Leiningerland
Es mangelt an Narren
Mit drei donnernden Helau wurde in Mainz am 11.11. die Fasnacht eröffnet. Nach Schätzungen des Mainzer Carneval-Vereins waren zeitweise 7500 Narren gleichzeitig auf dem Schillerplatz. Und das vollkommen ohne Corona-Einschränkungen. Ähnliche Bilder gab es auch aus den anderen Fasnachtshochburgen wie Köln, Düsseldorf und Aachen. Es wirkte fast, als sei alles wie immer. Und als hätte es in der Zwischenzeit keine Pandemie gegeben.
Doch in den kleinen Vereinen auf dem Land sieht es meist anders aus. Gerade bei Gruppen, die von Veranstaltungen leben, hat die Pandemie die Mitgliederzahlen sinken lassen. Und selbst wenn die Anzahl der zahlenden Mitglieder gleich geblieben ist, schrumpft die Menge derer, die sich aktiv fürs Vereinsleben einsetzen. Das berichten drei Karnevalvereine aus der Region.
Radikalkur in Bockenheim
Den drastischsten Schritt geht wohl der Bockenheimer Carneval-Verein. Das Herzstück des Jahres, die zwei Großen Prunksitzungen, fallen diesmal aus. Das teilte der Erste Vorsitzende Dirk Hildebrand mit. Jedoch nicht wie in den Vorjahren, weil es die Infektionslage nicht hergeben würde. Es gibt einfach zu wenige Gruppen, die ein Programm auf die Beine stellen könnten.
Die Tanzgruppe mit den jüngsten Tänzerinnen, die Purzelgarde, bestehe nicht einmal mehr aus einer Hand voll Akteure. Wegen der Pandemie fehle dem Verein der Zuwachs, sagt Hildebrand. Bei der Mittleren und der Großen Garde sei in diesem Jahr kein Tanz einstudiert worden, weil die Routine fehle. Und auch das Männerballett habe nur noch wenige Mitglieder, die zur Verfügung stünden.
Weil die Bockenheimer aber nicht auf eine Fasnacht verzichten wollen, hat sich der Vorstand zusammengesetzt und nach alternativen Formen gesucht. So will der BCV am 11. Februar eine Fasnachtsparty auf die Beine stellen. Das Konzept steht auch schon in grober Form: Es wird eine Musikveranstaltung, die für kleinere Programmpunkte wie kurze Büttenreden unterbrochen wird. Das Publikum soll auch – wie bei den Großen Prunksitzungen – verkleidet kommen. Auf diese Weise könne man den Menschen in Bockenheim eine Fasnacht bieten, weiterhin im Ort als Carneval-Verein präsent bleiben, um in der Zukunft wieder eine Sitzung auf die Beine zu stellen.
Auch die Siedler specken ab
Ein abgespecktes Programm gibt es auch bei der Siedlergemeinschaft Grünstadt, teilte Elferratspräsident Manuel Walther mit. Statt drei Prunksitzungen und einer Seniorensitzung gibt es kommendes Jahr nur zwei Sitzungen. „Wir haben drei Jahre lang nix gemacht. Da müssen wir erst wieder reinkommen“, sagte Walther. In der Pandemie sei auch viel Erfahrung verlorengegangen.
Bei den Siedlern ist ihmzufolge ebenfalls ein Personalmangel im Ehrenamt zu spüren. Viele Menschen hätten sich neue Hobbys gesucht. Dieses Phänomen könne man auch bei anderen Vereinen, etwa im Sportbereich, beobachten.
Bei den zwei Prunksitzungen wollen die Siedler ausschließlich auf eigene Akteure setzen. Das sind aber nicht nur Gruppen aus dem eigenen Verein. Auch befreundete Gruppen schließt Walther mit ein. So wird das „Dance In“ (ehemals Tanzschule Dauth) mit drei Gruppen vertreten sein und die Crazy Jumpers von der TSG Eisenberg treten auf. Außerdem kommen die Eckbachschnallen aus Altleiningen, eine Frauengruppe, die Sketche mit Gesang verbindet. Walther: „Wir haben drei Jahre lang nix verdient. Deshalb wollen wir die Kosten diesmal so gering wie möglich halten.“
Vollgas in Altleiningen
Auch wenn noch nicht ganz feststeht, welche Gruppen auftreten werden: In Altleiningen soll 2023 wieder Vollgas gegeben werden. „Ja klar, machen wir Fasnacht“, lautet die eindeutige Antwort von Christopher Müller, Sitzungspräsident der Gogeljodler. Vier Prunksitzungen plant der Verein – plus „Jugend in der Bütt“. Die Tanzgruppen Minis, Eckbachhupser, Grün-Weiße Funken und Prinzengarde kämen alle zusammen.
Was die Mitgliederanzahl angeht, könne sich der Verein auch nicht beklagen, so Müller. Sie liege wie vor der Pandemie so um die 200. Es habe zwar Abmeldungen gegeben, jedoch seien auch Mitglieder dazugestoßen. Kürzlich erst haben die Gogeljodler im Gemeindesaal einen Büttenredner-Treff abgehalten, bei dem sich die Redner austauschen und über Ideen sprechen konnten. Wer auch mal auf der Bühne stehen wolle, könne als Newcomer dabei sein, sagt Müller. Auch so erhofft sich der Verein neue Mitglieder.
2021 fiel bei den Gogeljodlern die Prunksitzung aus. Da gab es Maskenpflicht und Personeneinschränkungen. „Dann kannst du es auch ganz lassen“, findet Müller. Sollten höhere Infektionszahlen diesmal wieder Auflagen bringen, behalte sich der Verein vor, einen Rückzieher zu machen. Mit Abstand und Maske will Müller nicht feiern. Sein Anspruch ist klar: „Wir wollen eine Prunksitzung auf die Beine stellen, wie man es von uns kennt.“