Grünstadt Gesundheit im Landkreis ist weiblich

Dr. Silke Basenach kam vor mehr als drei Jahren als stellvertretende Leiterin ans Gesundheitsamt des Kreises Bad Dürkheim. Seit einem Jahr ist die 51-jährige Medizinerin Chefin in der Neustadter Neumayerstraße 10. Dort arbeitet sie mit vielen Frauen. Anfangs gab es Unruhe – Zickenkrieg aber offenbar nicht. Sie mag ihren Job.
Nicht immer ist ihr Tag so turbulent wie jener, als schon um 7.45 Uhr das Telefon klingelt und es heißt: Totenschein ausstellen, weil der Hausarzt nicht aufzutreiben ist. Und kurz danach eine Frau mit Selbstmordgedanken Hilfe braucht, bevor eine Sitzung und eine Hygienekontrolle in einer Arztpraxis folgen. Silke Basenach mag solche Tage, die, wie sie sagt, Abwechslung in einen Job bringen, den man von außen als dröge Schreibtischarbeit abtun könnte. Seit einem Jahr leitet die Medizinerin das Gesundheitsamt – oft auch vom Büro aus. Aber: „Jeder Tag ist anders als geplant“, sagt sie im RHEINPFALZ-Gespräch im Kreishaus. Es gebe viele verschiedene Aufgaben und Zeit und Gelegenheit, mit Menschen zu sprechen. Sie geht gern zu den Infoständen an Schulen, an denen die Behörde über Aids aufklärt. „Mit jungen Leuten, das macht einfach Spaß.“ Auch wenn Fragen zu Kondomen, Schwangerschaft und Aids-Übertragung manchmal geringe Sachkenntnis der Schüler offenbarten, schätzt sie deren Offenheit und Interesse. „Es ist gut, wenn alles gefragt wird.“ Auch an jenem turbulenten Tag konnte Basenach das meiste telefonisch erledigen oder delegieren, nur in der Arztpraxis schaute sie selbst nach, ob alles hygienisch zugeht – denn für diese Kontrolle ist sie zuständig, ebenso wie für den Infektionsschutz und die amtsärztlichen Untersuchungen in Grünstadt, bevor etwa Lehrer in den Beamtenstatus gelangen können. Wer schwer krank ist, werde nicht so leicht „verbeamtet“. Turbulenzen kennt die gebürtige Saarländerin, die man nach 25 Pfalz-Jahren akustisch nicht mehr an der Saar verortet und die in Neustadt-Diedesfeld wohnt, von zu Hause. Nach dem Medizinstudium in Homburg arbeitete sie in England und zog mit ihrem Mann, einem Ingenieur, der für ihn besseren Jobchancen wegen nach Neustadt. Fünf Kinder hat sie, heute zwischen 14 und 23 Jahre alt. Turbulenzen waren da programmiert. Die schmale, unprätentiöse Frau lacht. Nach jedem Kind war sie nie länger als ein Jahr zu Hause. „Ich habe immer gearbeitet.“ Möglich war dies auch dank einer Tagesmutter und flexibler Arbeitszeiten. Im Neustadter Hetzelstift fing sie in der Inneren Abteilung an, später arbeitete sie auf einer halben Stelle als Betriebsärztin und in einer Kinderarzt-, dann in einer Allgemeinarztpraxis. Ans Gesundheitsamt kam sie im Herbst 2014 zunächst als stellvertretende Leiterin und Nachfolgerin von Thomas Kienbaum, der sie auf die Stelle angesprochen hatte. Mehr als zwei Jahre später ersetzte sie den anderen Mann an der Spitze: Hermann Jehl ging in den Ruhestand. Das Amt ist fest in Frauenhand: Unter den 35 Leuten sind lediglich sieben Männer. „Das klappt gut“, meint Silke Basenach. Sie grinst und meint es ernst. Als sie Chefin wurde, sei es „unruhig“ gewesen, viele hätten versucht, sich neu zu positionieren. Anfangs habe sie auch viele Gespräche um persönliches Wohlbefinden geführt. Das macht sie heute nicht mehr in dem Maße, aber kollegial und fair soll es zugehen. „Wenn es jemandem schlecht geht, frage ich nach.“ Nachdem die Aufgaben klar verteilt waren, herrschte auch wieder Ruhe. Die 51-Jährige ist ein natürlicher Typ. Schon der Hauch Lidschatten und Lipgloss ist ihren Kolleginnen am Morgen des Pressetermins aufgefallen. Viele Kollegen kann Basenach da nicht getroffen haben, denn sie beginnt ihre Arbeit um 7 Uhr, oft ist sie die erste im Haus. Da hat sie Ruhe für die E-Mails, und manchmal kann sie so schon um 14 Uhr nach Hause, wenn keine Sitzung ansteht. Die Chefin hat eine 80-Prozent-Stelle. So kommen auch ihre Kinder – nur die zwei Jungs sind noch zu Hause und in der Schule – zu „ihrem Recht auf Mama“. Auch die Arbeit komme nicht zu kurz, beteuert Silke Basenach, am Nachmittag sei sie in Rufbereitschaft. Sich selbst beschreibt die Leiterin des Gesundheitsamts nicht als Zögerer, sondern als Entscheider. Zu Hause jedenfalls hat sie sich schon durchgesetzt, scherzt die Ärztin. Zwei Töchter studieren ebenfalls Medizin, die dritte Psychologie. Sie würde ihren Beruf wieder wählen. Der sei vielseitig, spannend und sogar familienfreundlich machbar. Als mitten im Gespräch mit der Zeitung die Tür im Büro auffliegt und Kreisbeigeordneter Claus Potje wortlos auf die Uhr und den nächsten Termin weist, packt sie eilig ihre Sachen und eilt ihm hinterher. Sie war keine Minute zu spät.