Grünstadt Für Nostalgiker: Das erste Faxgerät

In einem unscheinbaren Mehrfamilienhaus im Mannheimer Stadtteil Seckenheim verbirgt sich ein großes Stück moderner Technikgeschichte. Hier hat sich Erwin Schmich seinen großen Traum erfüllt und im vergangenen Jahr sein eigenes kleines Technoseum eröffnet. Das Privatmuseum dokumentiert die Geschichte der Elektroinstallation seit ihren Anfängen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Damit bereicherte der 76-Jährige die Museumslandschaft des kleinen Mannheimer Vororts um eine weitere Einrichtung. Denn neben dem Heimatmuseum und seinem Rückblick auf die Ortsgeschichte kann Seckenheim noch auf ein Handarbeitsmuseum sowie auf Europas einziges Aufzugsmuseum verweisen. Mit dem zu ihm gehörigen Wasserturm wurde das Aufzugsmuseum gerade erst mit dem Preis für Denkmalpflege ausgezeichnet. Auf Anfrage und zu besonderen Gelegenheiten öffnet Erwin Schmich die Türen in der Zähringer Straße 6. „Wenn mir etwas gefallen hat, dann habe ich es aufgehoben“, erklärt er selbst die Anfänge und das Anwachsen seiner Sammlung, die mit zunehmenden Berufsjahren immer größer wurde. Interessierte können hier eintauchen in die Welt von der Frühzeit der Elektroinstallationen bis zu alten Telefonen und Volksempfängern, deren Röhren noch aus Wehrmachtsbeständen stammen. Eine Trafostation aus den 1920er Jahren gehört ebenso zu den Schmuckstücken wie eines der weltweit ersten Faxgeräte aus dem Jahr 1952. Licht- und Klingelanlagen sind in der ehemaligen Vier-Zimmer-Wohnung ebenso zu sehen wie Sicherungskästen aus ganz frühen Elektronikzeitaltern oder ein Röhrenprüfgerät aus dem Jahr 1930. „Es hat mir Spaß gemacht, und ich habe damit meine ganze Familie angesteckt“, lacht der 76-Jährige, der das Museum mittlerweile mit Ehefrau Ellen, den Kindern Christiane und Ralph sowie Schwiegertochter Patrizia pflegt. Und auch die Enkelkinder sind Feuer und Flamme für Lichtanlagen, Glühbirnen und die Türklingeln. Dabei teilen sie vor allem Großvaters Leidenschaft für Glühbirnen. „Ich bin ein Osram-Fan“, lacht Schmich und verweist auf die Prunkstücke seiner Sammlung: Eine der ersten Glühbirnen mit intaktem Kohlefaden aus einem Jahr zwischen 1890 und 1900, eine Kugellampe aus dem Jahr 1910 oder die große Straßenleuchte aus der Schweiz mit drei Mal 400 Watt und die Lichtquelle aus einem Filmprojektor mit stolzen 1000 Watt. „Drei Jahre haben wir gebastelt, bis wir so weit waren, dass wir das Ganze auch präsentieren können“, verrät er. Immerhin wurde die gesamte Sammlung aus verschiedenen Kellern nach dem Tod der Schwiegermutter in deren ehemaligen Wohnräumen installiert, und Erwin Schmich erfüllte sich einen persönlichen Wunsch: „Es war immer mein Traum, aus meiner Sammlung einmal ein eigenes Museum zu machen.“ Ein Traum, den er gerne mit anderen teilt. Der Fachmann selbst erläutert dazu auch zunächst unscheinbare Details. „So haben die ersten Elektroinstallationen in den Häusern ausgesehen“, zeigt er auf einige Bleirohre, die noch mit Winkeln verbunden sind. „Erst später hat man die Rohre mit Biegezangen in die passende Form gebogen“, erklärt er mit Blick auf die Bögen nebenan. Doch als Perfektionist ist er nicht ganz zufrieden. „Rohre aus den Anfängen gibt es ja noch ein paar, aber die ursprünglichen Rohrschellen hat man bei der Demontage weggeworfen.“ Ein paar hat er natürlich trotzdem ergattert und stellt sie in seinem Museum aus. Und nicht nur Fachleute kommen in seinem kleinen Privatmuseum auf ihre Kosten: „Ältere Leute kommen hier ’rein, und kennen die meisten Dinge noch von früher.“ Es muss ja nicht gleich die Steckdose in der Lampenfassung oder die Ruftafel für die Bediensteten aus den herrschaftlichen Räumen sein, mit denen die Besucher schon Bekanntschaft gemacht haben. Aber die Zählertafeln und Sicherungsverteilerkästen kennen wohl alle noch. (env)