Grünstadt Biedesheim: Große Hilfsbereitschaft für obdachlose Katzenbesitzerinnen

Blick in das Auto, in dem Mutter und Tochter Schneider mit ihren Katzen leben.
Blick in das Auto, in dem Mutter und Tochter Schneider mit ihren Katzen leben.

Eine Welle der Hilfsbereitschaft hat der RHEINPFALZ-Artikel vom Samstag über zwei obdachlose Frauen ausgelöst, die seit Monaten mit 13 Katzen in einem Auto leben.

Die Ortsgemeinde Biedesheim hatte Gaby Schneider und ihrer Tochter Samirah ein Ultimatum gestellt. Danach sollten sie bis gestern, Mitternacht, das gemeindeeigene Grundstück an der alten Pumpstation verlassen. Dort leben sie mit ihren Katzen seit Monaten in einem alten Golf. Nun dürfen sie noch drei Tage länger bleiben. Und: Es zeichnet sich eine Lösung ab. Bürgermeister Holger Pradella (parteilos) berichtet, dass er quasi das ganze Wochenende und am Montag mit dem Schicksal der beiden wohnungslosen Frauen beschäftigt war. Permanent hätten Leute bei ihm angerufen oder seien persönlich vorbeigekommen, um Hilfe anzubieten. Gemeinsam mit diesen Menschen und der Verbandsgemeinde Göllheim habe man einen Weg gefunden, wie die Schneiders nun endlich ihren Golf zulassen können, um ihn dann auch fahren zu dürfen. Voraussetzung für die Zulassung sind zwei Dinge: dass die Frauen, die ihr Haus aufgrund hoher Schulden durch Zwangsversteigerung verloren haben, mit einem Wohnsitz irgendwo registriert sind und dass sie im Besitz des Fahrzeugbriefs für ihren VW Golf sind. Den 20 Jahre alten Wagen haben sich Mutter und Tochter, die beide von zusammen 900 Euro Rente leben, vor kurzem für wenig Geld gekauft – auf Raten. „Ein Bürger war bereit, die noch ausstehenden 250 Euro des Kaufpreises zu übernehmen“, berichtet Pradella.

Tiere können bei Gnadenhof unterkommen

Der hilfsbereite Mann ist Paul Wolfangel aus Ramsen. Er sagt: „Ich hab` den Beitrag in der Zeitung gelesen, und die beiden Damen haben mir einfach leid getan.“ Er sei außerdem Katzenliebhaber und könne sehr gut verstehen, dass man sich nicht einfach von seinen Tieren trennen kann. Wie berichtet, haben die Schneiders bislang keine Wohnung gefunden, weil sie die 13 Katzen – von denen alle Kater kastriert sind – behalten wollen. Zunächst hat Wolfangel einen Korb voll Futter zur Pumpstation gebracht. „Dort habe ich aber gesehen, dass es damit allein nicht getan ist“, erklärt der Ramser, der sich dann umgehend an den Bürgermeister wandte. „Auf Nachfrage erfuhr ich, dass es wohl ein renovierungsbedürftiges Haus in der Gemeinde gibt, das den Frauen vielleicht zur Verfügung gestellt werden könnte.“ Als Wolfangel gestern den Fahrzeugbrief zur Pumpstation brachte, war der Radiosender SWR IV vor Ort. Auch in den sozialen Medien und sogar in der Hamburger Morgenpost war das Schicksal der beiden Biedesheimerinnen Thema. Der Gnadenhof in Rockenhausen hat sich laut Pradella gemeldet: „Dort könnten die Tiere vorübergehend aufgenommen werden.“

Weitere Kosten für Autos

Gaby Schneider zeigt sich von der enormen Resonanz überrascht und ist überglücklich: „Das freut mich alles riesig.“ Am Sonntag gab es noch eine Überraschung. Die 64-Jährige erzählt: „Der Autohändler, der uns den Golf verkauft hat, brachte uns Essen vorbei und füllte sogar fünf Liter Sprit in den Tank.“ Der Unternehmer aus Eisenberg, der namentlich nicht genannt werden möchte, erklärt: „Wenn mich jemand braucht, bin ich da.“ An dem Auto, für das er ursprünglich 750 Euro haben wollte und das er den Schneiders für 550 Euro überließ, habe er keinen Cent verdient. Heute werden Gaby Schneider und ihre schwerkranke Tochter Samirah (35) mit Bürgermeister Pradella zur Verwaltung der Verbandsgemeinde fahren und einen Wohnsitz anmelden. „Da werden wir dann auch die Sache mit der Zwangsabmeldung des Corsa klären“, kündigt die Rentnerin an. Der Opel Corsa, in dem die beiden Frauen zuvor lebten, war nicht mehr durch den TÜV gekommen und von Amts wegen stillgelegt worden. Für die Stilllegung soll sie 280 Euro bezahlen, wogegen sie Widerspruch eingelegt hat. „Bisher hat der Kreis darauf aber nicht reagiert“, sagt Schneider. Ungeklärt ist, wie sie die Zulassung ihres Golfs bezahlen will: Das sind noch einmal knapp 60 Euro.

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