Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel „Drohne“ über Obrigheim: Rätsel gelöst

Bild aus Obrigheim mit hellem Punkt (linke Hälfte, oben).
Bild aus Obrigheim mit hellem Punkt (linke Hälfte, oben).

Werden wir von einer Drohne beobachtet? Diese Frage hat sich der eine oder andere Obrigheimer zuletzt gestellt. Grund ist ein heller Punkt, der allabendlich auftaucht und wieder verschwindet. Ein Hobby-Astronom aus Haßloch löste das Rätsel.

Herbert Dressler ist bei der Pollichia, dem Verein für Naturforschung und Landespflege im Kreis Bad Dürkheim, im Arbeitskreis Astronomie. Der 70-jährige Haßlocher begeistert sich für Sternenkunde – und er hat sich auch mit den Beobachtungen von RHEINPFALZ-Lesern in Obrigheim befasst. Sie wunderten sich, weil jeden Abend ein heller Punkt am Himmel auftaucht und fragten sich, ob das eine Drohne sein könnte.

Dressler sagt, es handle nicht um eine Drohne, sondern um die Venus: „Im Moment sieht man sie wirklich sehr gut und sie ist auch sehr hell.“ Dafür gibt es drei Gründe: Zum einen ist die Venus uns im Moment relativ nahe. Sie wirkt dadurch größer. Zweitens: Von der hellen Sichel der Venus sehen wir im Moment einen großen Teil. Der dritte Punkt: Die Venus ist viele Winkelgrad von der Sonne entfernt und wirkt deswegen sehr hell gegen einen relativ dunklen Himmel. Dresslers Tipp: „Schauen Sie, wo die Sonne am frühen Abend ist. Dort wird drei Stunden später die Venus zu sehen sein.“ Er hat Stichpunkte zur Venus zusammengetragen – die er gern mit den Lesern teilt. Das Wichtigste vorweg: Die helle Venus am Abendhimmel bleibt uns noch bis Mitte Mai erhalten.

Unser Sonnensystem

Die Venus ist ein Planet im Sonnensystem. Die Sonne steht im Mittelpunkt und wird von den Planeten umlaufen. Die Erde hat einen mittleren Abstand von etwa 150 Millionen Kilometer und braucht rund 365 Tage für eine Umrundung. Die Venus kreist noch näher um die Sonne (mittlerer Abstand 110 Millionen Kilometer) und braucht rund 225 Tage für einen Umlauf. Nach 584 Tagen ist die Venus dann wieder an der gleichen Himmelsstelle relativ zur Sonne, zum Beispiel direkt Richtung Sonne.

Sichtbare Größe

Die Entfernung zwischen Erde und Venus ist minimal 40 (150 minus 110) Millionen Kilometer oder maximal 260 (150 plus 110) Millionen Kilometer. Das erklärt dann auch ganz einfach die unterschiedliche „Größe“ der sichtbaren Venusscheibe. Im Prinzip gilt: „Je näher, desto größer.“

Sichtbarer Sonnenabstand

Dann gibt es noch den von der Erde aus sichtbaren Winkel zwischen Sonne und Venus. Dieser Winkel kann bis zu 48 Grad betragen. Im Moment ist die Venus circa 46 Grad von der Sonne entfernt. Deswegen können wir sie noch lange nach Sonnenuntergang beobachten. Sie erscheint auch heller, weil dort oben der Himmel schon dunkler ist.

Die Sichel

Die Venus wird direkt von der Sonne beschienen und gibt dieses Licht dann als Reflexion weiter. Das sehen wir dann als Licht der Venus. Sie hat die Effekte „Halb-Venus“ beziehungsweise „Viertel-Venus“ wie unser Mond, „Voll-Venus“ und „Neu-Venus“ sind für uns nicht sichtbar, da steht dann die Venus vor oder hinter der Sonne. Im Moment haben wir fast eine „Halb-Venus“, die beleuchtete Hälfte ist rechts. Das kann man im Fernglas erkennen. Auch dieser Effekt, die Größe der Sichel, wirkt sich derzeit positiv auf die scheinbare Helligkeit aus.

Abendstern und Morgenstern

Die Venus ist manchmal Abendstern (wie jetzt) und dann wieder Morgenstern, das wechselt in festen Perioden. Beim Wechsel selbst sehen wir keine Venus, denn da ist sie zu nahe an der Sonne. Ab Juni ist Venus dann wieder der Morgenstern (vor Sonnenaufgang) und man muss früh aufstehen, wenn man sie sehen will.

Wo finde ich die Venus?

Da die Kreisbahnen von Erde und Venus ungefähr auf gleichen Ebenen liegen, folgt die Venus ungefähr der Sonnenbahn. Man kann sich also die Sonnenbahn einprägen und später dann auf dieser Bahn die Venus finden. Zurzeit ist die Venus etwa drei Stunden hinter der Sonne (und auch am Himmel etwas höher).

Zur Person

Herbert Dressler ist nicht nur bei der Pollichia aktiv, er engagiert sich auch ehrenamtlich in der Seniorenarbeit im Bereich PC und Smartphone – und zwar in Haßloch, Neustadt und Mannheim. Mehr über ihn und seine Hobbys steht auf seiner Internetseite: www.dressler-hassloch.de.

Die Website, wo man die obigen Daten für beliebige Zeitpunkte abfragen kann: www.timeanddate.de/astronomie/planeten/entfernung

Die Venus wird im Volksmund sowohl Morgen- als auch Abendstern genannt. Derzeit sieht man sie besonders gut.
Die Venus wird im Volksmund sowohl Morgen- als auch Abendstern genannt. Derzeit sieht man sie besonders gut.
Herbert Dressler
Herbert Dressler
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