Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Dritter Kreißsaal für die Grünstadter Klinik

In Grünstadt gibt es jetzt einen dritten Kreißsaal. Das Foto zeigt Chefarzt Niko Grabowiecki.
In Grünstadt gibt es jetzt einen dritten Kreißsaal. Das Foto zeigt Chefarzt Niko Grabowiecki.

807 Jungen und Mädchen haben im vergangenen Jahr das Licht der Welt im Kreiskrankenhaus Grünstadt erblickt. So viele wie noch nie. Mit bislang zwei Kreißsälen kommt die Klinik da an ihre Grenzen. Deshalb wurde ein dritter Entbindungsraum geschaffen. Dieser hat ein Alleinstellungsmerkmal.

Eigentlich reichen dem Kreiskrankenhaus Grünstadt zwei Kreißsäle für die Geburten, sagt der Chefarzt der Gynäkologie Niko Grabowiecki. „Denn dass drei Frauen gleichzeitig entbinden, kommt wirklich selten vor.“ Allerdings werde es mitunter dennoch eng bei der Kontrolle der Entbindungen, etwa mit dem Wehenschreiber oder Ultraschall, schildert er die bisherige Situation im 194-Betten-Haus.

Die Geburtenzahl ist in der Klinik – bis auf geringfügige Schwankungen – von Jahr zu Jahr gestiegen. 2005 lag sie bei 354. Erstmals die 500er-Marke überschritten wurde 2014. Als Grabowiecki 2017 Nachfolger von Dieter Rasel wurde, registrierte seine Station mehr als 600 Entbindungen. Über 700 waren es 2020 und dann folgte ein Riesensprung auf 807 im Jahr 2021.

Untersuchungszimmer wird umgestaltet

Mit Verwaltungsdirektor Udo Langenbacher, der kürzlich sein Amt an Markus Kieser übergeben hat, wurde darüber nachgedacht, wie auf der Entbindungsstation mehr Kapazitäten geschaffen werden könnten, ohne eine bauliche Erweiterung vornehmen zu müssen. Schließlich wurde entschieden, das bisherige Untersuchungszimmer des Chefarztes zu verlegen und die frei gewordenen 27 Quadratmeter zu einem dritten Kreißsaal umzugestalten. Die Arbeiten, für die etwa 75.000 Euro investiert wurden, begannen im April. Dabei hatte der Innenarchitekt eine Idee. In der Decke, genau über dem runden Kreißbett, wurde ein dimmbares Oberlicht geschaffen. Die Gebärende hat somit das Gefühl, unter einem blühenden Magnolienbaum zu liegen, mit einem tollen Blick auf rosa Blüten an zarten Zweigen vor blauem Himmel mit weißen Schäfchenwolken. Dieses „Fenster“ sei ein Alleinstellungsmerkmal dieses Kreißsaals, sagt Grabowiecki.

Um eine besondere Wohlfühl-Atmosphäre für die Frau (und ihren Begleiter) zu schaffen, hat man sich auch nach der chinesischen Harmonielehre Feng Shui gerichtet. Auf dem Boden befindet sich eine geschwungene Yin-Yang-Kurve. Die Wände sind in rötlichen und orangefarbenen Erdtönen gehalten, schöne Bilder und Lampen mit indirekter Beleuchtung sowie Vorhänge sorgen für ein warmes und wohnliches Ambiente. Das Ganze ist so eingerichtet, dass die Entbindende einige Optionen hat, wenn sie die Position wechseln möchte. Unter anderem steht ein Gebärhocker zur Verfügung. An der Wand ist ein Metallarm montiert, an dem ein langes, reißfestes Tuch befestigt ist. „Die stabile Halterung ist schwenkbar“, erläutert der Arzt. Die Frau kann zudem einen Sitzball nutzen.

Entspannungsbad wird gern genutzt

Selten genutzt wird auch die Wanne für Wassergeburten. „Oftmals bleibt den Gebärenden dafür keine Zeit oder sie benötigen eine Periduralanästhesie“, erläutert der 48-Jährige. Gern in Anspruch genommen werde im Vorfeld aber ein Entspannungsbad, sagt er und zeigt ein Zimmer mit einer Badewanne. An der Wand hängt ein Bild mit einem beruhigenden Motiv. Auch eine Pflanze steht dort und eine kleine Musikanlage.

Im neuen Kreißsaal finden sich alle notwendigen Apparate, ob Ultraschallgerät oder CTG (Wehenschreiber, der auch die Herzfrequenz des Babys im Bauch aufzeichnet), Waage oder Wärmelampe für den Säugling. Der Raum ist nach dem gleichen Schema aufgebaut wie die 2006 und 2014 eröffneten Kreißsäle. „In allen Schubladen und Schränken sind die Arbeitsmittel in derselben Weise einsortiert. So sind die Abläufe eindeutig, es muss nichts lange gesucht werden und es entsteht keine Hektik – was ganz wichtig ist für eine Geburt“, so Grabowiecki. Er steht einem Team aus elf Ärzten und rund 40 Pflegekräften vor. Das Kreiskrankenhaus ist seit 2013 als babyfreundlich zertifiziert. Zu den Kriterien dieses Qualitätssiegels der Weltgesundheitsorganisation WHO und des Kinderhilfswerks Unicef gehören unter anderem die Förderung des Stillens und des Bondings, des sofortigen Hautkontakts zwischen Mutter und Neugeborenem zur Verbesserung der Bindung – in Grünstadt auch nach einem Kaiserschnitt.

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