Grünstadt Geschichten aus der Geschichte

Auch bekannt als „Emma Temple“: Katrin Tempel.
Auch bekannt als »Emma Temple«: Katrin Tempel.

Auf Einladung der Gemeindebücherei Obrigheim wird die Bad Dürkheimer Autorin Katrin Tempel, die der Liebe wegen von München in die Pfalz gezogen ist, am Freitag aus ihrem Roman „Über dem Meer die Freiheit“ lesen.

Katrin Tempel, die seit Abschluss ihres Studiums der Geschichte und Politik als Journalistin arbeitet, hat ihre schriftstellerische Karriere mit dem Schreiben von Pferdebüchern für Kinder begonnen. Als passionierte Reiterin und Pferdebesitzerin liegt ihr das Thema immer noch am Herzen. So ist im Februar dieses Jahres erneut ein Pferdebuch für Jugendliche aus ihrer Feder erschienen. Ihre zweite große Leidenschaft gilt der Historie. „Mir macht es Spaß, längere Texte zu schreiben und auch mal meiner Fantasie im Rahmen der historischen Wahrheiten freien Lauf zu lassen. Die Idee zu Romanen mit einem historischen Hintergrund hatte ich schon während meines Studiums der Geschichte – die eben aus zahllosen Geschichten besteht“, erzählt die Autorin. Ihre ersten historischen Romane erschienen auf Wunsch ihres Verlages unter einem Pseudonym. „Emma Temple wird aktiv, wenn die Romane im Ausland spielen – also in Neuseeland oder Irland. Sie wurde ins Leben gerufen, weil diese Art Romane immer von Autorinnen mit einem englischen Namen verfasst werden – auch wenn Sarah Lark oder Lauren Walden ebenso wenig englischsprachig sind wie ich“, erläutert Katrin Tempel. Im Mittelpunkt ihrer Bücher stehen starke Frauengestalten. So auch in ihrem aktuellen Roman „Über dem Meer die Freiheit“. Die Protagonistin Charlotte muss nach dem Hambacher Fest 1832 ihre Heimat verlassen und begibt sich auf die lange und gefährliche Reise nach Amerika. Dazu wählt sie einen unkonventionellen Weg. Katrin Tempel: „Alle meine Figuren sind angelehnt an reale Personen. Bei meiner Charlotte war das in Teilen Regina Wirth. Die ist zwar älter (nämlich Jahrgang 1792), aber sie hat sich nach der Gefangennahme ihres Mannes nach dem Hambacher Fest mit dem Vertrieb seiner Schriften über Wasser gehalten.“ Die bayerischen Ermittler, erzählt Tempel, hätten gegen Wirth ein Ermittlungsverfahren wegen der Teilnahme an direkter Aufreizung zum Aufruhr in Gang gesetzt. Sie entzog sich der Verhaftung durch eine Flucht nach Frankreich. „Natürlich habe ich Regina Wirth jünger gemacht – und die Flucht länger und aufregender. Da habe ich auch andere wilde Fluchtgeschichten aus dieser Zeit mit hinein gemischt. Charlotte ist also historisch möglich – auch wenn sie in Wirklichkeit mehrere Frauenschicksale dieser Zeit in sich vereint“, so Tempel. Im Südwesten nahm die Demokratiebewegung ihren Anfang, was schließlich zur badisch-pfälzischen Revolution 1848/49 führte. Auf die Auswanderungswelle nach der gescheiterten Revolution aus der Pfalz nach Nordamerika und deren Folgen wurde Tempel bei einem Besuch in den Staaten aufmerksam. „Ich bin bei einem Urlaub in den USA auf die Forschungen zu den „48ers“ gestoßen: Hier untersuchen amerikanische Historiker den Einfluss der deutschen Einwanderer auf die US-amerikanische Geschichte.“ Damals seien erstmals nicht hungernde Bauern auf der Suche nach einem besseren Leben nach Amerika gekommen, sondern die gebildete Elite eines Landes. „In den USA ist man sich sicher, dass auch Abraham Lincoln durch die Freundschaft mit einem deutschen Demokraten in seinem späteren Kampf gegen die Sklaverei bestärkt wurde“, so Tempel. Die deutschen Auswanderer waren in New York nicht sonderlich willkommen und so muss auch die junge Charlotte weiterziehen bis sie ihr Glück findet. Katrin Tempel, deren Mann bekennender Pfälzer ist, hat ihr Glück in Bad Dürkheim gefunden: „Ich mag die Landschaft, die Menschen, den Wein und die Feste. Als Wahl-Dürkheimerin habe ich natürlich auch den Wurstmarkt ins Herz geschlossen. Nur mit der Sprache tue ich mich immer noch schwer: Wenn mein Mann richtig pfälzisch loslegt, dann verstehe ich kaum etwas.“ Karten —Freitag, 18. Mai, 19 Uhr, Gemeindebücherei in der Grundschule am Sonnenberg, Gasseweg 17, Obrigheim (Ortsteil Mühlheim), Eingang neben der Turnhalle. —Karten zu 5 Euro inklusive Getränke an der Abendkasse.

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