Grünstadt „Besonders schützenswertes Biotop“

Placeholder-Image

GRÜNSTADT/EISENBERG. „Die Energiewende darf nicht zu einem kopflosen Ausbau von Windkraft führen, der sich immer mehr zu einer Katastrophe für Natur und Landschaft entwickelt“, sagt der Vorsitzende des Naturschutzbundes Rheinland-Pfalz, Siegfried Schuch. Der Nabu Eisenberg-Leiningerland spricht sich gegen Windräder auf dem Grünstadter Berg (Gemeindeberg, in der Nähe des Modellflugplatzes bei Neuleiningen) aus. Wir sprachen mit der Vorsitzenden Susanne Bentz.

Frau Bentz, sind Sie gegen die Energiewende?

Nein. Uns ist bewusst, dass künftig noch sehr viel mehr in regenerative Energieformen investiert werden muss. Dabei wird der Ausbau der Windenergie eines der wichtigsten Komponenten sein. Eine Energiewende, die aber den Artenschutz mit Füßen tritt, kann nicht die Wende sein, für die Naturschutzverbände immer gekämpft haben. Und auf dem Grünstadter Berg sehen Sie den Artenschutz mit Füßen getreten? Ja. Wir fordern, den von Grünstadt und Ebertsheim als Standort bevorzugten „Gemeindeberg“ von Windenergieanlagen freizuhalten. Es sollten andere, weniger sensible und bereits als Vorrangflächen ausgewiesene Stellen in der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land zum Ausbau der Windkraft genutzt werden. Was ist so besonders schützenswert auf dem Grünstadter Berg? Der Grünstadter Berg ist ein landesweit herausragender, wertvoller Lebensraum mit einer Vielzahl hochsensibler und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. In den Biotopen mit Kalkmagerrasen wurden Insektenarten gefunden, die sonst in ganz Rheinland-Pfalz nicht bekannt sind. Die zahlreichen Orchideenarten zeugen ebenfalls von der außergewöhnlichen ökologischen Bedeutung dieses Areals. Diese Artenvielfalt war auch Grund für die Ausweisung als Flora-Fauna-Habitat. Deren vorrangiges Ziel ist die Erhaltung der Vielfalt. Zudem erfüllt der Kalkmagerrasen zwischen Grünstadt und Eisenberg die Kriterien des Bundesnaturschutzgesetzes für besonders schützenswerte Biotope und damit wohl auch die Kriterien zur Ausweisung als Naturschutzgebiet. Wir sehen weniger durch den Betrieb als vielmehr durch den Bau und die Wartungsarbeiten der Windkraftanlagen eine nachhaltige Gefährdung dieses Lebensraumes. Das heißt, durch die Rotorblätter der Windräder und Luft-Verwirbelungen sehen Sie weniger Probleme für die Tierwelt? Nein, das eben Gesagte gilt für den Lebensraum. Für Tiere, vor allem Vögel, stellen die Anlagen im Betrieb sehr wohl eine erhebliche Gefahr dar. Das Eisbachtal hat eine Leitwirkung für die Vögel auf ihren Nahrungsflügen. In diesem Gebiet sind außerdem Zugvögelarten wie Rotmilan, Weihe, Kranich, Abendsegler unterwegs. Auch der Bienenfresser, der hier eines der landesweit bedeutendsten Brutvorkommen hat, pendelt zwischen seinen Brutstellen bei Eisenberg und bevorzugten Jagdräumen bei Obrigheim und Obersülzen. Windräder auf dem Grünstadter Berg stünden inmitten bevorzugter Flugrouten und wären damit massive Gefährdungspunkte für diese Arten. Die Bedrohung wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Studien eindeutig belegt. Doch wir erleben, dass dies bei der Planung von Windenergieanlegen immer weniger berücksichtigt wird. Und was sagen Sie zu der Veränderung des Landschaftsbildes? Über Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes könnte eventuell hinweggesehen werden, wenn alle naturschutzrelevanten Sachverhalte berücksichtigt würden.

x