Grünstadt Arbeit auf Zeit

„Mensch sein – Mensch bleiben“: Unter dieser Überschrift arbeiten (von links) Lisa Hellwig, Maja Ackermann, Gabriele Fürstenberg
»Mensch sein – Mensch bleiben«: Unter dieser Überschrift arbeiten (von links) Lisa Hellwig, Maja Ackermann, Gabriele Fürstenberg, Michaela Schlösser und Geschäftsführer Martin Martin.

Mit dem Wort „Leiharbeiter“ braucht man ihm gar nicht zu kommen. Martin Martin hält nichts davon. „Wir verleihen nichts“, sagt Martin. „Wir haben keine Maschinen, wir haben Menschen.“ Der 46-Jährige, der mit Vor- und Nachnamen Martin heißt, ist Personalvermittler in Neuleiningen-Tal. Er sucht für Firmen in der Region nach Arbeitskräften für eine gewisse Zeit.

Die Branche der Leiharbeitsfirmen hat nicht den besten Ruf, Martin weiß das und will dagegen halten. „Es will doch keiner hören, dass Zeitarbeit auch was Gutes sein kann“, sagt er. Deswegen habe er nach einer Talkshow in der Redaktion von Maybrit Illner angerufen und gesagt, dass er das nächste Mal gern als Gast über Personaldienstleistungen sprechen könne, und er hat Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) nach Neuleinigen-Tal in sein Büro eingeladen. Sie war noch nicht da. Martin Martin beschäftigt 125 Zeitarbeiter, sechs Leute kümmern sich im Büro um die „Martin Martin Personaldienstleistungen GmbH“, die Mitarbeiter im technisch-gewerblichen Bereich einstellt, und die „Professional Solutions GmbH“, die beispielsweise IT-ler und Mitarbeiter fürs gehobene Management vermittelt. Das Geschäft läuft so: Wenn Firmen Mitarbeiter suchen – sei es, weil sie Auftragsspitzen abarbeiten müssen oder eine Kollegin in Elternzeit ist – kontaktieren sie Martin, der dann wiederum nach passenden Mitarbeitern sucht. Die 25 bis 30 Kunden haben ihre Firmen in und um Grünstadt, Eisenberg, Worms, Speyer oder Mannheim, Großkunden sitzen in Köln, Mainz oder Frankfurt. „Dass wir Großkonzerne als Kunden haben, hängt damit zusammen, dass wir beide als Personen bekannt sind“, sagt Michaela Schlösser (52) aus Carlsberg, eine Kollegin von Martin, die wie er zuvor bei großen Personaldienstleistern gearbeitet hat. Bei 80 Prozent der Kunden handle es sich um kleine und mittelständische Unternehmen, sagt der Geschäftsführer, der in Lampertheim wohnt. Die Anzahl der vermittelten Personen liege zwischen einer und sechs Personen pro Firma. Die Liste der Jobs, für die der Personaldienstleister im Auftrag seiner Kunden Mitarbeiter sucht, ist lang: Dreher, Gießereimitarbeiter, Staplerfahrer, Metallbauer, Kunststoffformgeber, IT-Entwickler oder Personalsachbearbeiter werden derzeit unter anderem gesucht. Die Zeiträume, für die Martin Personal abstellt, sind zwischen einem und neun Monaten. „Wir machen keine Tages- oder Wocheneinsätze“, sagt Martin, der für 2017 mit einem Umsatz von 3,5 Millionen Euro rechnet. 30 Prozent der Zeitarbeiter würden später fest bei den Firmen angestellt: „Das ist die beste Werbung, die man haben kann“, sagt Martin über die Übernahmequote. 80 Prozent der Mitarbeiter seien zuvor arbeitslos gewesen, berichtet Martin und ordnet ein: „Es kostet Kraft, wenn sie aus der Arbeitslosigkeit wieder in Strukturen reinkommen.“ Manche der Mitarbeiter hätten schlechte Bewerbungsunterlagen, andere seien durch Krisen wie den Arbeitsplatzverlust oder Krankheiten aus der Bahn geworfen worden. Es gelte auch, die Leute – oft junge Männer – fit zu machen und aufzubauen, betonen Schlösser und Martin. Er hat viele Jahre bei großen Personaldienstleistern gearbeitet, gründete vor fünf Jahren seine eigene Firma. Warum? „Weil ich in der Führungsebene war, wo nicht der Mensch die Rolle gespielt hat, sondern die Zahl.“ Das Unternehmen in Neuleiningen-Tal aufzubauen, sei nicht einfach gewesen: „Wir mussten uns die Firma erarbeiten.“ Personaldienstleister verdienen ihr Geld durch die Vermittlerdienste, die Summe ist unterschiedlich, angewandt werde der Tarif des Bundesarbeitgeberverbands für Personaldienstleister. „Wir sind ein Arbeitgeber wie jeder andere, nur dass wir mit unseren Mitarbeitern bei unseren Kunden unseren Lohn verdienen“, erklärt Martin – direkter ausgedrückt: „Wir leben und sterben mit unseren Mitarbeitern.“ Martin hebt den sozialen Wert von Arbeit hervor, den Austausch am Arbeitsplatz, die Kollegen, die Routine und betont: „Viele wissen gar nicht, wie schön es ist, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben.“

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