Grünstadt / Leiningerland
Fernunterricht bei der Feuerwehr
Die gute Nachricht gleich mal vorweg: Über die Einsatzfähigkeit der Feuerwehrleute in Grünstadt und in der Verbandsgemeinde (VG) Leiningerland muss sich niemand Sorgen machen. Noch nicht jedenfalls – auch diese Einschränkung soll nicht unerwähnt bleiben. Denn dass der aktuelle Zustand über viele weitere Monate hinweg durchgehalten werden kann, ohne dass es sich auf die Routinen und und den Zusammenhalt in der Truppe auswirkt, bezweifeln die Wehrleiter.
Fürs Erste gilt jedoch: Obwohl die Kameraden bereits seit Mitte November keine gemeinsamen Übungen mehr durchführen und aktuell aus bekannten Gründen auch keine Fortbildungen denkbar sind, ist alles im grünen Bereich. „Wir sind ein eingespieltes Team, das großteils über Jahre hinweg jeden Donnerstag zusammen geübt hat“, sagt Jens Michel, Leiter der Grünstadter Feuerwehr, für seinen Beritt. „Da sind alle Handgriffe eingeschliffen, die vergisst man so schnell nicht.“
Muss sitzen wie im Schlaf
Zu denken gibt ihm nur, dass bisher nicht absehbar ist, wie lange die aktuelle Situation anhalten wird. Die Wehren in Grünstadt und der Verbandsgemeinde folgen einer Empfehlung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, die von gemeinsamen Übungen abrät. „Es wäre natürlich problematisch, wenn einer von uns infiziert ist und dann alle in Quarantäne müssten“, erklärt Michel den Gedanken dahinter. Bis jetzt sei das auch völlig in Ordnung, doch wenn sich der Lockdown bis in den Sommer ziehe, „kommen wir in einen Bereich, in dem man sich was Neues überlegen muss“. Länger sollten die Feuerwehrleute seiner Ansicht nach nicht auf die gewohnten Übungen verzichten.
So sieht es auch Markus Ittel, Leiter der Feuerwehren der VG, und ergänzt: „Es gibt bei uns einfach Handgriffe, die wie im Schlaf beherrscht werden müssen. Wenn die monatelang nicht aufgefrischt werden, können sie im Einsatz vielleicht nicht mehr ganz so selbstverständlich abgerufen werden, wie es sein sollte.“ Den Stillstand bei den Gemeinde-Feuerwehren beobachtet er daher mit einer gewissen Sorge.
Kursangebote im Internet
Momentan würden nur noch Geräte geprüft und gewartet, denn das seien Pflichtaufgaben, die nicht vernachlässigt werden dürften. „Das machen wir in Kleinstgruppen von höchstens drei Personen und führen genau darüber Buch, wer hier wann mit wem zusammen im Gerätehaus war“, berichtet Ittel. In Kleinstgruppen würden die Wehrleute auch an den neuen Tragkraftspritzen und der vom Landkreis frisch beschafften Drohne ausgebildet. Dadurch ziehe sich alles etwas in die Länge, aber es gehe nicht anders, denn der Umgang mit neuen Geräten müsse unbedingt vermittelt werden.
Darüber hinaus hat die Verbandsgemeinde-Feuerwehr den Weg ins Internet gefunden. Dort bietet sie nun Online-Kurse an. „Vor allem geht es da um Theorie“, erklärt Ittel. „Wir haben aber auch schon Vorträge zu speziellen Themen wie Waldbränden und Tiefbauunfällen übertragen.“ Am Anfang sei das schleppend gelaufen, mittlerweile nehme das Interesse an diesem Angebot aber zu. Auch die Bambini und die Jugendfeuerwehren würden auf die Art bei der Stange gehalten.
Das Miteinander leidet
In der Stadt läuft es ähnlich. „Als es im Frühjahr den ersten Lockdown gab, haben wir uns überlegt, was wir dem Nachwuchs bieten können, damit ihm nicht langweilig wird“, erzählt Michel. Schließlich hätten sie Kindern und Jugendlichen Seile und Schläuche vorbeigebracht, damit sie im heimischen Garten das Auswerfen und Zusammenrollen üben können. Zudem gebe es Internet-Angebote für Kinder, und auch Erwachsene würden sich über Online-Portale für die Feuerwehrarbeit auf dem Laufenden halten.
Bei allem Einsatz, der jetzt gezeigt wird, gehe eines aber dennoch verloren, berichten Michel und Ittel übereinstimmend: das Miteinander der Ehrenamtlichen. „Normalerweise gibt es nach jedem Einsatz noch eine Besprechung, wir treffen uns für Wartungsarbeiten oder auch einfach mal so“, berichtet Ittel. Das gehe nun aber alles nicht mehr, was sehr bedauerlich sei, denn die Kameradschaft und der Zusammenhalt seien bei der Arbeit der Feuerwehren extrem wichtig.
Auch in Grünstadt leidet der gesellige Teil – und das nicht erst seit November. „Wir haben seit vergangenem Frühjahr nicht mehr zusammen gekocht, das ist normalerweise ein fixer Termin für uns gewesen“, erzählt Ittel. Nach dem ersten Lockdown habe es Lockerungen gegeben, sodass die Feuerwehrleute im Sommer in zwei Teams völlig unabhängig voneinander Übungen machen konnten. Aber auch das sei bereits anders gewesen als gewohnt – und jetzt gebe es gleich den nächsten Lockdown.
Bislang noch alle an Bord
„Ich will mich aber nicht beschweren“, betont Michel. „Schließlich leidet jeder irgendwie unter der Corona-Situation.“ Es bleibt jedoch festzuhalten: Mit dem Ausfall von gemeinsamen Unternehmungen, Feuerwehrfesten, Tagen der offenen Tür und Besuchen bei Partnerfeuerwehren fällt nicht nur der soziale Kitt weg, der die Truppe normalerweise eng zusammenschweißt, sondern auch eine Einnahmequelle. „Das trifft natürlich auch die Fördervereine“, stellte Ittel klar. Was das für die Wehren bedeute, müsse sich erst noch zeigen.
Dass das Interesse am ehrenamtlichen Engagement nachlässt, haben die Wehrleiter bislang nicht feststellen können. Es gebe Frust und Enttäuschung, aber aufgehört habe noch niemand, stellt Michel klar. Im Gegenteil: In Grünstadt hätten sich sogar ein ganz junger Mann und ein alter Hase gemeldet, die gern in der Wehr anfangen respektive wieder zu ihr zurückkehren würden, wenn sich die Situation normalisiert – was für die Feuerwehrleute aus mehreren Gründen besser noch vor dem Sommer passieren sollte.