Grünstadt Bockenheim: Nisbau wirkt bei neuer Hauptstadt mit

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Von der Weinstraße aus in die weite Welt: Die Nisbau GmbH entwickelt und baut Betonmischanlagen, die in München, Stockholm oder Budapest, aber auch in Ägypten, Madagaskar oder auf der russischen Insel Sachalin zum Einsatz kommen. Die Spezialität des Familienunternehmens sind maßgefertigte Sonderanlagen.

Seit 2011 hat die Firma ihren Sitz in Bockenheim, zuvor war sie in Frankenthal ansässig. Dort reichte die Höhe der Fertigungshalle nicht mehr aus, berichtet Stilianos Nisamidis im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Er und sein Bruder Konstantinos sind die Geschäftsführer von Nisbau. „Der Standort war die richtige Wahl“, sagt er. Das Gelände am Offsteiner Weg am östlichen Rand von Bockenheim sei groß genug, um auch noch erweitern zu können. Zudem sei die Lebensqualität super – „nicht nur wegen des guten Weines“ –, und die Gemeinde und die Bockenheimer zeigten sich aufgeschlossen. Am Beginn der Unternehmensgeschichte stand 1989 der Handel mit Baumaschinen. Dazu gehörten auch gebrauchte Betonmischanlagen, die Firmengründer und Seniorchef Savas Nisamidis in Deutschland ab- und im europäischen Ausland wieder aufbaute. Savas Nisamidis war für die Technik zuständig, seine Frau Katarina für das Büro. Ihre beiden Söhne bosselten schon mit 14, 15 Jahren an den Anlagen. „Das wurde uns quasi in die Wiege gelegt“, sagt Stilianos Nisamidis. Bevor der 33-Jährige und sein 35-jähriger Bruder in die Firma eintraten, begannen sie zunächst jedoch ein Studium: Stilianos als Volkswirt, Konstantinos als Bauingenieur. Die beiden entschlossen sich schon während des Studiums, das Unternehmen auf Betonmischanlagen zu spezialisieren. „Wir haben gesehen, dass radmobile Mischanlagen in dieser Art auf dem Markt fehlen“, erzählt Stilianos Nisamidis. Der Markt für Beton ändere sich, gefragt seien flexible Lösungen: „Daraus ist Nisbau entstanden.“ Schon mit Mitte 20 hätten sie die erste Anlage konstruiert und ihr Geschäftsfeld aufgebaut. Der „Prototyp“ ging an einen alten Kunden ihres Vaters in Rumänien. Mittlerweile könnten sie auf 420 Referenzen international verweisen. Nisbau bedient drei Sparten: In den Export gehen zumeist vollmobile Anlagen, die es in verschiedenen Größen gibt. Der Euromix 120 zum Beispiel kann 120 Kubikmeter Beton in der Stunde herstellen, das entspreche der Menge, die für das Fundament eines Einfamilienhauses gebraucht werde, erklärt Konstantinos Nisamidis. „Mit den mobilen Anlagen sind wir groß geworden“, sagt sein Bruder. Sie werden direkt dort aufgestellt, wo gebaut wird, und seien vor allem in Ländern gefragt, in denen die Infrastruktur noch nicht so ausgereift sei wie in Westeuropa. Sieben Anlagen hätten sie zum Beispiel nach Ägypten geliefert, für das Projekt New Capital: Der ägyptische Staat errichtet 45 Kilometer südöstlich von Kairo eine komplett neue Hauptstadt. Den weitesten Weg wird eine Anlage für die Pazifikinsel Sachalin haben, die mit der Transsibirischen Eisenbahn in den Fernen Osten Russlands geliefert wird. Für den Binnenmarkt – Deutschland, Schweiz, Österreich und vor allem skandinavische Länder - liefert Nisbau zumeist stationäre Anlagen, häufig in Ballungsräume wie München: Dort wüssten die Unternehmen, „wir können die nächsten 30 Jahre Beton ausliefern“. Die HeidelbergCement AG zum Beispiel hat ein Nisbau-Produkt neben dem Flughafen München stehen, vom dem aus sie Baustellen in der Millionenstadt bedienen kann. Die dritte Sparte des Bockenheimer Unternehmens sind Sonderkonstruktionen. So hat die Firma für den Bau des knapp 33 Kilometer langen Koralm-Tunnels in Österreich die Behälter konstruiert, die die Tunnelbohrmaschine in 1200 Meter Tiefe mit Material versorgen. Ende des Jahres wird bei Tunnelkilometer 15 eine Betonmischanlage unter Tage errichtet. „Das haben wir alles von Anfang an entwickelt, so etwas gab es bisher nicht“, berichtet Stilianos Nisamidis stolz. „Wir bleiben nicht stehen“, sieht er als einen Grund für die erfolgreiche Entwicklung des Familienunternehmens. Und: Die Nisbau GmbH setze auf ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Noch drei Wochen müssen die Brüder und ihre Mitarbeiter sich gedulden, dann wissen sie, ob sie den Zuschlag für ein Projekt „in der Königsklasse der Liga“ bekommen: Direkt an der Themse werden drei Mischanlagen errichtet. In zweien davon wird Beton für Baustellen in London hergestellt, in der dritten der Beton für Fertigteile, mit denen in einem neuen Verfahren ein Tunnel unter dem Fluss gebaut werden soll. „Wir können unsere Anlagen komplett in 3D visualisieren, sodass der Kunde genau sieht, was er bekommt“, erklärt Nisamidis. Das sei sehr ungewöhnlich in der Branche – und womöglich ein Vorteil im Wettbewerb für das Londoner Projekt, „eines der größten, die wir bisher in Angriff genommen haben“. Viele Stunden Arbeit und enorme Entwicklungskosten hat Nisbau in dieses Projekt gesteckt. Wenn ihre Anlage gebaut wird, hat das eine Größenordnung von zwölf bis 14 Millionen Euro. Ihre allererste Anlage haben die Brüder übrigens zurückgekauft: Sie hat einen Ehrenplatz auf dem Firmengelände.

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