Grünstadt „Ein Konzept muss her“

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Sie haben oft eine Odyssee hinter sich, bis sie hierzulande mit der Hoffnung auf ein besseres Leben in Frieden ankommen: Asylbewerber. Auch die Gemeinden im Leiningerland haben Flüchtlinge aufgenommen – rund 170 sind es derzeit in der Verbandsgemeinde (VG) Grünstadt-Land und im Stadtgebiet. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist groß, doch wo und wie am besten helfen? Die Behörden verweisen auf zumeist ehrenamtlich geführte Einrichtungen und Initiativen. Ein übergeordnetes Konzept allerdings fehlt.

„Der Verbandsgemeinderat hat einen Integrations- und Migrationsbeauftragten gewählt, der sich um diesen Personenkreis kümmert“, erklärt Karl-Peter Grimm von der VG Grünstadt-Land. Zusätzliche Unterstützung bekämen die Asylbewerber auch von der Leininger Initiative gegen Ausländerfeindlichkeit (Liga), der Stadtmission, der Grünstadter Tafel sowie von Ehrenamtlichen und Mitarbeitern der Verwaltung. Hilfsbereite Bürger könnten dort ihre Unterstützung anbieten, da immer wieder Bedarf an ehrenamtlichen Helfern bestehe, so Grimm weiter. Auch Joachim Meyer von der Stadtverwaltung Grünstadt verweist an die meist ehrenamtlich geführten Einrichtungen und Initiativen: „Engagierte Bürger sollten sich am besten an die Liga wenden, dort weiß man am besten Bescheid, wo Hilfebedarf besteht“. Tatsächlich weiß die Bürgerinitiative „Liga“ nach über 20-jähriger Erfahrung, wo der Schuh drückt: Ob Sprachkurse oder Dolmetscherdienste, gut erhaltenes Mobiliar oder Elektrogeräte, Wohn- oder Lagerraum – der Bedarf ist vielseitig. Auch Helfer sind immer gerne gesehen: „Wir bieten von Unterstützung bei Behördengängen bis zum regelmäßigen Treffen im Haus der Jugend eine große Bandbreite an Unterstützung an. Aber wir haben so viele Leute, die wir betreuen, dass weitere Mitstreiter im Team toll wären und die Arbeit einfacher machen würden“, erklärt Bernd Frietsch von der Liga, zugleich auch Mitglied im Beirat des Kreises Bad Dürkheim für Migration und Integration. Zur wöchentlichen Sprechstunde kämen bis zu 30 Asylbewerber. Wie viele von den Angeboten aber nichts wissen, sei eine andere Frage. Das Problem: Ein übergeordnetes Konzept fehlt. „Es wäre einfacher, wenn wir wüssten, wann wer wo einquartiert wird, aber das unterliegt dem Datenschutz“, so Frietsch. Auch gebe es kein richtiges Netzwerk zwischen den einzelnen Initiativen und Einrichtungen, das die Koordination von Hilfsangeboten ermögliche. „Ein Konzept muss her. Wir hinken hier gut ein halbes oder dreiviertel Jahr hinterher – das hätte schon längst angestoßen werden müssen“, findet Bernd Frietsch. Auch der Grünstadter Dekan Stefan Kuntz bestätigt, dass durchaus Hilfsbereitschaft vorhanden sei, die notwendige Steuerung aber fehle: „Wir hätten viele Menschen, die bereit wären, etwas zu tun, aber ohne ein übergeordnetes Konzept bleiben die Möglichkeiten im Bereich des Zufalls“. Als in der Notfallseelsorge Erprobter weiß er aus eigener Erfahrung, wie wichtig die Koordination von Hilfsmaßnahmen ist, damit die Unterstützung auch gezielt ankommt. Ohne ein Konzept werde die Arbeit der vorwiegend Ehrenamtlichen nur unnötig erschwert: „Eine logistische Steuerung ist unabdingbar, um den Überblick zu behalten. Es muss ein System etabliert werden“, so Dekan Kuntz. Damit die Hilfe zur richtigen Zeit am richtigen Ort ankommt. (kcs)

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