Grünstadt Besitzer des Rucksacks gefunden
Wem gehört dieser Rucksack? Diese Frage haben wir gestern gestellt, nachdem am Mittwochmorgen ein Rucksack an der RHEINPFALZ-Lokalredaktion in der Hauptstraße 35 gefunden worden war. Heute können wir erleichtert kundtun, dass der Besitzer gefunden wurde. Es handelt sich um einen Mann aus Hessen, der in Grünstadt auf Montage war. Er ist heilfroh, dass er die Fotos, die im Rucksack sind, wiederbekommt.
Heute hier, morgen dort. So könnte man das Leben von Joachim Niecznikowski aus Rodgau (Kreis Offenbach) in Hessen beschreiben. Der 55-Jährige kümmert sich mit seinen Kollegen von der Firma Uretek von montags bis freitags um abgesackte Fundamente von Häusern, Nebengebäuden und Hallen. Sie werden stabilisiert – oder wieder aufgerichtet. Diese Woche waren er und ein Kollege in Grünstadt zu Gange und übernachteten von Dienstag auf Mittwoch in einem Hotel. Und irgendwie hatte Niecznikowski vergessen, sein Auto abzusperren. Böse Buben hatten das erkannt und das Fahrzeug in der Nacht durchsucht. „Es war alles durchwühlt und es waren Sachen vor dem Auto gelegen“, erzählt Niecznikowski vom Mittwochmorgen. Die Täter hatten es wohl auf Bargeld abgesehen – Navi, Akkuschrauber und Werkzeug ließen sie liegen. Dafür nahmen sie einen schwarzen Rucksack und einen gelben Müllsack mit. Der Rucksack war leer. Der Müllsack war voller Bilder – und am Ende landeten die Fotos aus dem gelben Sack im schwarzen Rucksack. Und das Ganze vor der RHEINPFALZ-Redaktion. Joachim Niecznikowski hatte die Fotos von der Mutter eines Freundes geschenkt bekommen, der zwei Jahre zuvor gestorben war. „Ich wollte die Fotos mal abends im Hotel durchgucken“, sagt er und vermutet: „Da werden bestimmt viele Feierbilder dabei sein, wir haben früher viel gefeiert.“ Seine Vermutung ist richtig. Niecznikowski hilft auch noch dabei, das Rätsel um die Spitznamen zu lösen, die auf den Fotoumschlägen stehen. „Langer“ wurde ein Motorradfreund gerufen, der leider schon 2011 verstorben ist. Und „Mütze“? „Das werde wohl ich sein“, sagt Niecznikowski. „Mein Spitzname ist seit 40 Jahren Niecze.“ Klingt fast wie „Mütze“ – das hatte die Mutter des vor zwei Jahren verstorbenen Freundes wohl nach Gehör auf die Fotoumschläge geschrieben. Und wie hat Niecznikowski, der Anfang der Woche in Gießen, Mitte der Woche in Grünstadt und gestern in Esslingen bei Stuttgart gearbeitet hat, erfahren, dass sein Rucksack gefunden worden ist? Über einen RHEINPFALZ-Leser aus der Schlachthofstraße. Bei ihm hatte Niecznikowski Mitte der Woche am Fundament gearbeitet. Der Grünstadter hatte den Artikel gestern gelesen, erinnerte sich, dass der Monteur ihm von jenem Malheur berichtete hatte – und kombinierte messerscharf ... Niecznikowski jedenfalls ist erleichtert, dass die Erinnerungsfotos wieder aufgetaucht sind: „Ich bin froh, dass es sich so ergeben hat.“ Die Fotos hätten ja auch irgendwo im Abfall landen können. Heute werden wir ein Päckchen zur Post bringen, darin wird ein Rucksack sein. Und zwei Zeitungsartikel. In einem steht, dass am Mittwoch vor der RHEINPFALZ-Redaktion ein Rucksack gefunden worden ist. Im anderen steht, dass der Besitzer des Rucksacks am Donnerstag gefunden worden ist.