Grünstadt Briefe an die Lokalredaktion:

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Hat Herr Benzinger schon vergessen, warum sich der Bau der Umgehungsstraße B271 seit gut 20 Jahren hinzieht? Waren es nicht die Bürgerinnen und Bürger, die sich zwei Jahrzehnte darum stritten, ob Kirchheim eine Ost- oder Westumgehung bekommen soll? Wenngleich noch in diesem Jahr mit den Bauarbeiten der Ortsumgehung Kirchheim begonnen werden soll, so ist vor Ende 2019 nicht mit der Fertigstellung zu rechnen. Es ist erfreulich, dass es nun endlich losgeht, die Bahn trifft aber an der bisherigen Entwicklung keine Schuld. Herr Benzinger macht es sich deshalb zu einfach, die Bahn an den Pranger zu stellen und in ihr den Sündenbock zu suchen. Er möchte sogar den Kreuzungsbahnhof verhindern. Hätte man sich in den zurückliegenden Jahren viel früher auf eine Variante geeinigt, würden vielleicht schon heute die ersten Autos auf der Umgehungsstraße fahren. Attraktivitätssteigerung erreicht man nicht, wenn, zumindest bis zur Fertigstellung der Ortsumgehung, täglich rund 15.000 Fahrzeuge durch Kirchheim fahren und die Bahnschranken drei statt vier oder auch mal fünf Minuten geschlossen werden. Wie Attraktivitätssteigerung in einem Dorf erreicht werden kann, zeigt das Beispiel Forst, wo es gelungen ist, den Dorfkern vom Durchgangsverkehr frei zu machen. Touristen und Weinkunden macht es dort Spaß, ohne lästigen Kfz-Verkehr durch den Ort zu schlendern. Wie sieht es in Kirchheim aus? Aufenthaltsqualität bietet Kirchheim nicht, zumindest derzeit nicht. Und als Autofahrer ist man doch froh, so schnell als möglich das Dorf zu durchfahren. Meines Erachtens sollte man mit der Bahn kooperieren, die Gespräche weiter suchen, um auszuloten, welche Alternativen sich anbieten. Ich kann mir nicht vorstellen, warum ein Zug noch zwei Minuten stehen muss, bevor er abfahren kann, obwohl der Zug aus der Gegenrichtung bereits eingefahren ist. Im übrigen hat es sich in den Jahren, seit es den Rheinlandpfalztakt gibt, gezeigt, wie man Attraktivität steigern kann. Das zeigt der ständige Anstieg der Fahrgastzahlen, vor allem aber die Besucherströme, die mit dem Zug dort ankommen, wo es etwas zu feiern gibt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Kirchheim eines Tages froh, vielleicht sogar stolz darauf sein kann, einen Kreuzungsbahnhof zu haben. Menschen nutzen, gerade in unserer Region, gerne den Zug, um Weinfeste und sonstige Veranstaltungen entlang der Weinstraße zu besuchen, weil sie das Auto stehen lassen und auch mal ein Viertel unserer leckeren Weine mehr trinken können. Schließlich haben die Kirchheimer Winzer auch gute Weine anzubieten. Nicht verkennen darf man die Anbindung an die Metropolregion Rhein-Neckar. Darüber hinaus sollte man auch die weitere Anbindung in alle deutschen Großstädte beachten, die man ab Mannheim bequem mit dem ICE erreicht. Auch die neuen S-Bahn-Verbindungen im Gebiet des VRN und die Auslastung der Züge zeigen, dass man diese Chance auf keinen Fall ungenutzt lassen darf. Ich sehe sonst die Gefahr, dass Kirchheim, wie beim Bau der B271 zwischen Neustadt und Bad Dürkheim geschehen, von den Ortschaften „überholt“ werden, die die gebotene Chance erkannt haben und nutzen. Natürlich verstehe ich, dass man als Betroffener anderer Meinung sein kann, aber ich meine schon, man sollte in diesem Punkt einmal über seinen Tellerrand schauen, denn ein zweites Mal wird sich diese Chance wohl kaum mehr bieten. In der Unterhaardter Rundschau vom 10. Februar erschienen mit der Überschrift „Islam I“ und „Islam II“ zwei Leserbriefe mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die Zuschrift von Werner Julier, Carlsberg, trug die Überschrift „Entzieht sich jeder Reform“. Herrn Julier ist es durch seine Frau aus dem Irak möglich, sich mit dem Koran und den darin enthaltenen Suren zu beschäftigen und es wurde auf die Sure 8, Vers 10, Bezug genommen. Die aggressiven Koranverse, die das Fundament für das islamische Kriegsrecht bilden, sind in unserem christlich geprägten Weltbild schwer einzuordnen und zu verstehen, obgleich im Alten Testament sich ähnliche Aussagen finden lassen. Das Bild vom Islam wird durch Aussagen vom türkischen Staatspräsidenten Recep Erdogan leider zusätzlich belastet, der die Demokratie als Zug zum Aufstieg zum Ziel einer kriegerisch geprägten Alleinherrschaft bezeichnet. Gut ist es daher, dass in Deutschland Staat und Kirche getrennt sind. Nun sind solche Aussagen nicht alles, was zum Islam zu sagen ist. Wir haben Möglichkeiten, uns vor Ort in Eisenberg im Rahmen des Sozialpolitisch-Ökumenischen-Arbeitskreises zu informieren. Dazu gehört auch der Türkisch-Islamische-Kulturverein, der sich in der Vortrags- und Gesprächsreihe mit einbringt. Das Jahresthema 2014/15 heißt „Was heilt die Seele?“ Am 22. Januar waren wir zu Gast im Gemeindesaal der Moschee in Eisenberg. Güven Sayan von der Moscheegemeinde sprach über „Die List des Teufels – wahre Frömmigkeit im Islam“. Schon seit Jahren werden wechselseitig Vorträge angeboten, also auch von den Gemeinden der protestantischen und der katholischen Kirche. Es gab einen regen Zuspruch mit anschließender munterer Diskussion. Besonders willkommen fühlen wir uns durch die Betreuung der türkischen Mitbürger mit Tee und Gebäck sowie Getränken. Wir erfahren, wie verwandt die beiden Religionen sind und wie viel Gemeinsamkeiten vorhanden sind. Wenn es um theologische Einzelheiten geht, ist ein Imam dabei, der auf den Koran verweist. Es ist eine alte Erfahrung, dass nur der sich ein Urteil bilden kann, der informiert ist, und so wird vermieden, auf sinnverkürzendes Halb- oder Nichtwissen seine Beurteilung aufzubauen. Wir müssen in Deutschland (auch in Europa) umgehend die Frage klären, ob das im Grundgesetz garantierte Recht auf Religionsfreiheit auf den Islam überhaupt anzuwenden ist. Die Garantie der Religionsfreiheit des Staates ist in Europa entstanden aus der nach viel Leid und Streit gewonnenen Erkenntnis, dass der Staat kein Recht hat, dem Bürger vorzuschreiben, was er glaubt. Dabei ging es allerdings immer um die verschiedenen Bekenntnisse von Christen und Juden. Beide Glaubensgemeinschaften haben sich in Europa darauf zurückgezogen, ihre Bekenntnisstreitigkeiten in ihren eigenen Reihen auszutragen. Dann trat allerdings nach dem Krieg die Kommunistische Partei mit der einer Religion vergleichbaren marxistisch-leninistischen Ideologie auf und hatte in ihrem Programm den „revolutionären Sturz des Adenauer-Regimes“. Das war die alte Forderung zur Errichtung einer Diktatur des Proletariats. Weil das gegen das Grundgesetz war, wurde die Kommunistische Partei 1956 durch das Bundesverfassungsgericht verboten. Später schrieb sie ihr Programm im Einklang mit dem Grundgesetz neu und wurde wieder zugelassen. Der Islam ist also etwas anderes als das, was wir bisher unter einer Religion verstehen, sondern eben auch ein Werte- und Herrschaftssystem, das den Staat mit einbezieht – also nicht neben ihm existieren will. Weil das so ist, gibt es auch seit Jahrhunderten die erbitterten Kriege zwischen islamischen Gruppen, in denen unterschiedliche Auslegungen des Korans herrschen. Nur unter relativ säkularen Diktatoren wie Saddam Hussein oder so lange sie in der Minderheit in nichtmuslimischen Staaten leben, können die Muslime unterschiedlichen Bekenntnisses einigermaßen friedlich zusammen leben. Diese Neuformulierung, die die KPD vornahm, steht für den Islam aus. „Er entzieht sich“, wie Werner Julier schreibt, „jeder Reform“ und segelt weiter im Schutz der Religionsfreiheit, wie er sie versteht.

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