Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Die Rückkehr der „Abteilung Attacke“: Uli Hoeneß’ Wutausbrüche sind nicht Geschichte

Christoph Rehm
Christoph Rehm Foto: Alexander Graf

Von wegen Rückzug: Uli Hoeneß läuft gerade erst zur Höchstform auf. Und er ist wütend wie nie zuvor. Das Kapitel „Uli Hoeneß“ in der Bundesliga ist Geschichte. Zumindest das Kapitel, in dem Hoeneß die Münchner Bayern quasi im Alleingang zu fünf Millionen Meisterschaften geführt hat. Stattdessen erfolgte auf der Jahreshauptversammlung der Münchner ein emotionaler Rückzug samt herzlicher Albernheiten mit Intimfeind Karl-Heinz Rummenigge, einem Sack guter Ratschläge und Blumen vom konzilianten Franck Ribery für die Gattin.

Millionen Fußballfans überkommt nach der ersten Erleichterung inzwischen eine seltsame Leere. Wie soll es nun eigentlich weitergehen, so ganz ohne Uli Hoeneß? Und vor allem: Kann man einen Vorbestraften zuhause völlig unbeaufsichtigt lassen, ohne gleich das Schlimmste befürchten zu müssen? Die gute Nachricht ist, dass Hoeneß der Öffentlichkeit weiter erhalten bleibt. Ein Leben als zurückgezogener Einsiedler, der in seiner Freizeit den einen oder anderen WM-Skandal aussitzt, kann sich der sechste Ehrenpräsident der Bayern offenbar nicht vorstellen. Die schlechte ist, dass er nach der Aufgabe offizieller Ämter nun die volle Dröhnung „Abteilung Attacke“ angekündigt hat.

Wie ist der Tagesablauf des gebürtigen Ulmers?

Doch was bedeutet dies konkret für alle Fans, Medienschaffende und völlig Unbeteiligte? Wie muss man sich den Tagesablauf des geborenen Ulmers nun vorstellen – und wie kann man sich am besten vor einer geballten Ladung Jähzorn vom Tegernsee schützen? Um diese Frage zu beantworten, muss man denken wie ein Wurstfabrikant mittleren Alters und sich jeden Morgen die Frage stellen, wer heute eine zünftige Abreibung verdient hat. Als erstes sollten Sie es daher vermeiden, sich in der Nähe von Christoph Daum herumzutreiben. Der ehemalige Coach des 1. FC Köln hat es sich schon in den 1980er Jahren mit Hoeneß verscherzt, als er sich im ZDF-Sportstudio recht vorlaut gab. Wenn Sie hier nicht auf der Hut sind, finden Sie sich in Windeseile im Samstagabendprogramm der Öffentlich-rechtlichen wieder und bekommen von Hoeneß die Tracht Prügel ihres Lebens.

Apropos Öffentlich-rechtliche: Sie moderieren derzeit das Morgenmagazin auf ARD und ZDF? Dann haben Sie nun ein Problem, denn Uli Hoeneß hat Zeit. Sehr viel Zeit. Vor allem vormittags. Ihre Sendung wird er nutzen, um sich schon einmal für seine Auftritte in den diversen Fußballrunden am Wochenende warm zu brüllen. Egal ob Backrezepte, Produkttests oder Rententipps – sobald das Telefon klingt, können Sie sich auf ein ordentliches Donnerwetter gefasst machen. Anschließend wird Hoeneß bei Ihrem Gewinnspiel teilnehmen und sämtliche Bilderrätsel lösen.

Ganz schlimm wird’s in der Dschungelshow

Ganz schlimm wird es übrigens, wenn Sie vorhaben, in nächster Zeit an einer Dschungelshow teilzunehmen. Bei dieser wird auch Hoeneß dabei sein. Allerdings nur, um Ihnen zwei Wochen lang klarzumachen, dass Sie für die „scheiße Stimmung“ (O-Ton Hoeneß) im Camp verantwortlich sind. Jeden Morgen wird er vor Ihnen wach sein und Sie beim Frühstück mit einem großen Tablett schlechter Laune empfangen. Am Ende isst er Ihnen sämtliche Froschaugen weg und hält den Produzenten beim Festbankett eine Standpauke. Uli Hoeneß’ Wutausbrüche sind noch längst nicht Geschichte. Die Gefahr lauert inzwischen sogar überall.

Die Kolumne

Unser Autor kann auf eine lange und erfolglose Karriere in den Niederungen des Amateurfußballs zurückblicken. Hier schreibt er wöchentlich über Schwalbenkönige, Kabinenrituale und Trainingsweltmeister – rein subjektiv, die Wahrheit liegt sowieso auf dem Platz.

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