Carlsberg
Corona-Krise: Die sieben Reisebusse von Hans-Jürgen Meister stehen still
„Das ist ein Gefühl, wie wenn dir jemand ein Messer in den Bauch sticht, du bist absolut machtlos und kannst nichts gegen die Situation unternehmen“, beschreibt Meister seine Gemütslage. „Das Problem ist, ich kann auch nicht reduzieren. Einen Teil der Busse zu veräußern, bringt nichts, es gibt ja keinen Markt mehr. Selbst die Bushändler, die weltweit agieren, sind ja auch nicht mehr tätig“, ergänzt er. „Die Lösung wäre das für mich eh nicht, denn eigentlich sollte jetzt im Mai meine Tochter Sabrina ins Unternehmen voll einsteigen. Sie hatte schon bei ihrem Arbeitgeber gekündigt, konnte diese Entscheidung glücklicherweise revidieren. Mein Sohn Max hat seine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker mit Erfolg abgeschlossen und ist derzeit bei mir in der Ausbildung zum Berufskraftfahrer “, erzählt Meister. Zwar dürfe Meister Junior erst in zwei Jahren, mit 21, mit dem Fahren beginnen, aber der 19-Jährige kümmere sich schon jetzt um den Fuhrpark mit sieben Reisebussen und sechs Pkw für den Individualtransport.
Im November Luxusbus gekauft
Erst vor kurzem hat Meister einen 45-Sitzer-Luxus-Reise-Bus angeschafft. „Das war ein Schnäppchen, normalerweise kauft niemand im November noch einen Bus dazu. Das neue Fahrzeug hat allerdings nach seiner Anschaffung bis Weihnachten noch 10.000 Kilometer bewältigt. 2019 war ein super Jahr für uns, mit einer deutlichen Steigerung des Umsatzes“, berichtet der Unternehmer, der einen festangestellten Fahrer beschäftigt, der jetzt in Kurzarbeit ist, sowie zehn Aushilfen, die alle abgemeldet sind. „Diese Mitarbeiter kann ich erst wieder aktivieren, wenn die Krise vorbei ist“, sagt Meister.
Um das Überleben macht er sich derzeit noch keine besonderen Sorgen. „Wir können eine Weile durchhalten, denn die Fahrzeuge sind alle mein Eigentum, ich muss im Vergleich zu anderen keine teuren Leasing-Raten zahlen. Die Hoffnung ist allerdings, dass direkt nach der Corona-Krise auch die Kunden wieder zurückkehren.“ Viele hätten ihm bereits signalisiert, dass sie ihre Fahrten und Ausflüge in den Herbst verlegen.
Verzicht auf Stornogebühr
„Normalerweise darf in unserer Branche eine Stornogebühr verlangt werden, darauf haben wir verzichtet, lediglich eine Bearbeitungsgebühr von 20 Euro haben wir erhoben, um die Bürokraft zu finanzieren“, sagt Meister. Das hätten fast ausnahmslos alle Kunden akzeptiert. „Die Kinder der IGS in Göllheim haben sogar entschieden, aus dem Reisetopf für ihre Klassenfahrten freiwillig eine Gebühr von 100 Euro zu überweisen, um uns unter die Arme zu greifen“, freut sich Meister über Unterstützung.
Geplante Investitionen – unter anderem die Überdachung des Betriebsgeländes in Carlsberg – wurden jetzt erst einmal auf Eis gelegt. „Das Einzige, was derzeit läuft, ist die Restaurierung unseres Mercedes O 303, ein Oldtimer aus Jahr 1981. Damals der modernste Fernreisebus, der hat sogar schon ABS. Mit dem werden wir übrigens, sobald es losgehen kann, die ersten Fahrten unternehmen, denn dieser Bus ist derzeit der einzige noch angemeldete, da er die günstigsten laufenden Kosten hat.“
Hoffen auf Förderung
Meister hofft, dass in spätestens drei Monaten die Krise überwunden ist. „Vier Monate wären der schlimmste Fall, es kommt darauf an, was vom Staat als Förderung kommt.“ Über den Omnibusverband bekommt der Unternehmer ständig Informationen, ob und in welchem Maß Förderungen zu erwarten sind, beantragen werde er diese in jedem Fall. „Das Wichtigste ist für mich, dass die Corona-Krise in einem Schwung überwunden wird, nicht in einem halben Jahr das Ganze von vorn los geht. 2021 haben wir eine 20-tägige Europa-Rundreise geplant zum 20-jährigen Bestehen unseres Unternehmens, dafür sollte jetzt die Werbung starten“, sagt der Busunternehmer. „Was mich positiv stimmt, ist die Unterstützung von meinen Kindern Sabrina und Max und die Tatsache, dass wir jederzeit loslegen können, da alle Fahrzeug komplett gewartet und mit neuen Reifen versehen sind“, sagt Meister.