Grünstadt Ein großartiger Abend

Masato Suzuki am Cembalo und Antoine Tamestit an der Viola sind perfekt aufeinander eingespielt.
Masato Suzuki am Cembalo und Antoine Tamestit an der Viola sind perfekt aufeinander eingespielt.

„Hervorragend, wie sonst nach solch einem Erlebnis“, so lautete die Antwort eines Konzertbesuchers des Duoabends mit Antoine Tamestit und Masato Suzuki beim Verlassen des protestantischen Gotteshauses in Kirchheim am Sonntagabend. Das ist wohl die bestmögliche Beschreibung für die Darbietung des Kirchheimer Konzertwinters, die ausschließlich Werken von Johann Sebastian Bach gewidmet war und bei der dessen Musik in Idealform wiedergegeben wurde.

Suzuki am Cembalo und Tamestit mit einer Viola von Antonio Stradivari aus dem Jahr 1672 sind zwei völlig unaufgeregte Interpreten, die mit überragender Technik, enormem interpretatorischen Können von den ersten Takten an punkten. Der intensiv gespendete Applaus des Publikums belegt dies. Die beiden präsentieren sich mit einem künstlerischen Selbstverständnis, das keinerlei Zweifel daran aufkommen lässt, dass sie sich des überragenden gemeinsamen Klangs der von ihnen gespielten Instrumente bewusst sind. Sie wissen, auf welch hohem Level sie Werke Bachs spielen. In ihren kurzen Moderationen nehmen sie den Zuhörer mit, liefern nötige Hintergründe, machen so ihr Spiel transparent. Alles wirkt leicht, einfühlsam, elegant. Überaus fein auf einander abgestimmt sind die zwei Virtuosen, die sich bei einem Konzert des Vaters von Masato Suzuki kennengelernt haben, wie sie erzählen. In ihr Verständnis der Präsentation des Bach-Rezitals passt es dann auch, dass sie die Werkfolge umstellen, den Zuhörer auf eine Reise von g-Moll, D-Dur und d-Moll mit zum alles auf- und erlösenden G-Dur nehmen. So entsteht eine klare Linie, die nachvollziehbar eine kontinuierliche Steigerung darstellt, sofern der Zuhörer dies so auffassen möchte. Zum Programm gehören die drei Sonaten für Viola da Gamma und Cembalo (BWV 1027 - 1029), die wohl ursprünglich nicht für diese Instrumente komponiert, von Bach später aber entsprechend eingerichtet wurden. Die überwiegend kontrapunktisch gesetzten Stücke erzeugen einen dichten Klang, da beide Hände des Cembalos zusammen mit der Viola einen dreistimmigen Satz zu erzeugen scheinen. Auf diese Tatsache weisen Suzuki und Tamestit im Konzertverlauf auch explizit hin. Ihr sehr dichtes Spiel kommt in diesen drei Werken besonders gut zur Geltung. In den beiden schnellen Sätzen der Sonate G-Dur (BWV 1028, beide allegro bezeichnet) ist dies deutlich herauszuhören. Masato Suzuki ist ein wahrer Meister der Tasten, er gleicht die geringen Einflussmöglichkeiten des Cembalos auf die Lautstärke durch eine agogisch sehr hochstehende Spielweise aus – Perfektion ist hier zu hören. Antoine Tamestit entlockt der Stradivari feinste Töne, die zum Zurücklehnen und Genießen einladen – soweit die Kirchenbänke dies zulassen. Beide Künstler bieten auch Solo-Vorträge, Tamestit spielt die Cello-Suite (BWV 1008). Er leitet mit dem Hinweis ein, dass laut Berichten des Bach-Sohns Carl Philipp Emanuel der Vater die Bratsche als sein Lieblingsinstrument bezeichnet habe. „Es war damals üblich, die Musik mit vorhandenen Instrumenten oder von greifbaren Musikern spielen zu lassen“, sagt Tamestit. Auf seiner Viola spielt er so, als sei das Werk nie für etwas anderes erdacht worden. Ihm kommt entgegen, dass er – neben der exzellenten Stradivari – über die deutlich größere Bewegungsfreiheit (gegenüber einem Cellisten) verfügt. Hier läuft Tamestit zur Höchstform auf. Die wohl am Köthener Hof im Alter von 30 Jahren von Bach verfasste französische Suite Nr. 5 (G-Dur BWV 816) gestaltet Suzuki vortrefflich, der direkte Einstieg nimmt ohne Vorspiel die Zuhörer mit. Fasziniertes Zuhören, überzeugt durch Perfektion, sonst nichts – ein großartiger Abend.

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