Grünstadt BASF-Hochhaus bald weg

Placeholder-Image

Vom Friedrich-Engelhorn-Hochhaus ragen nur noch ein paar Pfeilerstützen im Erdgeschoss in den trüben Himmel. Das einst höchste Bürogebäude Deutschlands ist so gut wie verschwunden. Vier Spezialbagger machen sich an den letzten Resten des früheren BASF-Wahrzeichens zu schaffen. Die größte Baumaschine wiegt 130 Tonnen, hat einen 43 Meter langen Greifarm und kann mit ihrer Abbruchzange einen Druck von 40 Tonnen aufbauen. Keine Chance für die alte Bausubstanz aus den 1950er Jahren. Die letzten Teile des Erdgeschosses werden Mitte dieser Woche verschwinden. „Wir liegen voll im Zeitplan“, sagte gestern ein Konzernsprecherin auf Anfrage. Von dem einst unter Denkmalschutz stehenden Gebäude bleibt am Ende nur noch Bauschutt übrig – rund 40.000 Tonnen sind es bis jetzt. Im August 2013 hat der Abriss begonnen. 14 Monate später ist der 102 Meter hohe Koloss dem Erdboden gleichgemacht. Was übrigbleibt, ist der Keller des Hochhauses. Dessen Innenwände werden als nächstes weichen. Die Kelleraußenwände bleiben stehen. Dann wird das Loch in der Erde verfüllt und das brachliegende Areal mit Schotter planiert. „Bis Ende 2014 ist der Abriss beendet. Wir nutzen das Gelände dann zur Anlieferung und Lagerung von Material für die Baustelle D 105“, sagt eine BASF-Sprecherin. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Abrissbaustelle ist ein modernes Kongress- und Bürozentrum in die Höhe gewachsen. Das mehrgeschossige Gebäude ist die Zukunft. Genau wie der geplante Neubau eines Hochhauses auf dem Areal des Engelhorn-Hauses. Im Juli hat der Chemiekonzern den Entwurf für sein neues Wahrzeichen vorgestellt: 17 Meter breit, 56 Meter lang und 88 Meter hoch soll das Gebäude mit Glasfassade werden. Der Neubau soll 600 Büroarbeitsplätze auf 20 Etagen bieten. Ein Dachgarten und eine Terrasse sollen Besuchern Ausblicke auf Ludwigshafen und das weltgrößte Chemiewerk ermöglichen. Wohl ab 2016 soll das auf drei Jahre angesetzte Bauvorhaben starten. „Momentan befinden wir uns in der Konkretisierungsphase“, sagt eine Konzern-Sprecherin. Soll heißen: Die technische Umsetzung des Entwurfs des Düsseldorfer Architektenbüros „Eller + Eller“ wird geplant. Bis der Neubau startet, wird also noch einige Zeit vergehen. Die Tage des Engelhorn-Hochhauses sind indes gezählt. Der Abriss ist anspruchsvoll gewesen. Eine Sprengung kam nicht in Frage, wegen der sensiblen Chemieproduktionsanlagen und der Verkehrshauptschlagader Carl-Bosch-Straße in der unmittelbaren Nachbarschaft. Also mussten über 100 Meter hohe Kräne aufgebaut, und kleine Bagger auf das Gebäude gehievt werden. Stockwerk für Stockwerk wurde abgetragen. Die Abrissarbeiten mussten auf engstem Raum erfolgen. „Wir sind nah an der Straße, nebenan ist auf der einen Seite die Großbaustelle für den Büroneubau D 105, auf der anderen das Besucherzentrum“, beschrieb der Bauleiter für die Demontage, Jürgen Hanewald, die knifflige Aufgabe zu Beginn des Abrisses. Wiederverwertbare Materialen wie Elektrokabel oder Eisen sowie Schadstoffe waren zuvor aussortiert und das Gebäude komplett entkernt worden. Übrig blieb ein Skelett aus Stahlbeton, der von Baggern in Schutt verwandelt wurde. Am Ende werden es schätzungsweise 50.000 Tonnen Betonschutt sein. Damit könnte man ein Fußballfeld acht Meter hoch auffüllen, haben die Aniliner ausgerechnet. Und so etwas Ähnliches hat die BASF auch damit vor. Der übrig gebliebene Schutt wird täglich von Lastwagen abtransportiert und über die Brunckstraße zu einer Wiederverwertungsanlage im Norden des Werks gefahren. Die Betonreste werden zum Verfüllen bei anderen Bauprojekten eingesetzt. Vom Friedrich-Engelhorn-Hochhaus wird am Ende nichts mehr übriggeblieben sein: außer das denkmalgeschützte Mosaik, das einst in einem der obersten Stockwerke hing. Es wurde in ein Archiv eingelagert.

x