Leiningerland
Blick durchs Schlüsselloch: Diese Hobbygärtner zeigen am Wochenende ihr Paradies
„Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen.“ Dieser Spruch hängt in Englisch an der Haustür der Familie Völker. Gwenlyn Völker-McNeil stammt aus Australien, ihr Mann, früherer Hausarzt in Bockenheim, hatte jahrelang eine Praxis im gemeinsamen Wohnhaus. Der Ausgleich des Ehepaars: die Gartenarbeit. So kaufte es in den vergangenen knapp 30 Jahren immer mehr Fläche dazu, um seine kleine grüne Oase wachsen zu lassen. Inzwischen sind es etwa 2600 Quadratmeter, um die sich das Paar jeden Tag kümmert. Worin sich beide einig sind: „Es wäre zu schade, wenn nur wir uns den Garten angucken.“ Deshalb haben sie entschieden, ihn für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und beim Tag der offenen Gartentür dabei zu sein.
Bereits früher haben sie über die Offenen Gärten Pfalz-Elsass an solchen Privatschauen teilgenommen, allerdings gibt es dieses Angebot inzwischen nicht mehr. Nun wagen sie einen neuen Anlauf über die Aktion des Verbands der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz. Die findet zweimal statt, am 14. und am 28. Juni, und soll laut Pressemitteilung Interessierten die Möglichkeit geben, sich vom Grün der anderen inspirieren zu lassen. Im Leiningerland haben sich drei Hobbygärtner gemeldet, um ihre Tore zu öffnen, und auch in Ramsen gibt es eine Anlaufstelle.
„Es ist weniger Arbeit als gedacht“
Was auffällt: Jeder hat etwas anderes zu bieten. Völkers zum Beispiel haben ihren Garten in unterschiedliche Areale unterteilt. Mit dabei: ein wilder Bauerngarten, eine französische Planfläche, sehr viele Rosen, aber auch Ecken mit seltenen Pflanzen. „Die Abwechslung ist für uns interessant“, sagt Emil Völker, der nicht nur Pflanzen sammelt, sondern auch Kunstgegenstände wie altes Werkzeug. Beide haben das Gärtnern nicht von klein auf gelernt, sind aber inzwischen begeistert dabei und wissen: „Es ist weniger Arbeit als gedacht.“ Die beiden Senioren probieren sich aus und schauen, wie sich ihr Grün entwickelt. Das Ergebnis können sich die Gäste an den beiden Sonntagen anschauen und das Ehepaar, das täglich im Garten werkelt, mit Fragen löchern.
Mit dabei ist auch Nicole Kief aus Hertlingshausen. Ihr Motto: Aus wenig viel machen. Ihrem Garten ist die Kreativität anzusehen, auch wegen der Töpferkunstwerke, die dort verteilt sind. Denn Kief hat ein Kleingewerbe und arbeitet dabei mit Ton. Aber auch darüber hinaus setzt sie auf ungewöhnliche Lösungen, zum Beispiel ein Gerüst als Rosenstütze für ihre geliebte Kletterrose Bobby James. Deren Duft wabert durch den gesamten Eingangsbereich.
Nicht alles Ungeplante im Garten ist Unkraut
Ihre Schätze sind einmal der Geodom – ein rundes Gewächshaus – und der Lehmbackofen. „Daran hängen Erinnerungen“, schwärmt sie und gibt zu: „Nichts im Garten ist geplant.“ Stattdessen stehe sie gern mit ihrem Kaffee im Grün und schaue sich an, was ihr auffällt und wo es etwas zu tun gibt. So habe sie das Gelände hinter ihrem Haus Stück für Stück gestaltet. Ihr wichtigster Tipp für künftige Hobbygärtner: „Die Natur einfach mal machen lassen.“ Vieles im Garten wachse einfach und passe oft zur Umgebung – nicht alles, was spontan wächst, sei Unkraut. Auch auf insektenfreundliche Pflanzen achtet Kief und sie setzt auf Gemüse und Obst. Zwei Tage pro Woche verbringe sie im Garten, der nicht nur sie, sondern am Tag der offenen Gartentür auch die Gäste entschleunigen und entspannen soll. Passend dazu gibt’s Kaffee, Kuchen und Einblicke in die Töpferkunst.
Zum ersten Mal mit dabei ist Ursula Knauber. Sie hat ihren Garten in Hettenleidelheim nicht nur hinter einem Hoftor, sondern auch hinter einer Outdoor-Küche versteckt. Auf knappen 100 Quadratmetern haben sie und ihr Mann es geschafft, mehrere Ecken anzulegen: „Die Ruinenecke, die Sonnenlounge, die Insektenecke und die Chillecke.“ Auch auf den Steg am Teich sei genug Platz, um sich hinzulegen und das Wetter zu genießen, nicht nur im Sommer. Der Garten ist so angelegt, dass es auch im Winter gemütlich ist, unter anderem durch Beleuchtung und eine Wärmelampe. Damit hat sich Knauber einen Kindheitstraum erfüllt: „Ich wollte immer einen Blumengarten.“
Besichtigt hat sie die Grundstücke anderer Hobbygärtner schon früher, jetzt will sie selbst ausstellen, denn Knauber ist überzeugt: Man kann die Freude am Garten teilen. Dazu lädt sie ein, außerdem zu Kaffee und Kuchen. Anderen rät sie, Geduld bei der Planung der Flächen zu haben, sich genau den Sonnenstand anzuschauen und „sich zu überlegen, was man will“. Denn es mache einen großen Unterschied, ob im Garten Blüh- oder Nutzpflanzen wachsen sollen. Was ihr am Blumengarten so gut gefällt, ist das Leben: „Hier ist immer etwas los.“ Das sollen die Besucher am Sonntag erleben, wenn Knauber ihr Gartentor offen stehen hat.
Termin
Der Tag der offenen Gartentür findet an den beiden Sonntagen, 14. und 28. Juni, von 10 bis 18 Uhr statt. In der VG Leiningerland sind die Völkers (Unterer Graben 7a, Bockenheim), Nicole Kief (Hauptstraße 28, Carlsberg-Hertlingshausen) und Ursula Knauber (Mittelhaide 7, Hettenleidelheim, nur am 14. Juni) dabei. In der VG Eisenberg macht das Ehepaar Bär (Wiesenstraße 12, Ramsen) mit.