Grünstadt „Ein großartiger Freund“
Am Montag ist der Pfarrer und ehemalige Grünstadter Dekan Theo Herzer in St. Ingbert beerdigt worden. 85-jährig war er in der Nacht auf Sonntag, 17. Juni, im schweizerischen Vevey am Genfer See verstorben (wir berichteten). Herzstück der Trauerfeier für den „begnadeten Prediger von emotionalem und intellektuellem Tiefgang“, wie die protestantische Kirchengemeinde Grünstadt in ihrem Nachruf schreibt, war ein dreistündiger Gottesdienst.
„Die Kirche war rappelvoll“, sagt Wolfgang Weckerle, seit mehr als drei Jahrzehnten Presbyter in Grünstadt. Allein aus dem Leiningerland sind laut Pfarrer Andreas Funke, der die Predigt gehalten hat, rund 100 Personen ins Saarland gefahren, um Herzer die letzte Ehre zu erweisen. Funke erinnert sich mit Respekt und großer Dankbarkeit an den warmherzigen Seelsorger, der 20 Jahre lang in der Prüfungskommission für angehende Pfarrer in Speyer saß, und bei dem er Vikar war. „Er hat mich von Anfang an als vollwertigen Kollegen behandelt und war ein großartiger Freund“, so Funke über seinen „geistlichen Vater“, der immer mit „Herzerliche Grüße“ unterschrieb. Durch seine vermittelnde Art sei es Herzer gelungen, den in den Achtzigern zwischen den Pfarrern herrschenden Zwist zu beseitigen und „das Dekanat in eine Oase des Friedens zu verwandeln“. „Theo Herzer war die ganze Feier über präsent“, resümiert Weckerle beeindruckt von dem Trauergottesdienst, bei dem auch Oberkirchenrat Manfred Sutter – ebenfalls einst Vikar von Herzer – ein Grußwort sprach. Dabei sei unter anderem der Humor des gebürtigen Saarländers hervorgehoben worden. Der Theologe hatte sich auch wissenschaftlich mit Heiterkeit auf der Kanzel beschäftigt. „Es gibt unendlich viele Anekdoten. Theo Herzer hat die Menschen immer zum Lachen gebracht“, sagt Funke. Und er habe entscheidende Spuren hinterlassen. Unter anderem trage die Ausgestaltung der Martinskirche seine Handschrift. „Er hat beispielsweise von dem im Krieg zerstörten Taufstein nach Bildern eine Replik anfertigen lassen – im Originalmaterial, dem Metzer Kalksandstein“, berichtet der Pfarrer. 1989 erfolgte die Sanierung des Turms, anschließend die Renovierung des Martinssaals. Für das Glockenspiel konnte das Mitglied im Rotary Club einen großzügigen Spender gewinnen. 1933 in St. Ingbert als Sohn eines Schreinermeister geboren, studierte Herzer nach dem Abitur Theologie in Mainz, Göttingen und Utrecht. Die Ordination erfolgte 1958 in Nußdorf. Anschließend wirkte er zunächst im Dekanat Ludwigshafen und dann bis August 1959 als Vikar an der Lutherkirche in Kaiserslautern. 1959/60 und 1970/71 war er zum Dienst an der Kirche in den USA beurlaubt. Ab 1962 war Herzer hauptamtlicher Verwalter in Kirchheim und dort ab April 1963 als Pfarrer tätig. Am 7. März 1981 wurde er Dekan in Grünstadt. „Er war der erste, der nicht ernannt, sondern in dieses Amt gewählt wurde“, erläutert Funke. Zur Bezirkssynode habe er gesagt: „Wenn ihr mich wählt, tut ihr euch einen Gefallen, wenn ihr mich nicht wählt, tut ihr meiner Familie einen Gefallen.“ Er wurde einstimmig gewählt und blieb bis zu seinem Ruhestand 1998. Für beide Gemeinden, Kirchheim und Grünstadt, sei sein Name Programm gewesen, so Funke in seiner Predigt: „Er war eben ein Theodor, übersetzt: ein Geschenk Gottes, und er war ein Herzer, in seiner Herzlichkeit flogen ihm viele Herzen zu.“ Von 1979 an war Herzer auch eine Periode lang Mitglied der Landessynode und zu verschiedenen Diensten der Evangelischen Kirche der Pfalz berufen. In seine Amtszeit als Dekan fielen die Einweihung des Alten- und Pflegeheims „Haus am Leininger Unterhof“ durch den Landesverein der Inneren Mission, die Übernahme der Alten Lateinschule und deren Umgestaltung zu einem Gemeinde- und Jugendzentrum. Herzer, der bis zur Pensionierung über das übliche Maß hinaus Religionsunterricht an Schulen erteilt hat, war sehr bemüht, die Ökumene zu vertiefen. Ein weiteres Anliegen war ihm die Verkündigung von Gottes Wort durch den Rundfunk. Ab 1969 war er auf verschiedenen Sendern im „Wort in den Tag“ oder an Sonntagsgottesdienst zu hören. Pfarrer Funke erzählt, dass Herzer sich auch für die europäische Missionsgesellschaft als Übersetzer biblischer Texte betätigte und viele Wochen unter primitivsten Bedingungen in Südafrika lebte. Der Verstorbene war mit einer Amerikanerin verheiratet und Vater von vier Kindern.