Grünstadt Bahnhofsgleise in Grünstadt "museumsreif"

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Für das „Kreischen“ der täglich 71 Züge hat Klaus Heidenreich „museumsreife Holzschwellen“ als Ursache ausgemacht. Bei der 1995er Modernisierung wurden auf 650 Metern Zugstrecke im Bereich des Bahnhofs keine Betonschwellen verlegt. Der Bitzenstraßen-Anlieger sieht sogar die Gefahr, dass Züge aus den Gleisen springen könnten. Heute verteilt er einen offenen Brief.

„In dem offenen Brief bitte ich alle Grünstadter Abgeordneten in allen überregionalen und lokalen Parlamenten, jeweils an ihrem Platz die Initiative zu ergreifen, dass die Bahnhofsgleise in Grünstadt möglichst bald modernisiert werden“, sagte Heidenreich im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Denn das Kreischen der täglich etwa 80 ein- und ausfahrenden Züge in den Bahnhof sei für ihn „ein Warnsignal, dass die völlig überalterten Gleisbette zwischen der Obersülzer Straßenbrücke und dem unbeschrankten Bahnübergang Sankt Peter Straße/Albsheimer Weg den Anforderungen neuer Zuggenerationen nicht mehr genügen“. Heidenreich bekräftigt die Kritik, die Anlieger im RHEINPFALZ-Artikel „,Wecker’ quietscht täglich um 4.30 Uhr“ vom 20. August geäußert hatten: „Seit der Einführung der neuen Regionalzüge Anfang diesen Jahres leiden wir unter exzessiven Kreisch-Orgien – und das täglich halb- und ganzstündlich ab 4.30 Uhr morgens bis um Mitternacht.“ Die in dem Artikel geschilderte Antwort der DB Regio auf die Anfrage der RHEINPFALZ, dass eine Überprüfung der neuen Lint-Fahrzeuge keine Unregelmäßigkeiten ergeben hätte, hat Heidenreich mit Unverständnis gelesen: „Da fragt man sich, ob die DB Regio nicht weiß, dass ihre neuen Züge bei der Ein- und Ausfahrt in den Grünstadter Bahnhof etwa 650 Meter weit auf Gleise aus der Dampflok-Ära müssen.“ Denn als 1995 im Rahmen der Gestaltung des Umweltbahnhofs Grünstadt die Gleisbette zwischen Monsheim und Frankenthal mit Betonschwellen modernisiert wurden, habe man es „stillschweigend unterlassen, die mit uralten Holzschwellen schon damals überalterten Gleise im Bahnhofsbereich ebenfalls zu ersetzen“. Bis zur Einführung der Lint-Triebwagen im Januar sei das auch kein hörbares Problem gewesen, so Heidenreich, da „die bis zum Vorjahr benutzten leichteren und kürzeren Dieseltriebwagen die alte Konstruktion noch nicht überfordert haben. Seit Januar aber rumpeln die neuen Züge, jeweils zu viert, halbstündlich an der Obersülzer Straßenbrücke oder am Bahnübergang Schlachthofstraße schlagartig auf die Holzschwellen-Gleise aus der Dampflok-Ära und kreischen in jedem Schienenbogen und auf jeder der zahlreichen Weichen.“ Für den Grünstadter ist das hochfrequente Quietschen, wenn Metall auf Metall reibt, kein Wunder: „Länge, Gewicht und Drehachsen-Abstände der neue Züge – häufig auch zu einem langen Doppelzug gekoppelt – überfordern das veraltete Gleisbett mit seinen engen Kurvenbögen, vielen Weichen und der mangelhaften Festigkeit der Schiene-Schwellen-Konstruktion.“ Bestätigt sieht er sich in seiner Analyse dadurch, dass das „Kreisch-Phänomen“ auch früher schon aufgetreten sei: jeden Sonntag um 10 und 18 Uhr, wenn sich der Wissembourg-Express mit schwerer Diesel-Lok und vielen Personenwagen in den Bahnhof durchgequält hat. „Damals und heute besonders laut, wenn bei langanhaltender Sonneneinstrahlung das alte Holz die hitzegedehnten Eisenschienen nicht mehr angemessen fixieren kann“, sagt Heidenreich. In welch schlechtem Zustand die Holzschwellen sind, habe man an denen gut sehen können, die bei den Arbeiten für die Alla-Hopp-Anlage entfernt wurden, betont der Anlieger aus dem Bitzenstraßen-Mietshaus. So gingen die auf der Oberfläche sichtbaren Risse auch meist durch den ganzen Balken – auffallend viele, wo die Schrauben eine feste Verbindung zwischen Schiene und Holz garantieren sollen. Außerdem habe er entdeckt, dass – an der Oberfläche nicht sichtbar – viele Schwellen an der im Schotter liegenden Unterseite angefault sind. Alles in allem sei es also höchste Zeit, dass „dieser vergessene Rest der Gleisbette aus der Dampflok-Ära modernisiert wird“, fordert Heidenreich in dem offenen Brief. Den lässt er heute zwar Grünstadter Volksvertretern in Bundes- und Landtag sowie Kreistag und Stadtrat zukommen, in der Verantwortung sieht er jedoch insbesondere die DB Regio Bahn und DB Netz sowie die Landesregierung: sowohl für die Sicherheit als auch fürs „Kreischen“.

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