Grünstadt
Carlsberg: Am Wasserturm geht der SV Kirchheim mit 3:9 unter
Am Samstag hat der Tabellenführer der Fußball-C-Klasse Rhein-Pfalz-Nord, der SV Kirchheim, auf dem neuen Kunstrasenplatz des TSV Carlsberg. Für die Carlsberger eine richtungsweisende Begegnung, denn bei einer Niederlage wären sie raus aus dem Spiel um die Vergabe der Aufstiegsplätze gewesen. Die Kirchheimer wollten ihren guten Lauf von zuletzt fünf Siegen infolge fortsetzen, um die Tabellenführung zu festigen. Dies ging jedoch gewaltig in die Hose.
Mit einer deftigen 9:3-Niederlage ging Kirchheim am Carlsberger Wasserturm regelrecht unter. „Klatsche bekommen, aus, fertig“ waren die einzigen Worte, die Kirchheims sichtlich frustriertem Spielertrainer Jens Benda nach Spielende über die Lippen kamen. Mit „Klatsche“ hat er das Ergebnis noch harmlos beschrieben. Das Ergebnis entsprach einer heftigen Versohlung des Allerwertesten. So paradox es klingen mag, die neun Kisten des TSV sind noch schmeichelhaft für den Tabellenführer. Denn bei konsequenterer Verwertung der Einschussmöglichkeiten der Emig-Truppe wäre ein zweistelliges Endergebnis im Bereich des Möglichen gewesen. Im Fußball entsteht in der Regel ein solches Ergebnis nur dann, wenn eine Mannschaft dominant und die andere hoffnungslos unterlegen ist.
Kirchheim spielte den technisch feineren Fußball
Damit kommen wir zum zweiten Paradoxon dieser Partie. Kirchheim war nicht hoffnungslos unterlegen, Carlsberg war nicht völlig dominant. Kirchheim spielte den technisch feineren Ball, spielte offensiv mit, aber Carlsberg lieferte den aufopferungsvolleren Kampf und Einsatz. Und was an diesem Nachmittag den Ausschlag gab: Der TSV hatte in Spielertrainer Kevin Emig die alles überragende Person in seinen Reihen. Kirchheim bekam ihn in keiner Phase des Spiels in den Griff, sodass er sechs Tore erzielte. Für die restlichen Treffer leistete er, direkt oder indirekt, die Vorlage oder Vorarbeit.
Ballverluste werden für frühe Führung genutzt
Dass am Ende ein spektakuläres Ergebnis zu erwarten war, zeigte sich schon zu Beginn der Begegnung. Beide Teams starteten forsch, was zu erkennen gab, dass ein Unentschieden nicht zu erwarten war. So hatten es die ersten zwölf Spielminuten schon in sich. Carlsberg störte früh den Spielaufbau der Gäste, was in der 7. und 9. Minute zu Ballverlusten führte, welche Emig eiskalt zur frühen 2:0-Führung nutzte. Der SV war aber keineswegs geschockt und spielte auf Torerfolg. So konnte Lasse Thoms schon eine Minute später auf 1:2 stellen. Doch zwei Minuten später traf wieder ein Carlsberger, aber ins eigene Gehäuse. Antonio Scarmato verlängerte einen Kirchheimer Freistoß aus dem Halbfeld mit dem Hinterkopf zum 2:2. Das Spiel blieb ausgeglichen. In Minute 28 gab es zwei Auftritte von Emig. Zunächst wurde er an der Mittellinie gefoult, forderte für seinen Gegenspieler gelb, und sah vom umsichtig leiteten Schiri Andreas Enckler richtigerweise selbst den geforderten Karton. Dies veranlasste ihn, sofort den Ort des Geschehens Richtung gegnerischem Strafraum zu verlassen, um den folgenden Freistoß zu erwarten. Der Ball flog in den 16er, Emig stand frei und erzielte per Kopf des 3:2, Hattrick perfekt. Dass Emig die Lektion verstanden hatte, bewies er kurze Zeit später.
Emig ist nur durch Fouls zu stoppen
An der Strafraumgrenze war er wiederum nur durch ein Foul zu stoppen und blieb ruhig. Sebastian Senna zirkelte den Freistoß gekonnt in die Maschen (32. Minuten). Die Emig-Gala ging weiter: In der 35. Minute war er bei einem starken Solo selbst von drei Kirchheimer Spielern nicht zu stoppen: 5:2, was auch gleichzeitig der Halbzeitstand war. Benda stellte in der Pause seine Truppe um, aber um Emig wollte oder konnte sich keiner kümmern. In der 47. Minute ließ Kirchheim ihn im Strafraum gewähren und Kirchheims Torhüter Joel Meininger, der im zweiten Spielabschnitt für den mit einer Verletzung ausgeschiedenen Daniel Hanewald im SV Tor stand, konnte mit einer Fußabwehr gerade so klären. Beim nachfolgenden Eckball Alarmstufe rot in Kirchheims Abwehr. Zunächst konnte Meininger einen gezielten Kopfball mit einer Glanzparade aus dem Eck fischen, der Abpraller kam vor die Füße eines Carlsbergers, Schuss aus acht Metern, doch ein SV Akteur konnte auf der Linie den Treffer verhindern. Danach herrscht Funkstille auf Carlsberger Seite. Kirchheim befreite sich und bereitete dem nun passiven TSV Schwierigkeiten. Lasse Thoms gelang per Freistoß das 5:3 (52. Minute).
Carlsberg nutzt Konter-Chancen rigoros aus
Die offensive Spielweise barg natürlich die Gefahr der Konteranfälligkeit. Dies nutzten die Carlsberger rigoros aus. 63. Minute: Robin Bernd, alleine auf dem Weg zum 6:3, er scheiterte jedoch an Meininger. Nicht so Johannes Schunke eine Minute später nach identischer Abfolge. 69. Minute: Lasse Thoms trifft das Carlsberger Aluminium, schnelles Umschaltspiel, die SV-Abwehr unsortiert, Emig im Alleingang – das 7:3 nur noch Formsache. 72. Minute: Kirchheim steht zu hoch, Sanna über links zu Emig, der alleine vor Meininger – und vollendet nicht. Stattdessen uneigennützig quer auf Erik Schneider, der nur noch ins leere Tor einschieben musste. Obwohl der Rückstand aussichtslos war, zeigte die Benda Truppe Moral, war um Resultatverbesserung bemüht, wurde aber nicht mit weiteren Treffern belohnt. Zunächst trifft Kirchheim frei vorm Tor den Kasten nicht. Denn Daniel Schmidt hatte mit einem Kopfball an den Querbalken kein Glück (75., 82. Minute). Zwischen diesen beiden Szenen hatte aber Emig schon auf 9:3, das Endergebnis, erhöht (78.). Ganz anders als bei seinem Kirchheimer Kollegen war die Gefühlslage von Emig nach dem Spiel: „Das war mehr, als ich je erwartet hätte. Wir haben die technischen Vorteile des SV durch Kampf ausgeglichen und so den Weg zum Erfolg erzwungen, es war eigentlich leichter als befürchtet. Wir sind jetzt wieder im Geschäft und haben den Anschluss nach oben nicht verloren“.
So spielten sie
TSV Carlsberg: Renk – Scarmato (73. Mirsai), Küchler (73.Levonov), Bergsträßer, Patrick Schneider – Erik Schneider, Bernd, Fröhn – Emig – Sanna, Sayar (46.Schunke);
SV Kirchheim: Hanewald (46.Meininger) – Bozic, Scholti (46.Saccone), Asel, Emrich – Moritz (46.Adrian), Schardt, Silberberger, Benda – Schmidt, Thoms;
Tore: 1:0 Emig (7.),2:0 Emig (9.), 1:2 Thoms (10.), 2:2 Scarmato (ET,12.), 3:2 Emig (26.), 4:2 Senna (32.), 5:2 Emig (35.), 5:3 Thoms (52.), 6:3 Schunke (64.), 7:3 Emig (70.), 8:3 Erik Schneider(72.), 9:3 Emig(78.);
Beste Spieler: Emig, Bernd, Fröhn – Thoms, Silberberger, Schardt
Gelb: Küchler, Emig, Sayar – Scholti;
Zuschauer: 60;
Schiedsrichter: Andreas Enckler (TuS 05 Ramsen)