Kirchheim Erste Weinwanderung nach drei Jahren Pause

Der Blick ist herrlich: Bei der Weinwanderung „Rund um den Steinacker“ in Kirchheim freuten sich die Besucher (hier am Stand von
Der Blick ist herrlich: Bei der Weinwanderung »Rund um den Steinacker« in Kirchheim freuten sich die Besucher (hier am Stand von Winzer Kohl-Spieß), dass nach der Corona-Pause endlich wieder Veranstaltungen stattfinden.

„Die Leute wollen wieder raus.“ Das war der am häufigsten zu hörende Satz bei der Kirchheimer Weinwanderung „Rund um den Steinacker“. Sie fand am Wochenende erstmals seit 2019 wieder statt. Die Veranstaltung wurde gut angenommen, die Pandemie-Pause hat die Planung allerdings noch etwas erschwert.

Das Kleinkarlbacher Ehepaar Wilhelmy nutzt das Angebot an Weinwanderungen immer sehr gern – vor allem jene, die direkt vor der Haustür liegen. Die beiden sind froh, dass solche Veranstaltungen nun wieder stattfinden. „Wir wohnen schließlich dort, wo andere Urlaub machen“, hebt Volker Wilhelmy hervor. Diana Betzler aus Wattenheim findet die Route „Rund um den Steinacker“ in Kirchheim besonders schön.

Am ersten Stand auf dem circa fünf Kilometer langen Rundweg sind zwei Stunden nach der Öffnung am Samstag schon etliche Plätze im Zelt besetzt. Der Betreiber Jörg Mühlmichel zeigt sich recht zufrieden mit der Resonanz. Da die letzte Veranstaltung dieser Art drei Jahre zurückliege, müsse man sich erst einmal wieder daran gewöhnen. Auch er als Anbieter sei irgendwie „total aus dem Tritt“. Aber dank seines tollen achtköpfigen Teams – allen voran seine Tochter Laura, „ohne die es gar nicht ginge“ – laufe es schon, sagt der Winzer.

Wie alle anderen hat auch er ein vegetarisches Gericht auf der Karte: Rote-Bete-Carpaccio mit Rucola, warmen Ziegenkäsetalern an Mangoessig. Werner Herstein hat sich mit seiner Frau Traudel das Geschnetzelte geteilt. Sie holten sich immer eine Portion zusammen, damit sie überall probieren könnten, sagt der Kirchheimer, der bei Mühlmichel Roten Riesling kennengelernt hat.

Gisela Karpienski schwärmt von dieser historischen Rebsorte, die erst seit ungefähr 20 Jahren wieder angebaut wird: „Der Wein ist richtig gut.“ Bei Rogenwieser hat sie eine Grande Cuvée geordert und ist überrascht, dass sie rot und nicht weiß ist. Das Holz-Aroma durch die Barrique-Fass-Lagerung gefällt ihrem Mann Ulrich besser als ihr. Die beiden Großkarlbacher betonen, dass sie alle Weinwanderungen in der Region besuchen – „gerade jetzt nach Corona“.

Planung ist schwieriger als sonst

Nach der langen Pandemie-Pause mache so eine Veranstaltung mal wieder richtig Spaß, findet Christian Rogenwieser, während er eine Pfanne mit Knoblauch-Garnelen schwenkt. Allerdings sei die Planung der richtigen Menge an Speisen diesmal besonders schwierig, da man überhaupt nicht habe einschätzen können, wie die Resonanz sein wird, erläutert er und schiebt nun einige Flammkuchen in die Öfen.

Ortsbürgermeister Kay Kronemayer (FWG), der beim Weingut Benzinger am Tresen aushilft, bestreut gerade Lütticher Waffeln mit Puderzucker. „Der Beginn war etwas schleppend. Aber jetzt ist wohl so viel los wie beim letzten Mal“, schätzt er die Frequenz ein. Wie viel gegessen und getrunken wird, hänge maßgeblich vom Wetter ab, sagt Johanna Kolb, deren Familie zusammen mit dem Winzerbetrieb Heil eine Station bewirtet. Bei der Premiere der Kirchheimer Weinwanderung 2016 habe es Schneesturm gegeben, zwei Jahre später strahlenden Sonnenschein und 2019 heftige Wolkenbrüche. Aktuell hat Grillmeister Stephan Eckel alle Hände voll zu tun. Unter anderem gart er Sauburger-Patties über Rebknorzen-Glut.

Ausschließlich Buchenholz kommt dagegen in die Feuerschale für den Flammlachs, den der Haßlocher Andreas Freitag am Stand des Weingutes Ellbrück anbietet. Eine selbst kreierte Gewürzmischung und das langsame Erhitzen verleihe dem aus Norwegen importierten Fisch ein einzigartiges Aroma. Er habe rund 250 Portionen dabei, sagt er. Dank dem Caterer kann sich das sechsköpfige Helferteam des Winzers auf den Getränkeausschank konzentrieren.

Der Blick ist unschlagbar

Bei Kohl-Spieß, wo es auch Rot- und Weißweinkuchen gibt, wird an einem Tisch die halbtrockene Rebschnur gelobt und der Sitznachbarin mal zum Probieren empfohlen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der Genuss von gebackenem Camembert mit Holzbesteck. Unschlagbar allerdings ist hier – wie auf der gesamten Strecke – der Weitblick.

Dass dieser am Sonntag durch den angekündigten Regen getrübt sein könnte, stört drei Ehepaare aus dem Kirchheimer Rieslingweg wenig. „Natürlich kommen wir auch morgen wieder her“, versichert Thomas Dhonau und Nachbar Steffen Strampe nickt. Ute Paur meint strahlend: „Wir freuen uns wie verrückt, dass endlich wieder etwas stattfindet.“

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