Hertlingshausen Gelebte Vielfalt beim Ethnomusikfestival
Das Ethnomusikfestival, zu dem der gemeinnützige Carlsberger Verein „Jeder kann was“ (Jekawa) nach zweijähriger pandemiebedingter Pause wieder einlädt, ist die kleine Fortsetzung des großen Projektes Ethno Germany des Jeunesses Musicales International. Der deutsche Ableger des 1945 gegründeten Weltverbandes zur musikalischen Förderung junger Menschen veranstaltet seit 2013 einmal jährlich auf der Burg Lichtenberg in Kusel ein Camp. Seit dem heutigen Montag läuft es wieder. Es bietet Jugendlichen und Heranwachsenden eine Woche lang Gelegenheit, sich der traditionellen Musik aus verschiedenen Ländern zu nähern und dabei Angehörigen anderer Kulturen offen und voller Respekt zu begegnen.
Die Artistic Leaders der Ethno-Workshops, alles professionelle Musiker, wissen die Kreativität der Teilnehmer gut zu nutzen und praktizieren in der instrumentalen und gesanglichen Ausbildung die Peer-to-Peer-Didaktik. Das bedeutet: Lernen durch Hinhören, Hinschauen und Nachahmen. Sechs Tage nach dem Abschluss des diesjährigen Ethno Germany sind diese Kursleiter, die aus Algerien, Bulgarien, Portugal, der Türkei und aus Deutschland stammen, sowie drei Assistenten im Carlsberger Ortsteil Hertlingshausen im Einsatz. Mit dabei ist neben dem in der Region bekannten Posaunisten Bernhard Vanecek aus Limburgerhof unter anderem Jacinta Pereira.
Auch die Jüngsten werden ins Boot geholt
Die junge Frau, die in Lissabon Orgel studierte sowie in Regensburg und Rottenburg noch einen Bachelor in Kirchenmusik absolviert hat, „ist eine Meisterin der niederschwellig partizipatorischen Musikvermittlung“, schwärmt Volker Bolay, der Vorsitzende des Vereins Jekawa, der Integration und Inklusion durch gemeinsame künstlerische Tätigkeiten erreichen will. „Sie schafft es, sowohl die Jüngsten als auch die Ältesten mit ins Boot zu holen und zu begeistern“, so der Psychotherapeut, der unter anderem mehr als 25 Jahre lang Dekan an der Fakultät für Musiktherapie der SRH-Hochschule Heidelberg war.
In Anlehnung an das Motto „Ostwind“ des Kultursommers Rheinland-Pfalz stehen laut Bolay „beim Treffen der Welt im Dorf“ diesmal Rhythmen und Melodien vom Balkan, von den Sinti und Roma, aus dem Slawischen und von den jüdischen Gemeinschaften Osteuropas im Fokus. Kommen darf jeder, der mindestens acht Jahre alt ist und etwas für Musik übrig hat – mit und ohne Migrationshintergrund oder Behinderung. „Man muss weder Noten lesen noch ein Instrument spielen können“, sagt der Professor im Ruhestand. Der Landrat des Kreises Bad Dürkheim, Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU), der die Schirmherrschaft übernommen hat, lobt die dreitägige Veranstaltung im historischen Karolinenhof: „Hier wird über menschliche Vielfalt nicht nur geredet, sondern sie wird in allen Facetten gelebt.“ Das Ethnomusikfestival biete eine großartige Chance, kulturell über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.
TERMIN
Eröffnet wird das dritte Ethnomusikfestival in Hertlingshausen, Unterdorfstraße 7, am Freitag, 26. August, 19.30 Uhr mit einem Konzert einer international besetzten Band aus den besten Künstlern des Ethno Germany 2022. Der Eintritt ist frei. Den Abschluss bildet eine Aufführung der Festivalteilnehmer am Sonntag. Für die Workshops und die Verpflegung mit Gerichten aus aller Welt wird ein Kostenbeitrag von 20 Euro pro Person erhoben. Anmeldung unter Telefon 06356 8634, E-Mail: info@jekawa.de.