Leininger Nachlese
Autofahren günstiger als hin und wieder Bahnfahren
In theoretisch 17 bis 19 Stunden kommt man vom Grünstadter Bahnhof nur mit Regional- oder S-Bahnen auf die Nordseeinsel Sylt. Ein im Zusammenhang mit dem Neun-Euro-Ticket häufig genanntes Reiseziel, vor allem in sozialen Netzwerken. Von 1. Juni bis 31. August können Bürger für neun Euro monatlich das gesamte Nahverkehrsnetz der Bundesrepublik nutzen – egal wie weit und wie viel gefahren wird.
Unter den gewohnten Bedingungen ist der Bewegungsradius um Grünstadt für neun Euro in den öffentlichen Verkehrsmitteln deutlich kleiner. Für acht Euro kommt man etwa mit Regionalzug und S-Bahn nach Ludwigshafen-Oggersheim. Bad Dürkheim oder Neustadt sind mit 4,40 und acht Euro ebenfalls erreichbar. Für den Hauptbahnhof in der Industriestadt – die nächste Haltestelle nach Oggersheim – reicht es aber nicht. Zehn Euro kostet die Fahrt an den Ludwigshafener Hauptbahnhof vom Grünstadter Bahnhof aus.
5,1 Liter für 100 Kilometer
Einfache Fahrten im Nahverkehr der Deutschen Bahn können – auch bei den derzeit hohen Spritpreisen – preislich nicht mit dem Auto mithalten. Das lässt sich am deutschen Durchschnittsauto erkennen: dem VW Golf. Kein anderes Auto ist häufiger auf deutschen Straßen zu finden als der Kompaktwagen aus Wolfsburg. Das jüngste Modell der Reihe, der Golf acht, verbraucht nach Herstellerangaben 5,1 Liter Benzin auf 100 Kilometern. Für neun Euro kommt man demnach im VW-Verkaufsschlager bei einem Literpreis von zwei Euro rund 88 Kilometer weit. Das entspräche einer Strecke von Grünstadt bis jenseits von Kusel, Wörth oder sogar der Landeshauptstadt Mainz.
Diese Rechnung bildet aber nur die halbe Wahrheit ab, fehlen beim Auto noch Kosten für Motoröl, das auf dieser Strecke verbraucht wird oder etwa die Abnutzung von Bremsbelägen. Bei einfachen Fahrten spielen diese Kosten zwar eine untergeordnete Rolle, schlagen sich aber langfristig dennoch im Geldbeutel nieder. Für die Bahn spricht, dass das Beispiel einfache Zugfahrten zeigt. Dauerfahrkarten, wie Jahreskarten, sind nicht berücksichtigt. Auf die einzelne Fahrt heruntergerechnet, fallen die nämlich deutlich günstiger aus.
Eine Monatskarte entspricht einmal volltanken
Beim Verkehrsbund Rhein-Neckar (VRN) kostet eine Jahreskarte für das gesamte Verbundgebiet monatlich 111,20 Euro. Für Pendler also ein deutlicher Vorteil gegenüber dem Auto, das sich für diesen Betrag – je nach Hersteller und Kraftstoff – etwas mehr als einmal volltanken lässt. Auch bei Fahrten im Fernverkehr kann die Deutsche Bahn im Vergleich zum Auto punkten – dem Supersparpreis sei Dank.
Auch in Sachen Co2-Ausstoß muss das Auto im Vergleich zur Bahn zurückstecken. Die gibt den Co2-Ausstoß im Nahverkehr mit durchschnittlich 48 Gramm pro Kopf und Kilometer an. Zum Vergleich: In der DB-Statistik ist das Auto mit 154 Gramm absoluter Spitzenreiter. In einem Bericht des „Bayerischen Rundfunks“ (BR) heißt es, dass sich die Bahn grüner mache, als sie tatsächlich sei. So würde das Unternehmen zwar „grünen“ Strom aufkaufen, das führe jedoch nicht dazu, dass der verstärkt produziert werde, sondern stattdessen an anderer Stelle fehle. Nichtsdestotrotz stelle die Bahn ein vergleichsweise umweltfreundliches Verkehrsmittel dar.