Grünstadt
Er ist wieder hier
Ich bin wieder hier
in meinem Revier
war nie wirklich weg
hab mich nur versteckt
ich rieche den Dreck
ich atme tief ein
und dann bin ich mir sicher
wieder zu Hause zu sein
Es scheint, als habe der Sänger Marius Müller-Westernhagen schon vor 21 Jahren gewusst, dass dereinst in Sausenheim ein Stein auf der Vermisstenliste landen würde. Denn sein Super-Hit aus dem Jahr 1998 passt wie die berühmte Faust aufs Auge zu dem, was sich dort zugetragen hat. Dort wurde ein Stein vermisst. Nicht irgendein Stein, ein Grenzstein aus dem 18. Jahrhundert.
War er wirklich weg?
Und nun ist er wieder da. Und ob er jemals richtig weg war, lässt sich im Nachhinein nicht sagen. Doch von vorn: Der Sausenheimer Ortsvorsteher Gerd Walther (SPD) hatte Anfang Oktober im Ortsbeirat eine Vermisstenanzeige aufgegeben: Gesucht wird ein Stein an einer Kreuzung am Hohenkreuz. Seit 1757 zeigt(e) er die Grenze zwischen Kirchheim, Kleinkarlbach und Sausenheim an – doch in letzter Zeit ward er nicht mehr gesehen. Nachdem diese Vermisstenmeldung in der RHEINPFALZ erschienen war, meldete sich der Sausenheimer Anton Nutz. Der 88-Jährige hat die Spuren Tausender von Grenzsteinen im Wald verfolgt und sagt: „Der Stein ist doch da.“
Er hat sich hingelegt!
Er steht nur nicht an seinem angestammten Platz – sondern liegt etwa einen halben Meter weiter im Gras. Zum Beweis, dass es eben jener Stein ist, der vermisst wird, dreht Nutz den steinernen Zeitzeugen beim Ortstermin an der Kreuzung um. Zu erkennen ist die Jahreszahl. Und auch das X für Kirchheim, das KB für Kleinkarlbach und das S für Sausenheim.
X für Kirchheim? Ja, sagt Nutz. Es stellt das Andreaskreuz dar, schließlich ist die Kirchheimer Kirche dem Apostel gewidmet, der der Legende nach an einem Kreuz mit schrägen Balken starb. Zwischen dem K und dem B ist ein Kreis mit einer Welle in den Stein gehauen. Diese stehe für den Eckbach, berichtet Nutz. Er ist froh, dass der Stein die Bauarbeiten für die Umgehungsstraße überstanden hat. Umgefahren, so sagt er, war er schon lange vor Beginn der Arbeiten. Nun hofft er, dass Ortsvorsteher Walther den Stein wieder aufstellen lässt.
Aber er soll wieder stehen!
Das habe er vor, sagt Walther – angesprochen auf die Tatsache, dass der Stein vielleicht nie so ganz weg war. Er erzählt, dass er schon vor längerer Zeit auf den verschwundenen Stein hingewiesen wurde. Weder er noch ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung hätten ihn danach an der Kreuzung entdeckt. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder war er tatsächlich weg oder er wurde beim Nachgucken übersehen. Zum Beispiel, weil das Gras zu hoch war. Oder, weil die Baumaterialien von der Umgehungsstraße, die in der Nähe gelagert wurden, zu dominant waren. Oder weil man nicht erwartet hat, dass der Stein einige Zentimeter weiter „gewandert“ ist und sich „hingelegt“ hat.
Sieben oder eins? Nicht so wichtig!
Walther jedenfalls ist glücklich, dass der vermisste Stein wieder aufgetaucht ist. „Das ist schon eine tolle Sache“, sagt er über das Zeitdokument. Auch wenn der Grenzstein etwas jünger ist, als es in der Vermisstenanzeige angegeben wurde: Er stammt aus dem Jahr 1757 und nicht von 1751 – wie es in der Suchmeldung hieß. Allerdings sollte man in kleinen Dingen großzügig sein – eine in Stein gehauene 1 und eine steinerne 7 kann man schon mal verwechseln.