Interview RHEINPFALZ Plus Artikel „Düstere Rollen geben am meisten her“

Thomas Borchert verspricht mit „Der Vampir am Klavier“ einen im doppelten Sinne gräflichen Musical-Abend.
Thomas Borchert verspricht mit »Der Vampir am Klavier« einen im doppelten Sinne gräflichen Musical-Abend.

Ein blutsaugender Pianist wird am Samstag, 26. März, in Eisenberg zu erleben sein. Sänger, Schauspieler und Musicaldarsteller Thomas Borchert kommt mit seinem nagelneuen Programm „Der Vampir am Klavier“ ins Kulturwerck.

Herr Borchert, wie geht es Ihnen nach mehr als zwei Jahren Pandemie?
Danke, mir geht es gut. Zwar musste ich, wie jeder Live-Künstler, heftige finanzielle Einbußen wegstecken, aber ich konnte die Zeit auch kreativ nutzen und als Komponist an einem eigenen Musical-Projekt arbeiten. Sehr schade war natürlich, dass ausgerechnet meine geplante „Der Vampir am Klavier“-Premiere mit zwei ausverkauften Abenden im Hamburger Schmidt Theater der Pandemie zum Opfer fiel.

Wann ist Graf Dracula denn wieder so richtig aus dem Sarg geklettert?
Tatsächlich konnte ich schon im Sommer 2020 ein paar Konzerte geben. Das erste war im Streaming-Format im nordrhein-westfälischen Datteln mit ein paar wenigen Leuten im Publikum. Es folgten Open-Air-Auftritte, unter anderem im alternativen Festspielprogramm in Bad Hersfeld mit „Novecento – die Legende vom Ozeanpianisten“. Dazu ist es sogar nur durch die Pandemie gekommen, denn das Solo-Schauspielstück hätte ansonsten nicht in den normalen, größeren Festspiel-Rahmen gepasst.

Wie fühlte sich „das erste Mal“ nach langer Dunkelheit an?
Es war wunderbar und die Stimmung war ganz besonders, denn sowohl ich, als auch mein Publikum waren so dankbar, dass wir endlich wieder zusammenkommen konnten.

Sie übernehmen oft düstere Rollen – mehrmals Mörder, den Tod, Graf von Krolock. Ein Vampir sind Sie offensichtlich besonders gern. Sind Sie blutrünstig oder was fasziniert Sie daran?
Ich kann ja eigentlich gar nichts dafür, dass ich immer wieder für diese Charaktere engagiert werde. Das hat sich einfach so ergeben. Aber ich freue mich darüber, denn diese „dunklen“ Figuren und dramatischen Rollen geben am meisten her für einen Schauspieler und Sänger. Sie sind zumeist vielschichtiger und haben mehr Tiefe als die strahlenden Helden – sprich, es gibt mehr zu spielen.

Was ist bislang Ihre Lieblingsrolle gewesen und warum?
Darauf kann ich mit großem Stolz eine klare Antwort geben: Edmond Dantès beziehungsweise der Graf von Monte Christo im gleichnamigen Musical, das Frank Wildhorn und Jack Murphy für mich geschrieben haben. Also, natürlich ist der Graf von Monte Christo schon allein deshalb meine Lieblingsrolle, weil sie mir persönlich „auf den Leib geschrieben“ wurde. Ein weiterer Grund: Es war die bisher größte Herausforderung für mich – als Schauspieler, Sänger sowie auch rein körperlich. Ich musste anspruchsvolle Kampf- und Fechtszenen lernen und beherrschen.

Den „Tanz der Vampire“ haben Sie schon in St. Petersburg aufgeführt. Ist Russland seit der Invasion in der Ukraine für Sie als Aufführungsort gestorben?
Wir Kulturschaffenden sollten zusammenhalten, auf der ganzen Welt. Kunst, Musik, Tanz und Theater müssen sich frei entfalten können und sollten außerhalb jeder politischen Gesinnung oder Ideologie stehen. Wenn es um humanitäre Weltpolitik geht, dann kann und muss die Kultur das verbindende Element sein, das die Menschen an die wahren Werte erinnert: Nächstenliebe, Freiheit und Frieden.

Also werden Sie weiterhin in Russland auftreten?
Selbstverständlich würde ich wieder in Russland auftreten. Die Menschen dort tragen keine Schuld an der barbarischen Invasion in der Ukraine und den Kriegsverbrechen eines despotischen, autokratischen Präsidenten. Sie leiden darunter, sind beschämt und leben in Angst. Viele russische Fans schreiben mir persönlich, wie verzweifelt sie darüber sind. Dieser Krieg ist allein Putins Krieg, der mit allen Mitteln, auch gegen den Willen des russischen Volkes, geführt wird. Deshalb ist es grundlegend falsch, ein Land und seine Menschen als Ganzes zu verurteilen. Im Gegenteil. Man muss versuchen, denen eine Stimme zu geben, die sie nicht erheben können und diejenigen zu unterstützen, die mundtot gemacht werden.

Wie kommt es, dass der blutsaugende Pianist jetzt nach Eisenberg schwebt?
„Der Vampir am Klavier“ mag es am liebsten intim, er liebt kleine bis mittelgroße Auftrittsorte, wie zum Beispiel das Schmidt Theater in Hamburg, das Schlosspark Theater in Berlin oder das Wiener Metropol, das ich ganz besonders ins Herz geschlossen habe. Aber hin und wieder gelüstet es jeden Vampir nach frischem Blut, und so freue ich mich schon sehr darauf, das Pfälzer Publikum anzuzapfen.

Worauf dürfen sich die Besucher einstellen?
Auf einen im doppelten Sinne gräflichen Musical-Abend, bei dem so gut wie keine Wünsche offen bleiben. Ich lasse (fast) alle Stationen meiner über 31-jährigen Musical-Karriere Revue passieren und Graf von Krolock wird wohl – wie immer in seiner unnachahmlichen, unberechenbaren Art und Weise – auch seinen Teil dazu beitragen.

Termin

„Der Vampir am Klavier“ spielt am Samstag, 26. März, ab 20 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Eisenberg. Tickets unter www.kulturwerck.de oder per Telefon 06351 9370084.

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