nun schon eine ganze Weile unser eigenes Ding gedreht hatten, und man ließ uns glücklicherweise freie Hand. Und so ist es auch danach immer gewesen. Euer Live-Aid-Auftritt 1985 war Euer großer Durchbruch. Man hört, dass Ihr Organisator Bob Geldof damals von Promotern aufgezwungen wurdet und er Euch eigentlich nicht dabei haben wollte. Eure Performance fehlt auch auf der DVD. Welche Erinnerung habt ihr an die Story, und wie steht ihr heute zu dem Sir? Ja, das war damals unser lokales Promo- und Management-Team, das Bob Geldof dazu gepusht hat, eine lokale Band als Opener in Philadelphia einzusetzen. Unserer Heimatstadt! Wir waren zur Zeit des Live-Aid-Sommers gerade dabei, in den USA populär zu werden, liefen im Radio und auf MTV. Aber es stimmt wohl, dass Geldof uns damals nicht kannte. Und so war es verständlich, dass es von seiner Seite Widerstand gab. Aber unser Team überzeugte Bill Graham, den Haupt-US-Promoter, die Hooters mit an Bord zu holen. Und so spielten wir denn auch an diesem heißen Tag als erste Band in unserer Heimatstadt Philly. Obwohl es unsere Show nicht auf die DVD geschafft hat, haben wir mit Bob Geldof später zusammen mehrere Konzerte in Deutschland gegeben. Ich weiß nicht, ob er ein Fan ist oder nicht, aber wir respektieren seine musikalischen Erfolge und Charity-Aktionen. Wir hoffen, er respektiert unsere Hingabe und Ausdauer ebenso. Wir sind immer noch da. And it’s only Rock and Roll. Euer erster großer Hit war „Satellite“, ein Song, der damals als kontrovers empfunden wurde wegen seiner kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Religion. Viel hat sich ja seither offenbar nicht verändert, Religion ist immer noch ein heißes Eisen. Wir finden: Je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie gleich. Und so ist das auch mit der Religion, die sich in den USA stark mit Kommerz und Politik vermischt. „Satellite“ bleibt einer unserer Lieblingssongs, die Lyrics sind immer noch relevant. Wir stehen zu ihm! „Johnny B“ hat Euch dann unsterblich gemacht. Macht es immer noch Spaß, den Song zu spielen? Nun, dazu gibt es eine interessante Geschichte. Wir verbanden mit der Single aus unserem zweiten Album die große Hoffnung, an unser sehr erfolgreiches Debüt „Nervous Night“ anzuknüpfen. Aber in den USA gab’s kein Radiopublikum dafür, was uns sehr enttäuschte. Bis wir in Europa tourten. Wir bemerkten, dass gewisse Songs in manchen Ländern besser funktionierten als in anderen. Und in Deutschland nahm man den Song so, wie wir ihn beabsichtigt hatten. Eine wunderbare Überraschung für uns. Wir sind sehr dankbar dafür, dass dieser Titel einer unserer beliebtesten wurde. Wir spielen ihn, wie auch unsere anderen Klassiker, immer noch gerne. Es ist jeden Abend anders, und das Publikum vereinnahmt ihn. Dafür sind wir dankbar. In den 1990ern begann Euer Stern in den USA zu sinken, aber in Europa war Euer Erfolg ungebrochen. Wie erklärt Ihr dieses Phänomen? Man kann ja beinahe von einem Hasselhoff-Effekt sprechen. Eine immer wiederkehrende Frage, auf die wir keine Antwort wissen. Es liegt wohl an der Musik und unserer Live-Performance. Wir haben nach unseren Übersee-Touren in den späten Achtzigern glücklicherweise hier ein neues Publikum gefunden, als es in den USA etwas schleppend für uns lief. Jetzt ist Deutschland unser Hauptmarkt, dazu kommen Skandinavien, die Schweiz und Österreich. Wer weiß schon warum? Wir sind immer aufgeregt, wenn wir hierher kommen. Die deutschen Fans sind sehr loyal, ob wir mit einem neuen Album kommen oder nicht, und sie unterstützen uns Nacht für Nacht. For that we say a big „Vielen Dank!“ Die Rock-and-Roll-Attitüde scheint ja in der heutigen Musik-Industrie immer mehr zu verschwinden. Noel Gallagher meinte kürzlich, dass es keine Bad Boys mehr gebe und alles langweilig geworden ist. Für uns ging es nie darum, Bad Boys zu sein. Obwohl wir natürlich alle unsere Momente hatten in unseren jungen Jahren. Es ging immer um die Musik und um die Show. Wir nehmen das nicht als selbstverständlich hin, langweilen uns auf der Bühne nicht und arbeiten daran, die Dinge anders und besser zu machen. Auch nach 30 Jahren soll die Musik noch frisch klingen, gerade für unsere wunderbaren Fans. Es ist ein Klischee, aber wir haben die besten Fans in Deutschland. Was hält die Zukunft denn bereit für die Hooters? Und was kann man beim Burgsommer von Euch erwarten? Wir denken immer über neue Hooters-Musik nach, aber wir sind alle viel beschäftigt. Jeder hat sein eigenes Studio, das er auch zum Interagieren mit anderen Musikern nutzt, wenn wir gerade nicht die Hooters-Road entlang fahren. Und dann haben wir ja auch Familien! Irgendwann wird es aber vielleicht auch neues Material von uns geben. Im Moment spielen wir mehr als zwei Stunden pro Nacht und kriegen da auch nicht das ganze Material unter, das wir gerne hätten. Und was den Burgsommer angeht ... Are you ready? Wir sind’s! Kommt und feiert mit uns „35 Jahre Live“. Wir werden alles geben, was wir haben. Und hoffentlich geben uns auch die Fans ein bisschen Musik ... (Foto: privat/Jan Klug-Offerman)