Grünstadt Erfolg und Scheitern liegen so nah beieinander

Die amtierende Rheinland-Pfalz-Meisterin Lorena Keil (TSG Eisenberg) trat am Stufenbarren an.
Die amtierende Rheinland-Pfalz-Meisterin Lorena Keil (TSG Eisenberg) trat am Stufenbarren an.

«Grünstadt.» Für die erste Auflage seiner Show „Faszination Spitzensport“ hatte der Pfälzer Turnerbund (PTB) die Halle der TSG Grünstadt als Veranstaltungsort gewählt. (wir berichteten). Der Verband will so die Sichtbarkeit seiner Topathleten stärken. Hat das bei der Premiere funktioniert?

Die Aussage von PTB-Vizepräsident und Initiator Achim Wätzold machte womöglich nur aus Grünstadter Sicht anfangs etwas stutzig. Die Spitzenturner des Verbands sollten auch einmal die Möglichkeit bekommen, sich vor einem großen Publikum zu präsentieren – so hatte Wätzold begründet, warum er „Faszination Spitzensport“ auf die Beine gestellt hatte. Eine Gala, bei der die besten Sportler aus den unterschiedlichen Disziplinen des Verbands in einem freundschaftlichen Wettkampf gegeneinander antreten sollten. Turnen vor großem Publikum? Viel mehr Aufmerksamkeit als die Bundesligaturner der TSG Grünstadt in ihrer Heimatstadt erzeugen, geht für eine nominelle Randsportart ja eigentlich kaum. Aber das ist natürlich eine lokal ziemlich eingeengte Sichtweise. Denn tatsächlich müssen die Turner aus anderen Regionen der Pfalz deutlich mehr um die Aufmerksamkeit eines interessierten Publikums kämpfen, als das an der Unterhaardt der Fall ist, wo nun schon seit mehreren Jahren erfolgreicher Bundesligasport in einer entsprechenden Atmosphäre gezeigt wird. Dem trug dann Wätzold auch Rechnung, als er sagte: „Wenn wir es schaffen, dass alle Topathleten aus der Pfalz in der Region so bekannt sind wie hier in Grünstadt, dann haben wir unser Ziel erreicht.“ Der PTB setzte bei seiner Wahl des Veranstaltungsorts also auch auf die Zugkraft der TSG. Das ging auf: Die Halle war voll, die Stimmung allerdings etwas verhaltener als bei den Ligawettkämpfen, wo der grüne Block des Grünstadter Fanclubs Trommeln und Blaswerk bekanntlich nur höchst ungern zur Seite legt. Die sportliche Qualität für eine ansprechende Turnshow war dagegen durchgängig vorhanden. Junge Ausnahmetalente wie Lili Gartmann am Schwebebalken oder die Sportgymnastin Hanna Vesper (beide TB Oppau) zeigten ihre ganze Klasse. Spürbar war aber auch die aktuelle Wettkampfpause, die zum Jahresbeginn für die meisten der rund 50 teilnehmenden Athleten auch eine Trainingspause ist. Deutlich mehr Abgänge vom Gerät, als man das auf diesem Niveau gewohnt ist, gab es deshalb zu sehen. Das Publikum verzieh es – wie für den Turnsport üblich – großzügig und eher mitfühlend als enttäuscht. Und wenn eines an diesem Abend wieder einmal klar wurde, dann vor allem, wie grausam nah Erfolg und Scheitern einer Übung in diesem Sport beieinander liegen. TSG-Turner Niko Weickert, der an Sprung und Boden antreten durfte, zeigte sich aber zufrieden mit seiner Leistung: „Ich habe ja die letzten zwei Ligawettkämpfe verletzungsbedingt verpasst. Daher bin ich besonders happy, dass heute alles so rund lief.“ Für das neue Format des PTB hatte er nur Lob übrig: „Ich find’s super, dass man sich auch mal außerhalb der Liga zeigen kann.“ Sein Teamkollege Viktor Weber, der ausnahmsweise einmal als Zuschauer in der TSG-Halle war, zollte den Sportlern großen Respekt, schien aber auch ganz froh, dass er selbst nicht noch einmal an die Geräte musste. „Ich bin gerade noch in der Regeneration. Und ich glaube, alle hier haben sich jetzt auch noch mal eine Pause verdient.“ PTB-Vize Wätzold zeigte sich deshalb umso dankbarer, dass alle Sportler der Einladung gefolgt waren. „Unser Hauptziel war, dass alle Sparten terminlich dabei sein können. Und das ist uns gelungen.“

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