Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Dauercamper: Hier ist die Welt noch in Ordnung

Platzwart Andreas Braun und seine Lebensgefährtin Tina Hahnel.
Platzwart Andreas Braun und seine Lebensgefährtin Tina Hahnel.

Es gibt Menschen, die hängen ihren Wohnwagen an und fahren in den Urlaub. Sie haben im Urlaub dann immer ihre eigene Wohnung dabei. Dauercamper dagegen haben den Urlaub da, wo sie wohnen. Das sagen zumindest die Camper aus dem Eisenberger Ochsenbuschpark. Ein Besuch.

Seit zwei Jahren lebt Enrico Wunderlich bereits auf dem Campingplatz Ochsenbusch in Eisenberg. Ihn bringt so schnell nichts mehr weg von hier. Die Sonne scheint, ein sanfter Wind weht über die Veranda seines Mobilheims, Wunderlich trinkt Kaffee mit seiner Platznachbarin Lilo Fritsche. „Hier hat man die Möglichkeit, sich mit anderen zusammenzusetzen, kann aber auch seine Ruhe haben“, sagt er.

Vor zwei Jahren kam Wunderlich als Kontraktor in die BASF. Zuvor arbeitete er viele Jahre im Ausland, wie er erzählt. Eigentlich war sein Plan mal gewesen, nur für die Zeit seiner Arbeit in Ludwigshafen auf dem Eisenberger Campingplatz zu bleiben. Es war eine kurzfristige Lösung, günstig und ruhig zu wohnen. Eine Dauerlösung sollte das nicht werden.

Doch mittlerweile plant der 61-Jährige anders. Mit Blick auf seine Rente überlegt er, länger hier zu bleiben. Für immer. Hier, wo sich die Menschen helfen, wo er sein kann, wie er ist. Wo er der Enrico Wunderlich ist, der er am liebsten ist: Mit seinem Motorrad, seinem Mobilheim und seinen Freunden vom Campingplatz. „Wenn ich oben ins Tor reinfahre, habe ich Urlaub“, sagt er. Besonders schätzt Wunderlich an diesem Ort den Zusammenhalt. „Jeder hilft jedem – dir kann nichts passieren“, sagt er. In einer größeren Stadt zu wohnen, kann er sich mittlerweile nicht mehr vorstellen: „Da kennt man ja den eigenen Nachbar nicht.“

Man kennt sich

Das kann einem auf dem Campingplatz nicht passieren. Die Menschen, die hier leben, tauschen sich aus, sie kennen sich. Eine Alarmanlage braucht hier niemand. Auch wenn ein RHEINPFALZ-Redakteur den Platz betritt, um darüber zu schreiben, wird er erst einmal gemustert, wer er denn ist und was er sucht. Hilfsbereit sind die Leute hier auf alle Fälle. Der Weg zum Verabredungsort war dank der Hilfe der Camper schnell gefunden.

Auf dem Campingplatz leben etwa 55 Dauercamper, sagt Andreas Braun. Er ist seit zwei Jahren der Verwalter des Platzes. Braun macht das nebenher. Hauptberuflich arbeitet er auf dem Trockenbau. Wenn er heimkommt in sein Mobilheim im Ochsenbusch-Park, gibt es immer etwas zu tun, sagt er. Zwar sei er der Verwalter des Platzes, der zwei Männern aus den Niederlanden gehört, doch die Arbeit bleibe nicht vollständig bei ihm hängen. „Wenn es was zu tun gibt, ist immer jemand da“, sagt er.

Während des Rundgangs mit ihm hält er immer wieder an, um mit den Menschen zu reden. Er hört ihre Probleme, aber auch ihre positiven Erlebnisse. Meist ganz normale Alltagsgeschichten. Eine Camperin wollte für ihren Mann Kuchen backen. Doch statt Zucker benutzte sie Salz. Hier muss die Welt noch in Ordnung sein.

Ein Platz mit wenigen Regeln

Den Platz in Eisenberg hat sich Braun auch deshalb ausgesucht, weil es so wenige Regeln gibt. Im Ochsenbusch-Park ist vieles erlaubt, was auf anderen Plätzen nicht erlaubt ist. Das spiegelt sich auch an den Wohnwagen und Mobilheimen wider. Kein Wagen gleicht hier dem anderen. So gibt es etwa ein Mobilheim, das aussieht wie ein amerikanisches Einfamilienhaus auf dem Land – inklusive der typischen Veranda. An den Seiten hängen Nummernschilder aus verschiedenen US-Bundesstaaten. Ein anderer Wagen sieht aus wie eine Blockhütte, andere setzen auf mehr Grün. Eigentlich ist hier stilistisch so ziemlich alles vertreten. Auch von der Größe her herrscht hier Diversität. Einige Wagen gehen über zwei Stellplätze, wenn sie größer sind. Andere haben sich einen üppigen Garten vor ihrem Mobilheim angelegt. Mit Zelten hat das schon lange nichts mehr zu tun.

Auf anderen Campingplätzen ist das so nicht möglich, sagt Braun. Da gebe es Bestimmungen, wie die Gärten eingerichtet sein müssten, wie hoch ein Zaun sein dürfe und wie viel Fläche ein Anbau maximal aufweisen dürfe. Für ihn ist das nix. Wenn mal ein anderer Camper eine Idee hat, etwas zu bauen, sei er grundsätzlich offen. Da wird auch mal geschaut, dass genug Platz dafür da ist.

Die Platzmiete kostet im Ochsenbusch-Park 1260 Euro pro Jahr, dazu kommen Nebenkosten wie Strom. „Dafür bekommt man keine Wohnung“, sagt Braun. Kein Wunder, dass viele Menschen hier nicht nur Urlaub machen, sondern wohnen. Auch wenn niemand so richtig darüber sprechen will. 650.000 Plätze sind in Deutschland laut Statistischem Bundesamt an Dauercamper vermietet. Wie viele davon dauerhaft im Wohnwagen leben, ist nicht statistisch erfasst. Es gibt Campingplätze, auf denen man sogar seinen Hauptwohnsitz anmelden kann. In Eisenberg ist das aber nicht der Fall. Rechtlich verhält sich ein fester Stellplatz wie ein Ferienhaus. Und das ist es für Platzwart Braun auf alle Fälle. Hier hat er jeden Tag Urlaub, sagt er.

Braun mit einer Gruppe Dauercamper.
Braun mit einer Gruppe Dauercamper.
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