Kirchheim RHEINPFALZ Plus Artikel Birgitta Lutz und der falsche Oster-Hase

Birgitta Lutz
Birgitta Lutz

Die Corona-Entbehrungen sind für uns alle hart. Das wird vielen gerade zu Ostern besonders bewusst werden. Schön, wenn man so manchem Negativerlebnis noch etwas Positives abgewinnen kann. Wie die Kirchheimer Pianistin Birgitta Lutz, die uns hier ein ganz spezielles vorösterliches Erlebnis schildert.

Es war mein erster Einkauf mit einer Schutzmaske, die eine liebe Freundin aus Grünstadt für uns genäht und in den Briefkasten gesteckt hat. Dieser Tag sollte, allerdings noch aus einem anderen Grund, als denkwürdiges Erlebnis für mich in Erinnerung bleiben.

Mit einem schwarz-weiß karierten Stoffbeutel, der gut gefüllt war mit allerlei Bio-Leckereien und ausgewählten Wohlfühlprodukten, verließ ich eine Grünstadter Drogerie. Zufrieden mit meinem Einkauf, der als Paket zu unseren „Kindern“ geschickt werden sollte, begab ich mich in eine sonnige Ecke des Parkplatzes, oberhalb der Bahnlinie, um auf die vereinbarte Abholung mit dem Auto zu warten.

Ganz glücklich war ich jedoch in diesem Moment nicht: Ostern steht vor der Tür und etwas sehnsüchtig dachte ich an die Zeit, als der Osterhase noch durch den Garten lief, sich die tollsten Verstecke für seine selbst bemalten Eier und schokoladenen Häschen ausdachte. Und dann erst der Spaß, den wir alle bei der Suche hatten - nicht nur die Kleinen!

Diese Zeiten sind längst vorbei, die „Kleinen“ längst groß und ihre eigenen „Kleinen“ inzwischen auch. Berufliches Engagement und räumliche Entfernung lassen Familientreffen immer seltener werden. Umso mehr freuen sich alle auf gemeinsame Festtage, wie jetzt an Ostern. Dass es dieses mal kein Treffen geben kann, inmitten einer weltweiten Katastrophe, die uns Menschen ...

Und plötzlich ist die Tasche weg

Jetzt hab ich mich wohl etwas zu sehr meinen Gedanken hingegeben und kehre hiermit zurück zum Parkplatz, wo ich meinen gefüllten Einkaufsbeutel an einer Hecke abgestellt hatte und unmittelbar davor auf und ab ging, die Tasche immer im Blickfeld. Ein kurzes Gespräch mit einem Grünstadter Bekannten, wohlgemerkt im Abstand von mindestens zweieinhalb Metern, unterbrach meine Einsamkeit beim Warten auf den vereinbarten Abholdienst. Dieser hatte sich wohl verspätet, ich wurde etwas unruhig und mein Blick ging zu den vorbei fahrenden Autos auf der Kirchheimer Straße. Mein Blick ging zurück und in diesem Augen-Blick glaubte ich dem Blick meiner Augen nicht zu trauen: Der Stoffbeutel mit den Ostergeschenken war verschwunden, weit und breit war kein Mensch zu sehen, den ich hätte fragen können, ob er diesen vielleicht versehentlich mitgenommen habe ...

Nachdem ich, zunächst leicht geschockt, sicher war, dass es sich nicht um eine optische Täuschung handelte, war mir klar: Als Täter kommt nur ein f a l s c h e r Oster-Hase in Frage, der ja bekanntlich sehr menschenscheu sein soll, sich rasch aus dem Staub machen kann und möglicherweise in Corona-Zeiten sogar in Not geraten sein könnte bei der Beschaffung lebenswichtiger Artikel in ausreichender Menge für sich und seine Nachkommen. Dieser letzte Gedanke erweckte in mir spontanes Mitleid: Armer Osterhase, ich gönne Dir diesen „Fund“ und wünsche Dir und den Deinen ein frohes Fest. Mein geplantes Osterpäckchen könnte den ausgefallenen Osterbesuch ohnehin nicht ersetzen und unsere Nachkommen leben nicht in Not und haben sicher Verständnis dafür, dass sie diesmal leer ausgehen, wenn ich ihnen meine Geschichte ...

Ein überraschender Anruf

Das Telefon klingelt, während ich diese Zeilen schreibe. Eine lästige Unterbrechung an einem ohnehin außergewöhnlichen Tag! Ich höre eine weibliche Stimme, die sich mit der deutschen Sprache müht, verstehe nur einzelne Wörter, wie Toom-Markt, Einkaufswagen, braune Tasche gefunden, Geldbeutel... „Da sind Sie falsch bei mir, ich war weder am Toom-Markt noch hatte ich eine braune Tasche, außerdem legte ich die Ware bei der Drogerie in einen Einkaufskorb“, gab ich leicht genervt zurück. „Dann nicht kommen“, war ihre Antwort, noch bevor ich fragen konnte, wie die Dame an meine Telefonnummer gekommen war.

Mein Mann überredete mich dennoch, sofort zum Toom-Markt zu fahren. Und siehe, da war ein Wunder geschehen: Mitten im Geschäft sehe ich meinen noch immer prall gefüllten Einkaufsbeutel stehen, der in einem Wagen bei diesem Getränkemarkt von einem Kunden entdeckt worden war, wie mir die freundliche Geschäftsführerin erklärte. Ich war sprachlos. Wie, warum und auf welchem Wege kam mein Einkauf von hier nach dort?

Dafür gibt es für mich nur eine Lösung: Hier war der r i c h t i g e Oster-Hase am Werk! Wer sonst hätte eine so reizende Idee gehabt, Geschenke derart schnell und schlau zu verstecken? Selbst die rote Geldbörse mit meinen Daten! und etwas Bargeld befindet sich noch dazwischen - welch ein unerwartetes Geschenk! Von dem edlen Charakter meines Wohltäters total gerührt, möchte ich fast nicht erwähnen, dass ihm unterwegs ein paar Geldscheinchen entweder verloren gegangen sind, oder er sie vielleicht an einem anderen Ort versteckt hat??

Lieber Oster-Hase, selbst wenn Du dafür Eigenbedarf haben solltest, seien Dir diese, vielfach verwendbaren Papierchen, von Herzen vergönnt. Und das wird jeder verstehen, der in letzter Zeit in eine besondere Notlage geraten ist. Ich danke Dir!

Die Autorin

Birgitta Lutz ist zwar in München aufgewachsen, lebt aber seit vielen Jahren in Kirchheim, wo sie als freischaffende Pianistin, Komponistin und Klavierpädagogin arbeitet.
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