Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Bahnstreik: Wie der Weg nach Mannheim zur Odyssee wurde

So einen Hinweis hätte Sascha Christ am Mittwochmorgen wirklich gern gehabt.
So einen Hinweis hätte Sascha Christ am Mittwochmorgen wirklich gern gehabt.

Als treuer Bahnkunde hatte sich Sascha Christ aus Obrigheim bereits kurz nach Verkündung des Streiks mental auf einige Stunden mehr Fahrzeit eingerichtet. Dass es dann so beschwerlich werden würde, hatte er aber nicht erwartet. „Am frühen Mittwochmorgen ging es drunter und drüber“, berichtet er. Aus dem Ortsteil Albisheim habe er gestern fast drei Stunden bis nach Mannheim gebraucht. Wohlgemerkt : nur für die Hinfahrt.

Der 41-Jährige arbeitet bei CP Pumpen und fährt täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin. Normalerweise eine Super-Sache, denn: „Ich nehme den Zug um 7 Uhr ab Albsheim/Eis, da der bis Mannheim fährt, wo er um 7.56 Uhr ankommt.“ Die Fahrt gehe sprichwörtlich durch – in einem Zug sozusagen. Deswegen an dieser Stelle mal ein dreifach Hoch auf die Deutsche Bahn. Aber gestern kam's, wie es kommen musste.

„Von der Streikankündigung war ich nur mäßig begeistert, aber immerhin waren am Dienstagabend in der Fahrplanauskunft der Bahn die Züge gekennzeichnet, die am Mittwoch streikbedingt ausfallen“, berichtet Christ. Zu seiner großen Freude sollte der Zug um 7 Uhr in Albsheim anrollen. „Na ja, und zumindest in der Onlineauskunft verließ er Albsheim auch um 7.01 Uhr“, erzählt der Obrigheimer. In Wirklichkeit musste er aber gegen 7.20 Uhr knappe 300 Meter runter bis zur Bushaltestelle am Eisbach laufen – das ist nahe der Schiffermühle –, da vom Zug weit und breit nichts zu sehen und zu hören war.

Angeblich war der Zug da ...

„Ich finde es schade, dass weder auf dem Anzeiger noch per Lautsprecher eine Info gegeben wurde,“, sagt Christ. Aber es sei halt Streik und vielleicht seien ja alle bei der Bahn überfordert. Also ging es stattdessen mit dem Bus nach Grünstadt, von da mit dem Bus nach Frankenthal und weiter im Bus nach Oggersheim. Dort konnte Christ dann in die Straßenbahn zum Mannheimer Hauptbahnhof umsteigen. „Da bin ich gegen 10 Uhr angekommen“, berichtet der Albsheimer, der das Glück hat, dass es von dort aus zu Fuß weitergehen konnte.

Da der 41-Jährige auf der Rückfahrt nicht testen wollte, ob der – oder überhaupt ein – Zug fährt, entschied er sich, ab der Quadratestadt mit der Straßenbahn zu fahren und dann wieder auf Busse umzusteigen. „Am Donnerstag nehme ich wohl die Strecke über Bad Dürkheim – etwas Abwechslung schadet ja nicht“, nimmt es Christ dann doch gelassen. Der Streik soll bis 2 Uhr am Freitagmorgen dauern. Und bitte, liebe Bahn, denk bei den hartnäckigen Verhandlungen zuvorderst an deine Kunden – vor allem auch an die künftigen. Mehr solcher Odysseen? Braucht es wirklich nicht. Danke!

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