Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Frühe Blüte führt zu früher Ernte

Früher ging die Weinlese vor Ende September nicht los, heute haben die Reben von Winzer Matthias Heil aus Kirchheim schon Anfang
Früher ging die Weinlese vor Ende September nicht los, heute haben die Reben von Winzer Matthias Heil aus Kirchheim schon Anfang August genug Süße, um für Federweißen geerntet werden zu können. Das Bild zeigt Heil beim Messen mit dem Refraktometer an seinen Phönix-Stöcken.

Obwohl der Sommer noch nicht vorbei ist, steht die Traubenlese an. Seit Jahren müssen die Winzer immer früher mit der Ernte beginnen. Für die Betriebe heißt das, dass eine Verschnaufpause oder ein spontaner Urlaub im Spätsommer nicht drin sind. Wann geht die Lese im Leiningerland diesmal los? Wir haben nachgefragt.

Für Winzer Matthias Heil aus Kirchheim steht die Ernte der frühen Rebsorten erst Ende August oder Anfang September an. Nicht etwa, weil die Trauben jetzt noch nicht reif für einen Federweißen wären. Im Gegenteil: Bei seiner weißen Sorte Phönix hat der promovierte Lebensmitteltechniker am Wochenende 60 Grad Oechsle gemessen. „Die Trauben hätten ausreichend Zuckergehalt, um daraus neuen Wein zu machen“, berichtet Heil, der den Betrieb gemeinsam mit seiner Familie bewirtschaftet.

Perfekt sei es, wenn die Trauben für Federweißen zwischen 60 und 100 Grad Oechsle hätten. „Alles was darüber geht, wird zu süß mit zu wenig Säure und wir erreichen die Qualitätsstufe Auslese“, sagt Heil. Regelmäßig misst er mit dem Refraktometer den Zuckergehalt in seinen Beeren. Dass es im Kirchheimer Weingut noch keinen neuen Wein gibt, liegt am derzeit sehr warmen Wetter. Die Haltbarkeit des Rebensafts sei begrenzt, die Gärung würde durch Wärme sehr beschleunigt und bei Sommerhitze Federweißen verkaufen will Heil nicht.

Für Federweißen soll es kühler werden

„Die Nachfrage kommt erst, wenn es etwas kühler wird“, weiß der Winzer, der in der Saison rund 2000 bis 3000 Liter neuen Wein produziert. Dies macht laut Heil rund fünf Prozent seiner gesamten Ernte aus. Das Geschäft mit dem „Neuen“ sei für ihn einfach ein Zubrot und gleichzeitig gewinne man im besten Fall Neukunden. Es kurbele also das Geschäft an. Etwa 75 Prozent der Kunden wünschten sich weißen Federweißen.

Das Weingut richtet sich nach dem Geschmack. Süß müsse er sein und noch ein bisschen bitzeln, so die Erfahrung des 53-Jährigen. Wer den Gärungsprozess verlangsamen wolle, müsse den Wein einfach kühl stellen, rät der Experte.

Noch sind die Beeren gesund

Mit frühen Traubenerzeugnissen kennt sich Heil aus. Alle zwei Jahre erntet er bereits Ende Juli noch unreife, grüne Trauben für seinen Verjus. Dieses Jahr produziert er allerdings keinen Würzsaft mit dem herb-sauren Geschmack, der als Essigersatz, Aperitif oder ganz einfach mit Wasser gemischt als Erfrischung getrunken werden kann. Im Mittelalter habe man vor allem Verjus getrunken, heute sei dieser Saft nicht mehr so bekannt. Die noch unreifen Trauben werden ausgepresst, gefiltert und dann heiß in ihre Flaschen abgefüllt. Für den Würzsaft nimmt Heil unreife Trauben der Sorte Phönix, bei denen er auf Pflanzenschutzmittel verzichtet.

Mit der generellen Entwicklung seiner Trauben auf einer Anbaufläche von rund zwölf Hektar ist Heil in diesem Jahr recht zufrieden. „Die Beeren sind gesund. Allerdings kommt es nun langsam zu Sonnenschäden“, erklärt der Winzer. Und der Wassermangel habe vor allem Anlagen mit weniger wasserdurchlässigen Böden geschadet. Aus dem Grund hat Heil solche Rebflächen mit einer Tröpfchenbewässerung versorgt.

Bisher kein Problem mit Kirschessigfliegen

Auch das Weingut Hammer aus Sausenheim nutzt die Tröpfchenbewässerung. „Vor allem junge Anlagen profitieren davon“, sagt Doris Hammer. Neuen Wein gibt es in diesem Betrieb voraussichtlich ab Anfang September. Dann würden die frühen Sorten wie Huxelrebe oder Ortega gelesen. Dieses Jahr ebenfalls sehr früh erntereif sei der Bacchus, den das Weingut auch für Traubensaft nutzt.

Die frühe Blüte und viel Sonnenschein führten wie in den vergangenen Jahren zu einer ungewöhnlich frühen Lese. Die Faustregel besagt: 100 Tage nach der Blüte kann geerntet werden. Das Problem mit der Kirschessigfliege, das Winzern in den vergangenen Jahren allerorts zu schaffen machte, gebe es momentan noch nicht, sagt Hammer, die gemeinsam mit ihrem Mann 32 Hektar Rebfläche bewirtschaftet.

Früher ging die Lese erst Ende September los

Auch im Weingut Hartmetz-Kling in Kleinkarlbach ist die unliebsame Fliege bislang kein Problem – kann allerdings noch kommen, wenn die Beeren durch Regen aufplatzen und es weiter sehr heiß bleibt. Hans-Joachim Hartmetz erinnert sich noch gut an die Weinlese vor 30 und 40 Jahren. „Da ging es vor dem 23. September meist nicht los“, sagt er. Und es sei nach dem Sommer noch Zeit geblieben, beispielsweise um Wein auszufahren.

Im Kleinkarlbacher Weingut wird ebenfalls gewartet, bis der bislang sehr heiße August verstreicht, um mit der Lese zu beginnen. Die Reihenfolge bei den Traubensorten habe sich geändert, erzählt Hartmetz, dessen Familienbetrieb 40 Hektar betreut. Der Grauburgunder müsse wetterbedingt schon früher geerntet werden, um den spritzigen Geschmack erhalten zu können.

Man darf sich auf einen guten Jahrgang freuen

Im Bockenheimer Weingut Schäfer steht der Traubenvollernter derzeit noch still, um Ende August in die Saison zu starten. Christian Schäfer sagt: „Mit Bacchus beispielsweise beginnen wir für Federweißen.“ Mit der Gesamtsituation ist er zufrieden. „Kühle Nächte und tagsüber Sonne waren gut. Ich denke, es wird eine gute Qualität“, meint Schäfer, der im Familienbetrieb rund 60 Hektar bewirtschaftet.

Jörg Neumann vom Weinlabor Bockenheim zeigt sich, was den neuen Jahrgang angeht, ebenfalls, optimistisch: „Die Konstellation der Säure und des pH-Werts sind maßgebend. Es kommt nicht unbedingt auf die Sorte an, sondern ist vom Weinstil abhängig und welches Produkt ich erzeugen möchte.“ Generell seien die Trauben noch gesund. Sollte kein Hagel oder ein großes Unwetter mehr kommen, darf man sich auf einen guten Jahrgang freuen, sind sich alle Winzer einig.

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