Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Für wenige Sekunden um die Welt

Der Pfälzer Henric Hackmann ist mit großen Zielen nach Kanda gereist.
Der Pfälzer Henric Hackmann ist mit großen Zielen nach Kanda gereist.

Henric Hackmann ist gerade dabei, sich seinen größten Traum zu erfüllen. Am Freitag feiert der Bahnradsprinter aus Kirchheim bei seinem ersten Nationscup Premiere. Seit Montag weilt er in Kanada – und ist gespannt wie ein Flitzebogen.

Für 18 Sekunden auf dem Rennrad oder, wenn es gut läuft, für zweimal 18 Sekunden ist Henric Hackmann nach Toronto geflogen. Das macht nicht nur ihn mächtig stolz, das verursacht auch bei seinen Freunden und Teamkollegen große Freude. Alle sind sich einig: Das hat sich der „Hacki“ so richtig verdient. Alessa-Catriona Pröpster (23), die seit vielen Jahren mit Hackmann für das Bahnradteam Rheinland-Pfalz startet und auch in Kienbaum die Ausbildung zur Bundespolizistin absolvierte, sagte: „Das freut mich mega, dass Henric mit dabei ist. Dann bin ich auch nicht so alleine aus meinem Team.“

Nun – Bundestrainer Jan van Eijden aus Kaiserslautern gibt Hackmann erstmals die Chance, sich international zu präsentieren. Sein für die Olympischen Spiele in Paris bereits gesetzter Teamkollege Luca Spiegel aus Landau ist nicht mit nach Kanada geflogen und gönnt sich gerade eine Woche aktive Erholung aus Mallorca, „Hacki“ wird Luca als Anfahrer auf Position eins vertreten. Hackmann ist definitiv nicht ganz so schnell wie Spiegel, der eine Bestzeit von 17,25 Sekunden auf der 250-Meter-Runde hat. Für ihn geht es, wie Heimtrainer Frank Ziegler sagte, darum, die 18-Sekunden-Marke zu knacken. „Ich bin in einer sehr guten Form, fühle mich echt gut und versuche, eine neue Bestzeit zu fahren“, sagte Hackmann vor dem Abflug. Bis vergangenen Montag weilte der 1,97 Meter große Sprinter im Trainingslager in Frankfurt/Oder.

Weil er nicht die nötigen Punkte hat, um auch in den Einzeldisziplinen wie Sprint oder Keirin fahren zu dürfen, wird der Pfälzer, der seit zehn Jahren für den RV Rodenbach startet, bereits am Samstag wieder nach Hause fliegen. Alleine – und mit hoffentlich erfüllten Zielen. „Es ist ja erst das zweite Mal, dass ich mich außerhalb unserer deutschen Zeitzone aufhalte. Ich war mal als Kind in Mexiko, an einen Jetlag kann ich mich nicht mehr erinnern“, ordnet Hackmann die Bedeutung seiner Weltreise ein.

Die deutsche Nationalmannschaft wohnt derzeit im Hotel Sandman in Oakville am Ontariosee, zur Radrennbahn in Milton sind es 20 Minuten. Am Freitag, 20 Uhr deutscher Zeit, wird Hackmann mit Stefan Bötticher und Pete Flemming antreten. Wenn sie unter die besten acht der 14 Teams kommen, dürfen sie ein zweites Mal ran. Das Umfeld mit den ganz Großen im Bahnradsport ist neu für den 21-Jährigen. „Bei der Elite ist es noch mal ganz anders, man hat ein bisschen mehr Freiraum, alles wird erwachsener gehandhabt, das ist sehr cool für mich“, gibt er einen ersten Eindruck.

Henric Hackmann hat aufregende Monate hinter sich – mit Höhen und Tiefen. Zum einen beruflich. Als Bundespolizeianwärter hat er das zweite von vier Ausbildungsjahren hinter sich und die Zwischenprüfung mit sehr guten Leistungen bestanden. Zum anderen körperlich. Das Knie machte ihm enorm zu schaffen, weil er sich mit zu großem Ehrgeiz übertrainierte, einfach zu viel wollte. „Ich habe zu lange nicht auf meinen Körper gehört, gab ihm keine Zeit zu regenerieren, dann musste ich einen Cut machen und aufhören“, erzählte Hackmann. Nun geht es also wieder. Seinen bisher größten Erfolg mit internationalem Anstrich hatte „Hacki“ im vergangenen Jahr bei den Europameisterschaften der U23-Klasse in Anadia gefeiert. Damals wurde er mit dem deutschen Teamsprinttrio, namentlich mit Luca Spiegel und Willi Weinrich, Dritter. Sie hatten im kleinen Finale Frankreich geschlagen. In Milton geht es für ihn auch darum, sich so zu präsentieren, dass eine erneute Teilnahme an den U23-Europameisterschaften im Juli in Cottbus möglich wird.

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