Grünstadt „Erlebnisse, die man in keinem Reisebüro buchen kann“
Am heutigen Donnerstag fliegen die aus Kirchheim stammenden Brüder Alexander und Marc Brunner mit ihrem Freund Matthias Haselbacher aus Südafrika wieder zurück nach Deutschland. Die drei Männer, die auf ihren Motorrädern in 90 Tagen mehr als 15.000 Kilometer „Von Tirol zum Tafelberg“ gefahren sind und sich dabei vorgenommen hatten, 15.000 Euro zugunsten von SOS-Kinderdörfern einzusammeln (wir berichteten), hatten ihr Ziel am Samstag erreicht.
Zumindest ihr geografisches Ziel. Denn auf dem Spendenkonto sind aktuell erst 56 Prozent der angestrebten Summe eingegangen. Alexander Brunners Bilanz: „8425 Euro, 18.121 Kilometer durch 17 Länder, dutzende Stürze, ein kleiner Unfall, drei platte Reifen, ein gebrochenes Radlager, ein gerissener Seilzug, eine gebrochene Kupplung und unvergessliche Erlebnisse.“ Nachdem das Trio Ruanda verlassen hatte, ging es nach Tansania. „Damit begann der körperlich anstrengendste Teil der Reise: In der wunderschönen unberührten Natur existieren kaum asphaltierte Straßen. Wir quälten uns 700 Kilometer über bessere Trampelpfade durch das Land“, so Brunner. Meist fanden die Biker erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit eine Unterkunft. „Die Motorräder und wir waren jeden Abend so voll rotem Sand, dass man kaum mehr die Farbe der Maschinen erkannt hat.“ Eines Abends kehrten sie total verdreckt kurz vor der Dunkelheit in einem kleinen Ort in eine Kneipe ein. „Dort war das halbe Dorf versammelt und wir kannten eine Stunde später den Arzt, den Apotheker, den Lehrer, den Pfarrer und den Polizisten. Gemeinsam haben wir gesungen und getanzt. Solche Erlebnisse kann man in keinem Reisebüro der Welt buchen“, findet der 40-Jährige. Nach den Strapazen in Tansania erreichten die drei Malawi. Die Straßen wurden besser – dafür muss man aber Maut bezahlen. Am Malawisee mit seinem klaren tiefblauen Wasser und feinen menschenleeren Sandstränden haben die Männer einen unglaublich schönen Sternenhimmel genossen. „Landschaftlich war Malawi sicher eines der Höhepunkte unserer Reise“, schwärmt Brunner von dem Land. Dort könne sich kaum jemand ein Auto leisten. Fast alle Leute seien mit dem Fahrrad unterwegs. „In der Stadt Mzuzu besuchten wir ein weiteres SOS- Kinderdorf.“ Beim Überqueren der Grenze nach Sambia war den Motorradfahrern, als würden sie in eine andere Welt eintauchen. „Plötzlich waren da überall moderne Häuser, Fast-Food-Ketten, Supermärkte, Handy- und Computerläden.“ Sambia sei im Vergleich zu Malawi und Tansania äußerst wohlhabend, da im Norden große Kupferminen liegen, erläutert der Arzt, der an der Uni-Klinik Innsbruck tätig ist. Die Folgen einer Kollision mit einem abbiegenden Kleinbus, der danach in der Seite ziemlich eingedrückt war, konnten mit ein paar Dollar vergessen gemacht werden, sagt er. „An der Grenze zum Kongo sorgte unser Erscheinen sofort für Aufsehen: drei Weiße auf Motorrädern“, erzählt der Kirchheimer. Eine Schmiergeldzahlung habe die Einreise ermöglicht. In Lubumbashi, der zweitgrößten Stadt des Landes, erlebten die drei größte Gegensätze: gut gekleidete und sehr gepflegte Einwohner, schöne Boutiquen und nette Restaurants auf der einen Seite. Zugleich aber waren die Straßen laut Brunner voller Müll, in den Kanälen staute sich die Kloake und das Stadtbild schien keinen zu interessieren, so Brunner: „Alles, was Aufgabe der Regierung wäre, funktioniert nicht. So erzählte uns der Besitzer unseres Hotels, dass der Schullehrer seines Sohnes seit über einem Jahr kein Gehalt mehr bekommen hat. Deshalb bezahlen ihn die Eltern. Der Dorfpolizist schaut auch nur nach dem Rechten, wenn er Geld von den Bürgern bekommt.“ Beeindruckend seien die Victoriafälle in Livingstone gewesen, wo die Biker erneut ein SOS-Kinderdorf besuchten. In Botswana seien die Straßen so perfekt, dass man sie selbst mit einem Formel-1-Auto befahren könnte, meint Brunner. Links und rechts stehen Elefanten, Strauße rennen über die Fahrbahn. Dann: 800 Kilometer nach Namibia durch die Kalahari-Grassavanne, „in der es rein gar nichts gibt“. Dass Namibia einst eine deutsche Kolonie war, sei überall zu merken. „Im Brauhaus in Swakobsmund wurden wir mit einer Runde Kümmerling willkommen geheißen und danach gab’s exzellenten Schweinebraten“, erzählt Brunner. Kapstadt mit dem Tafelberg erreichten die Abenteurer am Samstag um 15.50 Uhr. „Wir waren hundemüde, aber es war ein großartiges Gefühl.“ Am Montag wurden die Motorräder auf ein Schiff verladen, um sie nach Hamburg zurückbringen zu lassen. HOMEPAGE www.ridingforhome.com